MERANER HÖHENWEG

Tag 3
Vom Untervernatschhof zum Eishof

Untervernatschhof (1500 m), Katharinaberg –Jägerrast (Vorderkaseralm, 1649 m) – Mitterkaseralm (1954 m) – Eishof (2076 m)

zurückgelegte Kilometer

Höhenmeter

Stunden aktive Laufzeit

HOCH INS PFOSSENTAL

Die dritte Etappe bringt uns nun endlich nach oben. Stetig bergauf durch das wundervolle Pfossental. 

Auf diese und die folgende Etappe hatte ich mich schon sehr gefreut, denn ab heute wandert man beständig immer weiter nach oben. Das Ziel heute: Der wirklich toll gelegene Eishof auf 2076 Meter Höhe, der bereits im Mittelalter, genau genommen 1290 erstmals urkundlich erwähnt wird und aufgrund seiner Höhenlage nur zwischen Mai und Ende Oktober geöffnet hat.

Doch zunächst heißt es, das hervorragend Frühstück in der guten Stube des alten Bauernhauses im Untervernatschhof zu genießen und zu schauen, ob die gestern gewaschenen Sachen auf der Leine vor dem Fenster bereits getrocknet und anziehfertig sind. Sind sie natürlich nicht. Aber kein Grund zur Panik, noch haben wir genügend frische Sachen dabei, und so geht`s gemütlich gegen 9:30 Uhr los in Richtung Pfossental. Zunächst geht es ein kleines Stück Straße entlang, oberhalb von Katharinaberg in Richtung Norden, bevor der Weg, immer ganz leicht ansteigend, zu einem schmalen Pfad durch saftige Wiesen und durch kleine Felspassagen wird.

Gerade wenn man westlich unten im Tal beim Schnalserbach den kleinen Ort Karthaus sehen kann, macht der Weg eine Rechtskurve und taucht schon bald in einen lichten Tannenwald ein. Hier empfängt einen der durchaus nützliche Hinweis in Form eines hölzernen Schildes, dass man sich jetzt am letzten Punkt empfindet, der einem Handyempfang gewährt. Im gesamten Pfossental wird man keinen Empfang mehr haben. Also haben wir, ganz wie E.T., noch schnell ein letztes Mal nach Hause telefoniert, und haben uns dann für die nächsten 2 Tage von der digitalen Welt verabschiedet.

Der Weg in der nächsten guten Stunde ist sehr einfach zu gehen und führt durch einen schönen Nadelwald, bedauerlicherweise fast die ganze Zeit stets ein wenig bergab. So nähert sich der Pfad beständig, der Straße des entgegen gesetzt zu ihm stetig ansteigenden Tals. Kurz bevor sich beide treffen, bleiben wir weiter rechts vom Pfossentalbach und steigen nun neben ein paar Weiden steil an. Hier versehen gerade ein paar große Rasensprenger ihren Dienst, und bei der Wärme versuchen wir verzweifelt von den großen, dicht über der Wiese Regenbogen produzierenden Wasserstrahlen getroffen zu werden.

Der schmale Pfad kreuzt kurz nach dem kleinen Wald, etwas oberhalb der im Tal befindlichen Pestkapelle, einen kleinen, wilden Bergbach, der sich nah des Wegs in einem mehrkaskadigen Wasserfall hinabstürzt. Wir laden unsere Wasserflaschen mit frischem, eiskalten Bergwasser auf, kühlen unsere Füße und Frida ihre Pfoten. Auf einen zweiten, ähnlichen Wasserfall trifft man nach gut 20 Minuten noch einmal.

Nach einer kurzen Rast geht es weiter, in den Endspurt zu unserer kurzen, geplanten Essenspause in der Jägerrast, oder auch Vorderkas, wie der Hof bei den Einheimischen heißt. Das letzte Stück des Weges, kurz vorm Hof, überquert mittels einer Brücke den Pfossentalbach und steigt dann noch einmal kurz aber steil an. Dann endlich hat man es geschafft und kommt an der Jägerrast auf 1694 Metern an.

