Tirol –
Berwang Hönig
Gipfeltour
Eine schweißtreibende Runde voller atemberaubender Aussichten

Tirol –
Berwang Hönig Gipfeltour
Eine schweißtreibende Runde voller atemberaubender Aussichten
In der Nähe der Zugspitze auf einem hochalpinen Rundkurs durch die Lechtaler Alpen
Anspruchsvolle Tour für Geübte und Höhenerfahrene
TIROL – BERWANG HÖNIG GIPFELTOUR
Der Hönig ist ein 2034 m. ü. A. hoher Berg in den Lechtaler Alpen in Tirol. Die nächstgelegenen Orte sind Brand im Westen und Berwang im Norden.
Der Hönig ist von zwei Seiten durch markierte Wanderwege ohne größere Schwierigkeiten zu erreichen, bei Nässe sind die erdigen Steige jedoch rutschig. Und das können wir nun aus erster Hand bestätigen.
Wir entscheiden uns für den Weg von Berwang durch das Älpeletal
Von Berwang durch das Älpeletal auf teilweise abgerutschtem, feuchtem und schmalem Pfad (Lawinenreste gibt`s hier bis in den Sommer) steigen wir auf zum Sonnbergsattel und weiter auf den breiten Graskamm. Aber alles ganz in Ruhe.

12 KM

5 Std.

1530 HM

schwer
Das Team

Anne

Betty

Bine

Zita

Frieda

Marcus

Stefan

Markus
Jahreszeit & Wetter
Es ist Anfang Juni – da kann man schon mal ganz okayes Wetter in den Bergen erwarten. Zudem wollen wir ja nicht auf 3.000 m, aber immerhin auf 2.034. Untergekommen im kleinen, beschaulichen Bichlbach (hier gibt`s – zur Belohnung – mit dem „Stuck.Wirt“ am Ende noch eine unbedingte Gastro-Empfehlung), haben wir uns den vom benachbarten Berwang erreichbaren Hönig als Tagestour ausgesucht.
Unser Wetter war mit Regen, Sonne, Wolken und allem zusammen als durchaus wechselhaft angesagt, was aber nicht weiter schlimm ist – dachten wir. Leichte Jacke an und hoch.
Zwischen 16 und 20 Grad sollten es werden, bei starker UV-Strahlung. Also: Sonnencreme drauf. Man sollte allerdings wissen, wenn man wie wir die westliche Route durch das Älpeletal wählt, dass hier bei nassem oder feuchten Wetter die schmalen und ausgewaschenen Wege zu richtigen Rutschpartien werden können.

Parken & Starten
Berwang, Lechtaler Alpen, Tirol
Am Besten Ihr parkt irgendwo in Berwang. Wir haben den großen, im Norden des Dorfes gelegenen, und im Sommer unendlich freien Parkplatz der Seilbahn gewählt.
Von hier aus kann man schnellen Weges durch das kleine Dörfchen in Richtung Süden gehen, um den Einstieg zum Weg zu finden.
Wir starten in Berwang am Parkplatz der Seilbahn Karbahn
Die Wegkennzeichnung
Der Weg ist per Karte, Komoot oder sogar Google Maps recht einfach nachzuvollziehen. Um ehrlich zu sein,ist das Ganze recht intuitiv, denn so viele Abzweigmöglichkeiten gibt es gar nicht. Das Wegzeichen scheint debei so unbedeutend zu sein, dass ich es in der Tat gar nicht erinnere.
Die Höhenmeter
Ähnlich wie bei der hier beschriebenen Heimatspur Wasserfall Erlebnisroute Südeifel, ergibt sich die allgemein für diesen Weg zu findende Kategorie „schwer“, durch die 1530 Höhenmeter und die gerade bei nassem Wetter rutschigen, ausgewaschenen Wege.
>> TIPP:
Wie Du Höhenmeter und Gehzeiten richtig berechnest, habe ich übrigens HIER beschrieben.
Die Tour auf Komoot
Ich habe diese Tour auch auf Komoot zum Nachwandern aufgezeichnet.
Falls Ihr möchtet, folgt mir gerne dort und wandelt auf unseren Spuren.
Wenn Ihr den Schieberegler unten in der Höhenmeterkarte von links nach rechts verschiebt, könnt Ihr oben auf der Karte sehen, welches Wegstück sich in welcher Höhe bei welchem Kilometer befindet.

