Der Spiegel meines Blogs

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Do

12

Jan

2012

Trost

Am anderen Ende der Welt sitzt ein sich selbst wiederholender Schriftsteller und weiß genau, dass es mich auch gibt. Ich reiche Dir die Hand, mein Bruder.

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Do

12

Jan

2012

Die Freiheit der guten Tat

Einen Zugang zum eigenen Ich zu bekommen, einer gesättigten Masse gerecht werden wollend, angesichts auf einen hereinströmender Fluten, ist nahezu unmöglich - nimmt man das ursprüngliche Unterfangen aus Zeile eins derart ernst, wie man das zweitgenannte zu hassen bereit ist. Gab es auch zu allen Zeiten jene Gedanken, opferbereiten, ja im Wortsinne selbstlosen Menschen eine Art oberflächliches Denkmal zu setzen, vergas man bei aller Heldenverehrung mit einiger Zuverlässigkeit stets, die Frage nach dem Kern des Wesens des so Verehrten, dergestalt zu stellen, ob nicht auch genau jener Handlung ohne scheinbar eigenen Profit, ein individuelles Belohnungssystem innewohnt, welches den vermeidlichen Helden erst befähigt, seinen Dienst am Allgemeinwohl zu verrichten.

 

Keinesfalls die wohltätige Tat in Abrede stellend oder in die Nähe egoistischen Denkens rückend, gebe ich schlicht zu Bedenken, das sogar der reinste und viel zu selten auftretende Altruismus sein ganz eigenes psychologisches Motivationsprogramm mitbringt. Das Helfen an sich kann für dementsprechend emotional Determinierte ein Suchtpotential sondergleichen darstellen, welches des schlichte, von Gier angetriebene Streben nach dem "Mehr" nicht nur die ebenbürtige Stirn bieten kann, sondern einen so mächtigen Schatten erzeugt, der das Restglimmen der Raffgier leicht erstickt. Und das ist auch gut so. Denn schafft man es, die eingangs bemühte Masse, sich in einer so selbstlosen Form aufopfernd, komplett zu ignorieren, dass es derselben wie der pure Dienst an ihr erscheinen muss, ist man auf einem guten, emanzipatorischen Weg, dem eigenen Weg wohlgemerkt, sich eine Enklave des Ichs zu erschaffen.

 

Die Möglichkeiten der Freiheit, die sich nun seltsamerweise auftun, sind protegiert durch das staunende, aber auch weitestgehend desinteressierte Wohlwollen der Masse, da man als "Nicht Begriffener", plötzlich so unendlich viel mehr Raum zum Atmen erhält, dass es einen zunächst erschrecken mag.

Der Helfer ist in dieser sich kreativ ausweitenden Blase dem Künstler, der das Ansehen der Masse am Besten nicht nur weitgehend, sondern, um der Freiheit der Kunst und seiner selbst, in Gänze ausblendet, ganz nah. Näher, als man es vermuten könnte. Näher, als jeder der beiden es zugeben würde. Und dennoch schaffen beide auf ihre Weise etwas Relevantes, ja Gemeinnütziges, weitab der gängigen Verhaltensweisen, fernab des gesellschaftlich geförderten, per Dividende belohnten Raubtiersystems. Und im Kern, im Idealfall finden beide das, was so viele verloren glauben: Ihre Bestimmung, ihr Ich. Und ... die Wahrheit.

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So

08

Jan

2012

Diesseits und Jenseits

Der Tod, ich glaube ihn in gefühlter Sicherheit noch weit von meiner Person zu wissen, stellt sich, zunehmend von Jahr zu Jahr, immer persönlicher bei uns vor und nicht selten, hinterlässt er bei seinen Stippvisiten unschließbare Lücken in uns und um uns herum. Religiöse Menschen haben es da, ich erwähnt es bereits an anderer Stelle, stets ein wenig leichter, ist ihnen doch die Aussicht auf ein irgendwann stattfindendes Wiedersehen mit der geliebten Person in einer wie auch immer gearteten Form von Jenseits sicher. Aufgeklärte Menschen, Atheisten, Agnostiker, also alle wie auch immer nicht an die Existenz einer höheren Macht, die uns in das Spiel des Lebens gesetzt hat, Glaubenden trifft der Schlag des Verlustes natürlich nicht unmittelbar stärker, als gläubige Menschen. Diese haben jedoch die Chance ihre Trauer auf eine verträgliche Weise zumindest mittelfristig mit Hilfe ihres Glaubens an einen höheren Sinn, einen Plan zu verarbeiten, ja beinahe an die nächst höhere Direktive zu delegieren. Das Bewusstsein einer absoluten Endlichkeit von allem Sein – und ich spreche hier nicht von Energien oder sich in den universellen Kreislauf zurückspeisender Materie – ist für einen Agnostiker wie mich solange kein Problem, wie es theoretisch bleibt.


