Wie lernst man am schnellsten etwas darüber, wie Menschen so ticken?
Entweder man studiert schnell mal Soziologie oder aber, man studiert die Kommentarspalten der einschlägigen Zeitungen, wie DIE ZEIT oder DER SPIEGEL auf Facebook.
Es ist im Grunde völlig egal, welche Zeitung zu welchem Thema einen Bericht bringt, sofort sind sie da. Die nervös klickenden Hate-Bots. Damit meine ich nicht etwa echte, programmierte Bots, die es natürlich auch gibt, um möglichst viel Desinformationen zu streuen. Nein, ich rede von echten Menschen, die von realen, faktenbasierten News oft so schnell und hart getriggert werden, dass sie es sich einfach nicht zurückhalten können und sofort einen Kommentar zu den – aus ihrer Sicht – völlig falschen Meldungen herauskotzen müssen. Dieser Kommentar besteht aber längst nicht mehr zwangsläufig aus Worten.

Es ist nicht selten der Fall, dass sich gerade die Keif-Trolle aus den extremistischen Lagern, hier sehr auffällig und wenig überraschend (ganz vorneweg die Freunde von AfD, Pegida und Querdenkern – ach), oftmals recht schwertun, einen geraden Satz zu bilden, der nicht von Rechtschreibfehlern nur so strotzt. Verblüffend, da Sie sich mehrheitlich ja gerne darauf berufen, dass „das Deutsche“ ihnen so wichtig wäre, etwas das es hochzuhalten gälte. Nun gut. Wie schön ist es doch für diese wortfernen Menschen, dass es Emojis gibt. Das ist ja auch nichts Neues. Neu ist jedoch, dass sich ein ganz bestimmter Smiley vermehrt unter Nachrichten befindet, die im Grunde wenig Grund zur Freude bieten. Sei es das Verkünden der Mortalitätsrate in Sachen Covid oder ein Bericht über einen erneuten Angriff von rechtsoffenen Demonstranten, die sich absurderweise in einem Freiheitskampf gegen eine Diktatur in Deutschland wähnen. Sofort taucht er auf, der böse Lachsmiley. Mit weit aufgerissenem Mund und zu nach innen gerichteten, spitz geschlossenen Augen, möchte er uns hämisch lachend sagen, dass der Mensch, der diese beachtliche Klickleistung vollbracht hat, mit der jeweiligen Meldung nicht einverstanden ist und sich noch dazu darüber lächerlich machen möchte.

Weit mehr als bloße Wahrnehmung.

Längst gibt es natürlich Untersuchungen (zum Beispiel bereits im Oktober 2019, die Untersuchung des Politikberaters Erik Flügge) über jene User, die sich gerne mit schnell hingerotzten Smileys am politischen Diskurs teilnehmend wähnen – und natürlich werden hier auch sehr schnell die eigenen Beobachtungen und Stichproben bestätigt. Flügge sagt hierzu: „Wenn man sich anschaut, wer die HAHA-Smilies setzt, obwohl es eigentlich nichts zu Lachen gibt, landen Sie fast immer auf Profilen mit einer ganz ähnlichen Struktur. Oben ist ein Auto oder Motorrad als Titelbild. Alternativ noch ein Haustier oder eine Landschaft. Meist ist kein Gesicht im Profilbild oder eines, das man schlecht erkennt. Wenn Sie ein klein bisschen nach unten scrollen, dann merken Sie, dieses Profil teilt meist irgendwelche rechte Propaganda.“

Und exakt das sind auch meine Beobachtungen.

Inzwischen ist es sogar so, dass man in den meisten Fällen, nicht nur die politische Gesinnung, sondern auch die Ferne zur gesellschaftlichen Mitte sowie das Nichtglauben von Fakten und die Ablehnung von öffentlich-rechtlichen Medien, bereits daran ablesen kann, ob die- oder derjenige einen Lachsmiley unter ein ernstes Thema setzt. Die Hasssmiley-Setzer haben sich zumeist in bedrohlicher Weise in die Fänge von Verschwörungsbefürwortern und Fakenews-Verbreitern begeben, und bilden nun eine Art dümmlich aber zuverlässig klickende Sklavenarmee, den verlängerten Arm der Agitatoren gegen eine demokratische Grundordnung. Während diese selbst dankenswerterweise zunehmend in den „Untergrund“ (allein dass sie das denken ist höchst amüsant) von Telegram abwandern und so an Reichweite verlieren, ist diese Armee der nützlichen Idioten für die Drecksarbeit auf Facebook zuständig. Ich unterstelle nicht einmal, dass die so gesteuerten im Einzelfall selbst durchdringen, was sie da tun, allerdings müssen sich die Hasssmiley-Klicker darüber im Klaren sein, dass sie sich mit ihrem Tun extrem simpel outen und sich für den ernsthaften gesellschaftlichen Diskurs mit nur einem Klick quasi disqualifizieren.

Dieser Smiley ist quasi der Ausweis für Doofe. Wer denkt, dass er sich über das Leiden anderer Menschen lustig machen darf, muss wissen, dass man ihn oder sie dann nicht mehr ernst nimmt.