Die Sache mit dem Proviant
So wie wir unsere Rundtour angelegt haben, bietet sich die erste und einzige Einkehrmöglichkeit mit der Kögele Hütte erst ganz am Ende. Das bedeutet: Eiweißriegel, Brote, Obst, oder was Euch sonst so mit Energie versorgt einstecken und viel Wasser mitnehmen.
Ansonsten gilt natürlich eh das, was auf jeder Wanderung gilt: Also um es noch einmal gesagt zu haben, packt Euch ausreichend Wasser ein (für Mensch und Hund), dazu zumindest ein paar Snacks, so dass Ihr zur Not autark seid. Ihr befindet Euch hier in unwegsamem Hochgebirgsgelände. Das sollte man nicht unterschätzen.
Etappe 1 – Von Berwang zum Taleinstieg
Über den Ortsteil Gröben, durch tropisch anmutende Flora zum Taleinstieg des Älpelestals.
Natürlich beginnt es – wie gemeldet – pünktlich zu Beginn unserer Wanderung leicht zu regnen, aber was soll`s. Vor uns liegt zunächst nur ein guter Kilometer lockeren Einlaufens, durch Berwang, vorbei an der Kirche und durch eine saftige Wiese bergab in Richtung des Ortsteils Gröben.
Das tiroler Dörfchen Berwang liegt auf 1342 m und ist mit seinem 630 Einwohnern eher beschaulich. Klar, im Winter ist hier durch einige Skiabgahrten und die Nähe zur Tiroler Zugspitzarena wahrscheinlich mehr los. Jetzt im Sommer ist es sehr angenehm.
Der Ortsname leitet sich übrigens tatsächlich ab von ber (Bären) und wang (Wiesenhang). Aber um es vorweg zu nehmen: Wiesen haben wir mannigfaltig gesehen und durchquert, Bären gesehen haben wir keine.
Nach dem hinter Kirche leicht abfallenden Wiesenweg stoßen wir auf eine Fahrstraße, die in leichtem Anstieg zum Ortsteil Gröben führt. „Ortsteil“ hört sich hier jedoch gewaltiger an, als es dann mit den paar vereinzelten Häusern und Höfen darstellt.
Die winzig kleine Dreifaltigkeitskapelle, die man so beiläufig im Ortsteil Gröben passiert, bietet ganz nebenbei noch ein künstlerisches Kleinod. Das Altarbild von Franz Anton Strele zeigt hier „Die sieben Zufluchten“, ein religiöses Motiv, gemalt im Jahr 1758. Besonders an diesem opulenten Bild: der Heilige Geist der oben thronenden Dreifaltigkeit ist hier keine Taube sondern ein Mensch.
Wir folgen dem Weg in südlicher Richtung zum Einstieg in das Älpelestal mit der Beschilderung „Roter Stein-Hoenig“. Nach dem Ende der Fahrstraße, geht es über einen angenehmen Waldweg durch lichte Tannenwäldchen in ganz leichtem Anstieg.
Der Weg wird nun zusehends schmaler und dann sieht man auch schon das schmale Tal des Älpelesbachs vor sich.
Etappe 2 – Durch das Älpelestal
Gräben und Lawinenschnee
Dort wo der nun immer schmaler werdende und sich schließlich zum Pfad verwandelnde Weg auf den kleinen aber wilden Älpelesbach trifft, nimmt die Steigung des Weges deutlich zu und das soll sich für die nächsten 2 Kilometer bergwärts auch nicht mehr ändern.
Auch wenn sich hoch oben die schroffen Gipfel abzeichnen, ist unsere Umgebung von einem derart üppigen Grün, einer satten Vegetation geprägt, dass man staunt. Wir waten durch hohe Pflanzen, die den kleinen Weg umfangen. Man merkt, dass es hier isher ausreichend geregnet hat. Das verspricht allerdings, dass der vor uns liegende Weg durchaus rutschig und matschig werden kann.
Möchte man – wie wir – hier rasten, hat man am See nun die Wahl zwischen dem direkt am See gelegenen und sehr gepflegten Picknickplatz, und der sonnigen Terrasse der urigen – und nach dem anderen Namen des Sees benannten – Ferme Auberge du Lac de Forlet auf der westlichen Seeseite. Hier können Gourmets die Landschaft bewundern, während Sie ein Kaltgetränk und eine typische „Melker Mahlzeit“ (Tarte, Schweinefleisch mit Roïgebrageldi (mein Lieblings-Elsässer-Wort), Münsterkäse oder Obstkuchen) genießen.
Apropos Gourmet:
An dieser Stelle darf ich aus Vegetariersicht direkt einmal mein durchwachsenes Urteil über die reichhaltige, aber eben sehr Fleisch lastige und fetthaltige Küche der gesamten Region Elsass fällen. Hier ist noch sehr (!!!) viel Luft nach oben.