Geht es aber um den Tod, wird die Sache um ein ganzes Stück komplizierter, gefährlicher, essentiell bedrohlicher. Dabei geht es im Übrigen kaum um den eigenen Tod, zumindest nicht in dem Sinne, dass man Angst vor ihm haben müsste. Das ist wieder ein ganz anderes Thema und hängt in erster Linie – jenseits von Glaubensvorstellungen – davon ab, wie unter welchen Bedingungen man letztendlich stirbt. Die Bedrohung in Form von alles überlagernder Trauer, sowie schon der abstrakten, vorgelagerten Furcht vor ihr, betrifft besonders den Tod eines geliebten Menschen, von dem man weiß, dass man ihn, ist er einmal gegangen, niemals wiedersehen wird. Weder in seiner diesseitigen Existenz, noch in einer als nicht nur abstrakt, sondern als dilettantisch-abstrus, ja kindlich-naiv empfundenen Jenseitigkeit. Man steht plötzlich vor einer unumstößlichen Tatsache, die einen nichts vertagen lässt. Von nun an verblassen Erinnerungen. Es gibt keinerlei Chance sich damit zu trösten, dass eine Aussprache, ein letzter Gruß, die Beschäftigung mit dem was diesen Menschen ausgemacht hat, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen dem Verstorbenen gegenüber in irgendeiner abstrakten Zukunft möglich sein wird, ohne dass man verklärt, Details vergisst, dem Menschen als das Individuum, das er war, einfach nicht mehr gerecht wird. Der Tod trifft einen so unmittelbar, wie jeden anderen auch. Keine Frage. Aber von nun an gibt es keine Ruhe mehr. Will man seine – von nun bis zum eigenen Tod immer, wenn auch vielleicht nur unterschwellig anhaltende, Trauer, in eine erträgliche Bahn lenken, gibt es keinen Aufschub.

Wie einfach wäre es also angesichts dieses immensen Drucks, sich doch schlicht so zu verhalten, wie viele Menschen es mit zunehmendem Alter und insbesondere in der Nähe des eigenen Lebensendes tun, und sich all jenen anzuschließen, die plötzlich – obschon sie ihr Leben sichtbar bequem ohne Religion und all die lästigen Pflichten die damit einhergehen zubrachten – an Gott zu glauben beginnen. Aus Verzweiflung, aus Angst, aus Bequemlichkeit. Nicht, dass man nicht in einem langen Leben durchaus seine Meinung ändern dürfte, nicht, dass es keine Einsichten geben dürfte, nicht, dass Angst zu unterschätzen wäre. Aber es hat auch etwas mit Haltung zu tun, mit Rückgrat, mit Würde, genau das im Angesicht des eigenen Endes nicht zu tun.   

Warum mich das Verhalten der Menschen in dieser schweren Situation überhaupt so beschäftigt, wobei es mir doch so was von egal sein könnte, schließlich ist – ganz nach meiner Auffassung – Religion ein absolutes Privatvergnügen und ich es in der Tat auch niemandem absprechen möchte, in seiner dunkelsten Stunde aus Angst einen Gott anzurufen, den er bislang verächtlich verneint hat? Nun, ich denke, es ist mein eigener Versuch, den Tod meines Vaters mit über 80 Jahren und das Verhalten meiner Mutter in ebensolchem Alter in einen Zusammenhang zu meinem und ihrem Leben zu setzen, den ich verstehe, der mir letztendlich selber hilft, meine Trauer zu verarbeiten. Vielleicht ist es auch mein Versuch, meinen Eltern ein kleines philosophisches Denkmal zu setzen, haben sie mich doch gelehrt, dem freien, unvoreingenommenen Denken den Vorzug vor erstickenden Dogmen und in Stein gemeißelten „Wahrheiten“ zu geben, die über Jahrtausende Menschen in Unfreiheit gehalten haben.     
Meine Eltern hatten, mein Vater bis hin zu seinem Tod, meine Mutter nach dem schmerzlichen Verlust ihres geliebten Mannes, nicht ein einziges Mal auch nur den leisesten Zweifel an ihrem – ich nenne es nun einmal liebevoll – Religion ignorierenden Unglauben geäußert, ganz im Gegenteil. Was für meine Generation in großen Teilen vielleicht sogar bereits zum Selbstverständnis geworden ist, ist genau das für Menschen die noch vor dem zweiten Weltkrieg geboren wurden absolut nicht.