Und haben wir die Hauswurst an sich auch bereits am Vortag schon gefeiert, soll uns diese hier noch einmal leckerer vorkommen. Mag aber auch an der bisher anstrengendsten Route liegen. Eine kleine einstündige Pause lässt uns wieder zu Kräften kommen und unser Vorhaben, aufgrund der für den Abend angesagten Gewitter, relativ früh beim Eishof einzutreffen gestärkt angehen.

Der restliche Weg ist breit, für forst- und langwirtschaftliche Fahrzeuge gut befahrbar und bis auf kleine, steilere Teilstücke wenig anstrengend. Stets begleitet vom tosenden Pfossentalbach zur Rechten, kommen wir vorbei an urigen Höfen, wie der bereits im 13. Jahrhundert errichteten Mitterkaseralm auf 1954 Metern und der Rableidalm auf 2004 Metern.

Kurz vor unserem Ziel beginnt es dann tatsächlich noch zu regnen und erstmals kommen unsere Regenjacken und die Überzüge für die Rucksäcke zum Einsatz. Ist aber alles halb so wild und so erreichen wir doch noch relativ trocken den malerisch auf einer Hochebene gelegenen und von 3000ern umrahmten Eishof.

Darauf eingestellt, heute erstmals in einem Mehrbettzimmer nächtigen zu müssen, wurden wir vom Hüttenteam herzlich empfangen und hinsichtlich unserer Erwartung enttäuscht. Aber das sehr angenehm, denn aufgrund der Corona-Lage haben in diesem Sommer derart viele Wanderer ihren Urlaub storniert, dass wir ein großes 6-Bett-Zimmer mit zwei, jeweils eine herrliche Aussicht bietenden, Fensterfronten unser Eigen nennen durften. Ein traumhaftes Zimmer mit einem noch traumhafteren Ausblick, einmal ins Tal auf die zurückliegende Strecke im Pfossental und einmal in Richtung der Hohen Weiße mit ihren 3281 Metern und der  Hochwilde (3461 m), denen wir uns auf unserer morgigen Tour nähern wollen.

Eine dringend benötigte Dusche bereiten uns auf das bevorstehende Abendessen vor. Man kann über das derzeitig den Eishof bewirtschaftende, sehr junge Team nur ehrfurchtsvoll den Hut ziehen. Hier wird mit so viel Herzblut und Enthusiasmus gearbeitet, dass mir einmal der Satz entfahren ist: „Na, hier möchte man aber auch gerne mal arbeiten“. Daraufhin wurde mir genau das direkt angeboten. Die Küche ist für einen so hoch gelegenen Hof außergewöhnlich. Und die Freundlichkeit ist einfach mitreißend. Dazu noch diese Ausblicke, umgeben von hohen, majestätischen Bergen. Viel besser kann man nicht schlafen. Da ist auch der nahe tosende Pfossentalbach schnell überhört, der seinerseits ja nie schläft. 

reschensee
wasserfall partschins
tag 1

FAZIT:

Diese Etappe ist eine von jenen, bei denen man abends auf der Hütte ankommt, und genau weiß, warum man sich die Strapaze antut. Dieser Ort der Ruhe, inmitten der hohen Gipfel, fernab von allem, ist jede Mühe wert. 

HIER SIND DIE SHORT-LINKS ZU DEN EINZELNEN KAPITELN

Bisher hier online: Tag 1 – 3. Die restlichen Tage erscheinen sukzessive.

Giggelberg – Pirchhof

Pirchhof – Untervernatschhof

Untervernatschhof – Eishof

Eishof – Zeppichl

Zeppichl – Krusterhof

Krusterhof – Gasthaus Brunner

Gasthaus Brunner – Oberkaseralm

Rundweg Spronser Seen

Oberkaseralm – Partschins

Chillen