MERANER HÖHENWEG TAG 7

Tag 7
Von vernuer zur Oberkaseralm

Gasthaus Brunner (1100 m) – Gasthaus Longfall (1100 m) – Schutzhaus Bockerhütte (1700 m) – Oberkaseralm (2131 m)

zurückgelegte Kilometer

Höhenmeter

Stunden aktive Laufzeit

Das Spronsertal

Es gilt. Heute verlassen wir den klassischen Meraner Höhenweg, um mit den einzigartigen Spronser Seen ein absolutes Traumziel dieser Reise zu verwirklichen – doch dazu müssen wir erst einmal von „hier unten“ nach „dort oben“. 

Der Tag beginnt mit leicht bedecktem Himmel und wir mit einem, auch hier im Gasthof Brunner in Vernuer, gelegen am Sonnenhang der Texelgruppe, sehr leckeren Frühstück. Die Stärkung ist heute besonders wichtig, denn wir kommen nun also endlich zu jener Etappe, die uns ob des auf recht kurzer Strecke zu bewältigenden Höhenunterschieds schon seit Tagen Respekt abnötigt. Dabei ist es besonders gemein, dass wir alle Höhenmeter, die wir in der ersten Stunde erklimmen werden, bis zu unserer ersten geplanten Rast, am Gasthaus Longfall (1100m), wieder nach unten gegangen sein werden.

Aber egal. Gehen wir doch überhaupt erst einmal los. 

Zunächst führt uns eine befestigte Straße aus dem kleinen 30-Einwohner-Örtchen Vernuer heraus, um uns dann auf kleinen Waldwegen – der typische Duft des Waldes ist jedem regelmäßigen Besucher des Vinschgaus wohlvertraut – und über schräge Wiesenpfade, um den Berg herum zu bringen, der schließlich den Blick auf den Meraner Talkessel freigibt, der sich schon als Kind unauslöschlich in meine Netzhaut eingebrannt hat.  

Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man plötzlich auf dieser weiten Tour wieder in „heimische Gefilde“ mit den gewohnten Panoramen kommt, aber dann statt des Abstiegs, der richtige Anstieg gerade erst noch bevorsteht. Wir blicken also zur Linken ins Etschtal, wenden uns, unserem Weg folgend dann aber ab dem Bergweiler Gfeis (1278 m) nach Westen. Und obschon wir uns nun geografisch dem Spronsertal zuwenden, das wir heute für über 1000 Höhenmeter hinauf steigen müssen, führt unser Weg – auch schon einmal hundefreundlich überschwemmt von kleinen Bächen – stetig bergab. Auf dieser Strecke erblicken wir auch erstmals zu unserer Linken den markanten Hausberg Merans, die schon so oft und gerne besuchte Mutspitze (2291 m).   

Wir wir auf unserer Tour gemerkt haben, sind wir alle drei ziemlich gut darin, Gelegenheiten zu erkennen, wenn sie sich bieten. Diese Gelegenheit nach nur einer Stunde angenehmer Laufzeit heißt Gasthaus Longfall (1100 m), und bietet uns nicht nur eine Gelegenheit, uns während eines kurzen Gewitterschauers adäquat unterzustellen, sondern auch, um das in seiner sättigenden Wirkung schon leicht abebbende Frühstück ein wenig zu erneuern und die ganz ausgezeichneten Spezialitäten, dieses urigen Gasthauses aus wahrlich dunklem Holz zu genießen.

Überhaupt – und das kann man gar nicht oft genug betonen : Das Geniale an einer Hüttenwanderung ist ja mitunter, man kann gar nicht so viel essen, wie man an Kalorien verbraucht. Es gilt also zu essen, wann immer man Lust dazu verspürt und die Gelegenheit hat. Südtirol ist für beides exakt der richtige Ort, und das bis hoch hinauf zu den abgelegenen Hütten. 

