Theater mit gesellschaftspolitischem Anspruch. Musik mit politisch relevanten Texten. Tweets mit Haltung. Blogs mit Tiefgang.

Sie alle eint vor allem gegenwärtig eines. Der Anspruch etwas beitragen zu wollen zum gesellschaftlichen Diskurs, eine Meinung auszudrücken oder deren Bildung anzustoßen. Der Wille, nicht einfach nur zu unterhalten, sondern wachzurütteln. Kein Dasein als bloßer Zeitvertreib für gelangweilte Schöngeister darzustellen, sondern aktiv einzugreifen in die öffentliche Diskussion, eine Vision davon zu entwerfen, in welcher Gesellschaft, in welcher Welt wir leben wollen und wie wir Differenzen überbrücken, Vorurteile ausräumen, Ängste abbauen, Hass lindern und Faschisten begegnen können.

Kritik an diesem Ansinnen zu üben ist nur allzu einfach. Gerade in Zeiten von nahezu hermetischen Filter-Bubbles und alles glatt bügelnden Algorithmen, ist es ein Leichtes, etwas ganz Offensichtliches als Totschlagargument gegen den Anspruch dieser Künstler vorzubringen: „Ihr erreicht mit Eurer Kunst doch ohnehin immer nur die, die Eurer Meinung sind.“

Ja, stimmt. Und jetzt? Sollen ambitionierte Hardcore-Bands jetzt keine Texte gegen rechtes Gedankengut mehr machen, weil nahezu alle Besucher ihrer Konzerte eher dem linken Spektrum zuzuordnen und Antifaschisten sind? Sollen politische Kabarettisten also aufhören, soziale Verwerfungen anzuprangern, weil ihr Publikum zu großen Teilen aus gesetzten und sozial abgesicherten Lehrern und sonstigen Beamten besteht? Sollen Tierrechte-Blogger das Schreiben einstellen, weil sie ohnehin nur von Veganern und Gleichgesinnten abonniert werden? Sollen wehrhafte Twitterer einfach das vehemente Widersprechen gegen den sich in xenophoben Textmeldungen ergießenden Mob einstellen und dem lauten, in der Minderheit befindlichen Pöbel das Feld überlassen, da ja ihre Follower-Bubble ausschließlich aus linksgrün-versifften Gutmenschen besteht?

Die klare Antwort ist: Nein!

Denn alle diese Künstler nähern sich ihren Themen auf kreative und äußerst unterschiedliche Art. Sie alle, so homogen und einverstanden mit der jeweilig vorgebrachten Botschaft ihr Publikum auch sein mag, geben eben diesem mit ihrer Kunst immer wieder neue Waffen an die Hand. Waffen der Kommunikation, Waffen der Argumentation. Sie versetzen uns immer wieder in neue Sichtweisen, lassen und Themen aus anderen Blickwinkeln betrachten. Und vor allem, sie alle eint, dass sie uns immer wieder den Spiegel vorhalten und uns dazu aufrufen, aktiv zu werden, selbst Stellung zu beziehen und nicht zu bloßen Konsumenten zu werden. Und sei es nur die Tatsache, dass man plötzlich spürt, dass man gar nicht alleine ist, wenn man gegen Nazis ist, sondern die absolute Mehrheit. Dass es normal ist, sich gegen diese Pest aus Angst und Hass aufzulehnen. Jederzeit und überall. Gerade in der Musik ist genau dieses Faktum ein zentraler Bestandteil von Politisierung. Nicht umsonst ist es gerade jetzt die Liebe, die heutzutage von brutalmusikalischen Bands aller Couleur, als Allzweckwaffe gegen viele menschliche Übel unserer Zeit propagiert werden.

Politische Kunst kann eine Energiespritze sein, ein Tritt in den Arsch, eine Haus voller neuer, spannender Türen. Und heutzutage nötiger denn je. Öffnen wir diese Türen voller Neugier und Spannung, auch wenn der Erbauer des Hauses exakt unserer Meinung sein sollte.