Dies ist im Übrigen kein Fanal für den Atheismus oder gegen gläubige Menschen. Wer wäre ich, Menschen ihren Glauben abzusprechen. Diese Frage muss jeder Mensch für sich alleine beantworten. Und solange man seinen Glauben mit sich ausmacht und nicht auf andere übertragen möchte, ist es mir absolut egal, wer an was glaubt. Dies ist schlicht eine, meine Art, mich bei meinen Eltern zu bedanken, dass sie es geschafft haben, aus mir einen denkenden, freien Menschen zu machen, dass ich mit dieser Auffassung von Leben sehr glücklich bin und ihnen zu sagen, dass ich unglaublich Stolz auf sie bin. Nicht dass ich auch nur ansatzweise der Versuchung ausgesetzt wäre, mein Weltbild in Frage gestellt zu sehen, aber die Tatsache meine Eltern in dieser Situation nicht umfallen zu sehen, hat mir eine enorme Stärke verliehen.   

Letztlich dient mir die Einstellung meiner Eltern in hohem Alter zum Tod und zu Gott als Beweis, dass man seinem Gewissen treu bleiben kann, dass man seine Einstellung nicht verraten muss, ja, dass die Überzeugung, die ich mir zu einem gehörigen Teil von ihnen abgeschaut habe, eben doch auch existentiellen Situationen, großen Dramen, der Prüfung des Seins an sich Stand hält. Es geht mir hierbei nicht um das bloße Aussprechen eines Satzes wie: „Habe ich also doch Recht gehabt.“ Es geht um das beruhigende Gefühl eines emotionalen Beweises, mit einer im Endeffekt potentiell schwierigen Lebensanschauung, auch nach Schicksalsschlägen wie dem Tod meines Vaters ohne Zweifel weiterleben, mehr noch, diesen auf meine Weise verarbeiten zu können, wie es sonst vielleicht nur gläubige Menschen aufgrund der geistigen Topografie ihrer Religion in der Lage sind.

Mein Herz ist wieder ein klein wenig schwerer geworden, aber mein Rüstzeug wieder ein klein wenig stärker.
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So

08

Jan

2012

„American Angst“ – die Welt von Mitteleuropa aus

Was Hähme war wird Mitleid sein.