Wie bereits angekündigt, verlassen wir nach der kurzen Regenpause nicht nur die gemütliche Hütte, sondern nach nunmehr 7 Tagen auch erstmals den Meraner Höhenweg, mit seiner markanten rot-weißen Markierung „24“. Während der Weg sich nun weiter auf diesem Niveau um den Berg in Richtung Muthöfe (im Jahre 1284 sage und schreibe erstmals erwähnt) schlängelt, steigt der von uns gewählte Weg, in nordwestlicher Richtung von nun an steil an. Und diesen Charakter wird er auf dieser Etappe fast die ganze Zeit beibehalten. 

Wir treffen hinter Longfall zum ersten Mal auf den wilden Spronserbach, dessen Tal wir nun den gesamten Nachmittag steil hinauf folgen werden. Zunächst geht es am Fuß der steil über uns aufragenden nordöstlichen Seite der Mutspitze, in Serpentinen durch schattig-nebelige Waldstücke. Etwas das wir später, wenn die Wolken aufreißen und die Sonne auf uns in baumlosem Gelände „herunterknallt“, noch oft lauthals. verkündet vermissen werden.  

Und da ist es auch schon so weit. Wir kommen aus dem Wald heraus, und obschon wir die Baumgrenze noch nicht ganz erreicht haben, führt der Weg von nun an nur noch durch die, nach der kleinen Pause des Gewitterschauers erbarmungslos sengende Sonne. Auf schmalem Pfad, oftmals bestehend aus kunstvoll grob aneinandergereihten Natursteinen, geht es nun Schritt für Schritt nach oben. Je höher wir kommen, desto beeindruckender wird die Sicht auf die grünen Hänge der ersten Gipfel des für mich legendären Spronsertals. Unter strenger Aufsicht von Unterer Hochwart (2393 m), Hochwart (2454 m) und Spitzhorn (2528 m) schlängelt sich der Weg, immer in Sichtweite der Materialseilbahn der Bockerhütte durch das Tal nach oben.

Nach ein paar Kurven durch offensichtlich als Viehstall benutzte Ansiedlungen von Gebäuden aus Natursteinen und Wellblechdächern, erblicken wir endlich unsere zweite geplante Rast, das Schutzhaus Bockerhütte auf 1700 m Höhe.

Familie Schnitzer bietet hier in traumhafter Lage auf sonnigen Wiesenmatten sowohl eine Unterkunft, als auch unfassbar leckeres Essen. Wer hätte das gedacht. Und erinnert Ihr Euch noch, als ich nur ein paar Zeilen höher sagte, man könne gar nicht so viel essen, wie man hier Kalorien verbraucht? Nun, wir schlagen also abermals zu. Es gibt eine klassische Brettljause mit Kaminwurz. 

Sehr zu Friedas Freude und unserer etwas surrealen Überraschung, laufen hier unglaublich viele Meerschweinchen auf der Terrasse frei herum. Hundekino. 

Ja, stimmt, es ist nicht unbedingt einfacher einen vollen Bauch den Berg hoch zu schieben, aber was soll man machen. Auch nach dieser weiteren Rast liegt noch ein ganzes Stück Weg vor uns – und zwar der anstrengendste, wie sich herausstellen sollte. Das Wetter ist nun vom Feinsten und die Wolken am blauen Himmel bieten uns im Zusammenspiel mit den traumhaften Bergen und dem tosenden Spronserbach, der sich hier wirklicb überall imposant und lautstark in die Tiefe stürzt, abermals ein eindrucksvolles Naturschauspiel.   

Schritt für Schritt kämpfen wir uns unterhalb des Fischbühel (2192 m) auf diesem ziemlich direkten Weg gen Nord-Westen nach oben, passieren die Baumgrenze und machen – nicht nur gefühlt – alle paar Meter eine kurze Verschnauf- und Trinkpause. 