Wir hatten unsere Rast ja bereits am See, also durchqueren wir die – durchaus einladend wirkende – Ferme Auberge du Lac de Forlet ganz einfach und gehen die wohl stärkste Steigung der Tour direkt an: den Aufstieg zum Sommet du Gazong du Faing, dem höchsten Punkt unserer Wanderung auf 1.306 m.
Der schmale Pfad schlängelt sich – zunächst nach Osten, dann nach Norden wendend – in steinigen Serpentinen etwa 1 Kilometer durch einen steilen Wiesenhang oberhalb des Lac de Forlet hinauf, bis er langsam immer ebener und seichter wird, und schließlich westlich in Richtung des Gipfels abknickt.
Phänomenale Aussichten bieten sich uns hier oben in alle Richtungen. Der Gipfel bei 1.306 m ist so eben, dass man ihn als solchen kaum wahrnimmt.
Etappe 3 – Durch das Hochmoor der Hautes Chaumes
Auf höchstem Niveau zum Lac Blanc
Von der phänomenalen Aussicht über dieses weite, moorige Hochplateau beeindruckt, folgen wir dem Weg nach einer kurzen Pause – beinahe gleichbleibend auf knapp über 1.300m Höhe – nun in nördlicher Richtung und erreichen schon nach wenigen Minuten den Gipfel Gazon du Faing, der als solcher eigentlich nicht zu erkennen ist.
„I want Moor“
Und wer jetzt einen Song die Sisters of Mercy im Kopf hat, liegt gar nicht so falsch. Wäre da nicht dieser weite Blick in verschiedene Täler könnte man meinen, man durchquerte hier ein Stück der Lüneburger Heide oder des Hohen Venns. Der Weg führt mitunter über Stege aus hölzernen Bohlen, die Passagen von moorigen Untergründen im wahrsten Sinne des Wortes überbrücken. Der Wind pfeift hier oben ganz schön, aber das Wetter meint es gut mit uns und bis auf ein paar Tropfen, bleiben wir hier vorerst trocken.
Wikipedia sagt zum Gipfel des Gazon du Faing:
Der Gazon du Faing (zu deutsch: Rossberg) ist ein 1302 m hoher Berg auf dem Hauptkamm der südlichen Vogesen, der hier die Grenze zwischen den Départment Haut-Rhin (Oberelsass) und Vosges und damit zwischen den historischen Regionen Elsass und Lothringen bildet. Der Gipfelbereich des Gazon du Faing gehört zum Gebiet der Hochweiden der Hautes Chaumes (alemannisch für: Wasen); nach Osten fällt das Plateau zum Lac Noir hin steil ab. Der Berg bietet eine bemerkenswerte Aussicht in das Münstertal und das Tal von Orbey/Urbeis.
Die wirklich beeindruckenden Hochweiden der Hautes Chaumes, die uns, dank ihres erhabenen Weitblicks auf die Gipfel der Vogesen, des moorigen Untergrundes und ihrer „üppigen Kargheit“, durchaus auch schon einmal an das schottische Hochland erinnern, sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen, was wohl auch an den hier vorkommenden Raufußhühnern liegt.
Die zugigen Hautes Chaumes bestehen vegetativ gefühlt nur aus Heidekraut, Torfmoosen und kleinen Krüppelkiefern. Nicht die Baumgrenze, sondern der Mensch hat hier übrigens für diese einzigartige Landschaft gesorgt. Durch Überweidung wurde der Baumwuchs verhindert und der ersatzlose Holzeinschlag führte dazu, dass heute 5000 ha baumlos sind.
Nach ungefähr 6,5 Kilometern auf unserem, nun leicht nach unten und immer noch in nördlicher Richtung abfallenden Weg, erreichen wir die obere Kante der westlichen Steilküste des Lac Blanc, die einen weiteren großartigen Blick offenbart. Dieses mal über jenen See, der sich mit seinen 29 ha hier 100 Meter unterhalb unseres Weges ersteckt und der der größte Bergsee auf der elsässischen Seite der Vogesen ist. Er liegt auf einer Höhe von 1.052 m und ist 72 m tief.
Der Weg ist an dieser Stelle sehr schmal und das Gelände fällt zur Seeseite nach Osten hin steil und schroff über Felsen ab. Hier erwartet uns allerdings eine wundervolle Aussichtsstelle, die mit einer Bank zum Verweilen einlädt.
Der Lac Blanc
Der Lac Blanc liegt, genau wie seine beiden uns bereits vertrauten Nachbarn, in einem eiszeitlichen Gebirgskessel, der von den über 100 Meter steil ansteigenden Felsen der Hautes Chaumes im Westen – genau hier stehen wir – und des Col du Calvaire im Norden begrenzt wird. In kalten Wintern kann man an den Steilhängen bis zu 100 Meter hohe Eisfälle bewundern. Den See dominiert ein markanter Fels, der Rocher Hans, auf dem eine weithin sichtbare Marienstatue steht. Ein Fernglas ist hierbei jedoch von Vorteil.