Die Landschaft ist atemberaubend, ich möchte sagen einfach geil! Wir genießen es so unglaublich hier sein zu dürfen. Dennoch kann ich eine gewisse Erleichterung nicht verleugnen, die sich nach dieser anstrengenden Etappe einstellt, als wir nach dem kurzen Gang über bereits etwas flacheres Gelände, begleitet vom Pfeifen der Murmeltiere, um die letzte Kurve biegen und einen der kleinen vorderen Spronserseen, die Kaserlacke (2117 m) sowie endlich unser Tagesziel erblicken: die Schutzhütte Oberkaseralm (2131 m)!

Dieser Ort rund um den Oberkaser ist schlicht paradiesisch, und ich kann gar nicht genug betonen, wie frei und leicht man sich hier oben fühlt. Es ist ja schon nicht ganz so leicht, hierher zu gelangen, also haben wir uns dafür entschieden, dass wir zwei Nächte auf der Alm bleiben, um uns von hier aus in Ruhe einen ganzen Tag lang den fantastischen Spronser Seen widmen zu können. Eine nahezu weise Entscheidung, die ich nur als Empfehlung an dieser Stelle weitergeben kann.  

Wir beziehen also unsere gemütliche, enge Kammer mit den beiden Matratzen und atmen erst einmal durch. Es ist nicht viel Platz, aber es ist unser Platz. Nach einer dringenden Dusche widmen wir uns – wie könnte es auch anders sein – natürlich den kulinarischen Verlockungen, die uns die Oberkaseralm bietet. Und derer gibt es sehr viele, darf ich verraten. Heute wird es bei uns ein unglaublich leckeres Gulasch mit Bratkartoffeln sein, das unseren Tag beschließt. Dass am Nebentisch eine Familie Platz nimmt, dessen „Oberhaupt“ seinen beiden Kindern die Welt lautstark und sehr überzeugt von sich selbst in seiner kleinsten Kleinheit zu erklären versucht, soll hier eine nicht näher erläuterte Randnotiz bleiben.

In den Bergen wird es immer früh und vergleichsweise spontan dunkel, aber eine kleine Abendrunde müssen wir trotz pochender Füße in dieser paradiesischen Landschaft doch noch unternehmen. Und so gehen wir bei prächtiger Lichtstimmung nach dem Abendessen noch zu den beiden vor der Alm befindlichen Seen, die den Anfang der insgesamt 10 Spronser Seen machen: die Kaserlacke (2126 m) und die direkt vor dem Pfitscherjöchl liegende Pfitscherlacke (2117 m). Die beiden nur 5, bzw. 6 Meter tiefen Seen, sind wundervoll gelegen, überragt von der Rötlspitz (2628 m) und von zartem Schilfgras umgeben. Der Wasserreichtum macht diese Ecke der Texelgruppe so einzigartig.

Und wenn Ihr nicht wissen solltet, was das ominöse Wort „Seelenheil“ bedeuten soll – hier erfahrt Ihr es!    

PREISE 2020:

Die Übernachtung im Mehrbettzimmer beim Oberkaser bei Familie Schnitzer kostet pro Person 25,- € inklusive Frühstück, der Hund wird mit 5,- € berechnet. 

reschensee
wasserfall partschins
tag 1

FAZIT:

Die Etappe heute war anstrengend, ja. Aber es hat sich gelohnt. Jede Mühe ist vergessen, wenn man auf dem erhabenen Hochplateau des Oberkasers steht und die Sonne hinter den Bergen versinken sieht. Alleine hier zu sein, entschädigt wirklich für jede Anstrengung. Das hier ist der Ort, wenn man nie mehr hier wegkäme. … alles wäre gut.   

HIER SIND DIE SHORT-LINKS ZU DEN EINZELNEN KAPITELN

Bisher hier online: Tag 1 – 7. Die restlichen Tage erscheinen sukzessive.

Giggelberg – Pirchhof

Pirchhof – Untervernatschhof

Untervernatschhof – Eishof

Eishof – Zeppichl

Zeppichl – Krusterhof

Krusterhof – Gasthaus Brunner

Gasthaus Brunner – Oberkaseralm

Rundweg Spronser Seen

Oberkaseralm – Partschins

Chillen