Etappe 4 – Der Seaside-Abschnitt
Matschige Kraxelei und flaches Auslaufen
Nach dieser aussichtsreichen Rast mit Seeblick, geht es weiter über den schmalen Pfad in einen lichten Wald hinein. Wir kommen hier sogar an einem Skilift vorbei, der auf die vorhandenen Wintersportaktivitäten in dieser Gegend schließen lässt.
Wir setzen unseren Weg fort, der nun immer weiter und mitunter sehr steil über steinige und am heutigen Tag auch matschige Teilstrecken nach unten abfällt und uns durch schließlich um den nördlichen Zipfel des Lac Blancs herumführt und nach Osten abknickt.
Hier kommen wir auch das einzige mal ganz kurz vom Weg ab, weil wir eine sehr matschige Passage umgehen wollen, müssen dann aber doch feststellen, dass wir hier wohl einfach durch müssen.
Nach diesem bisher wohl unangenehmsten Teil des Weges, führt er uns nun eigentlich nur noch über einen bequemen, flachen Pfad mit beständigem Seeblick am Ufer entlang in südöstlicher Richtung, bis wir den Parkplatz am Ostzipfel des Sees und eine dort vermutete Gaststätte erreichen – das sehr gut bewertete Le Mille Mètres. Allein es hat geschlossen!
Also essen wir hier einen Apfel und machen uns an die letzte Etappe. Und das mit einiger Eile, denn das Regenradar zeigt uns hier jetzt an, dass uns in den nächsten 40 Minuten wohl ein Gewitter ereilen wird.
Etappe 5 – Endspurt
Oder: ab ins Trockene
Ein kurzer, letzter Anstieg hoch in den Wald über Stock und Stein bei sich zunehmend zuziehendem Himmel, lässt uns unseren Weg ein wenig beschleunigt fortsetzen. Frieda hat dabei mit ihren vier Pfoten wohl am wenigsten Mühen die den Weg querenden Geröllhalden aus dicken Findlingen zu überspringen.
Und dann erwischt es uns auf dem letzten Kilometer doch noch. Das Gewitter setzt mit beindruckendem Gedröhne und so einigem Nass von oben ein und treibt uns noch etwas schneller unserem Ziel am Lac Noir zu. Der Weg ist zum Glück leicht, führt ausschließlich durch den Wald und geht kontinuierlich bergab.
Wir erreichen unseren Parkplatz also relativ begossen. Leider sind wir für ein Essen in der Auberge du Lac Noir zu spät dran, also gibt`s hier nur einen schnellen Kaffee, um den Regen zu überbrücken.
Das Ende des Tages
Unsere Tourbelohnung in Form eines leckeren Essens holen wir uns anschließend in der mit dem Wagen nur 10 Minuten entfernt gelegenen Ferme Auberge du Rain des Chênes. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir dann auch ein paar Felder, in denen es wohl recht stark gehagelt hat – also: Glück gehabt.
Mein Fazit
Eine Tour mit sehr abwechslungsreichem Gelände und tollen Aussichten – unbedingt machen!
Ja, man muss hier und dort ein paar steile Stücke hinter sich bringen, jedoch wird man dafür mehr als belohnt mit herrlichen Ausblicken auf Berge, Täler und – wenn man mag – auch kulinarische Köstlichkeiten.
Für Hunde stellt der Weg keine Probleme dar, es gibt unterwegs sehr viel Möglichkeiten aus Bächen und Seen zu trinken und hund trifft dabei so einige Artgenossen zum Spielen und Schnüffeln. Wasser würde ich vorsichtshalber natürlich dennoch einstecken.
Vegetariern und Veganern sei gesagt, man kommt durch, sollte aber nicht auf großartige Variationen oder besondere Spezialitäten bauen. Das Elsass ist diesbezüglich noch arg traditionell gelagert und gibt der fleisch- und fetthaltigen Küche den absoluten Vorzug.
DANKE an Zita, Betty, Bine, Anne, Stefan, Marcus und natürlich Frieda für die unterhaltsame Begleitung auf der großartigen Runde!
Ungelogener Epilog
“Es gibt weltweit wunderschöne Ecken, die man zusammen mit seinem Hund zu Fuß erkunden kann, zum Beispiel einen der schönsten Wege, den Meraner Höhenweg. Wenn man sich aber in Deutschland umschaut, so wird garantiert jede*r in der direkten Umgebung eine Ecke finden, die es wert ist, bewandert zu werden. Jeder Weg kostet Kraft, gibt aber auch unglaubliche Energie zurück.
Also raus jetzt!“