Was haben wir nicht alles über „den“ Amerikaner an sich, als Klischee und Archetyp des egozentrierten, eher mindergebildeten und in jedem Falle bis an die Zähne waffenstarrenden Menschen nachgedacht, gerätselt, geurteilt, gelacht. Wie haben wir die Cowboy-Mentalität republikanischer Präsidenten wie Reagan und der Mitglieder des Bush-Clans geschimpft. Wie einig und sogar stolz fühlten wir uns, als Bush jr. uns als das „alte Europa“ vermeidlich zu beschimpfen versuchte und uns unserer viel zu wenig aggressiven Haltung bezichtigte. Ich selber erinnere mich übrigens an jenen Moment, als den Punkt, da die meisten aus meinem Umfeld, mich eingeschlossen, ihren Antiamerikanismus, sowie auch das sich Besinnen auf die eigenen Stärken und ethischen Ansichten eines geeinten Europas, auf dem Höhepunkt sahen. Doch das sei hier nur deshalb nebenbei kurz erwähnt, da dieses Gefühl der moralischen Überlegenheit gegenüber einer – von Mitteleuropa aus gesehen – durchaus zum billigen Revanchismus neigenden Nation mit Weltvormachtsstellungsanspruch, die ihren Zenit vermutlich seit einigen Jahren hinter sich gelassen hat, niemals größer war, als in diesen Tagen, nach Beginn des zweiten Irak-Krieges.
Überhaupt: Krieg. Faktischerweise haben die Amerikaner und ihre Alliierten gerade Deutschland mit Hilfe des Eingreifens in den von Nazideutschland verschuldeten Krieg, nicht nur von der furchtbaren Katastrophe eines Greuel- und Verdummungsregimes befreit, dazu Europa und die Welt noch vor viel mehr unnötigen Opfern bewahrt, sondern dem Nachkrigsdeutschland auch zu wirtschaftlicher Stärke und sozialem Wohlstand verholfen, wenn auch, das sei aber verziehen, natürlich nicht ohne eigene Interessen. Mitunter ist dieser Umstand auch der Grund, dass ich das Amerika der Jetztzeit nicht schlicht sich selbst überlassen, mild lächelnd zusehen möchte, wie diese stets auf sich bezogene Nation langsam ausbrennt und den Weg aller irdischen Superimperien geht. Es geht mir um Mitleid.
Paradoxerweise oder eben als direkte Konsequenz aus der kriegerischen Befreiung aus dem Krieg haben gerade die Mitteleuropäer, als – böse gesagt – letztendliche wirtschaftliche Kriegsgewinnler, eine Art Kriegs-Getöse-Intoleranz entwickelt – zum Glück, möchte ich hinzufügen. Diese darf man nicht wirklich mit einem absoluten und finaldefensiven Pazifismus verwechseln (unterschlagen sei hier allerdings Westerwelles jämmerliche Libyen-Enthaltung 2011), sondern sollte stattdessen verstehen, dass Europas innerer Frieden seit dem Ende des zweiten Weltkriegs durch eine (für viele inzwischen zu schnell) gewachsene politische Einheit – ja, auch der Euro ist eines der Instrumente für diese, liebe Euro-Kritiker – gewährleistet wird. Über all die Jahre und wechselnde Regierungen in den unterschiedlichen Ländern Kern-Europas hinweg hat sich, auch vor dem immerpräsenten Hintergrundes der verheerenden Kriege des 20. Jahrhunderts, somit eine Art Psychologie des friedfertigen Intervenierens entwickelt. Und der sanfte Zwang zu Kooperation und Einheit hat den Europäern meiner Ansicht sehr gut getan und ist ein Garant für ein dauerhaft friedfertiges und zielgerichtetes Zusammenleben, steht aber eben auch – neben all der nationalen Vorurteile die es selbstverständlich gibt und immer geben wird – für eine gewachsene Kultur der Diskussion untereinander. Das Wort ist hier eben gewichtiger, als das Schwert.
Nato hin oder her, die Vereinigten Staaten hatten und haben einen solchen ersatzfamiliären Verbund (inklusive der familiär üblichen Streitereien selbstverständlich), ein diskutativ die Inhalte überprüfendes Korrektiv nicht. Die Amerikaner sind seit Generationen, gerade auch seit jener Zeit, da sie sich als Weltmacht sahen, initiierten und dieser Einstellung entsprechend handelten, der gefühlte Mittelpunkt, nicht nur ihrer, sondern auch der ganzen Welt überhaupt. Selbst politische Partner werden zwar angehört, aber äußerst selten wirklich ernst genommen, könnte eine – im schlimmsten Fall kritische – Meinung von außen, doch die eigene Integrität bezogen auf das Wohl Amerikas verwässern und somit gefährden. Dies ist beim amerikanischen Bürger eine mit Sicherheit noch weitaus ausgeprägtere Einstellung, als bei der jeweiligen Administration.
Mit einiger Überheblichkeit wird den Amerikanern und ihren Urängsten von Wehrlosigkeit und militärischer Unterlegenheit aktuell angesichts der Verkleinerungspläne der Obama-Administration der absolut überteuerten US-Armee seitens der Europäer begegnet. Gerade die Konservativen in den USA, ich verorte hier mal besonders die küstenfernen Regionen – vom Bible-Belt möchte ich lieber erst gar nicht anfangen – als Epizentren der Stammtischsorge, haben regelrecht Angst (war das nicht mal ein deutsches Copyright?) vor einer wie auch immer gearteten Abrüstung und ergehen sich in Weltuntergangsfantasien, wenn Amerika nicht mehr in der Lage ist, zwei Kriege gleichzeitig, wohlgemerkt fern der Heimat, zu führen. Dabei sind auch Obamas Demokraten nicht zum unpopulären Pazifismus oder gar einer Art Empeacementpolitik übergetreten, sondern werden stattdessen von rein wirtschaftlichen Sorgen und Bedenken gelenkt. Für den von uns im Klischee gemalten Durchschnittsamerikaner mutet dieses Vorhaben ähnlich bedrohlich an, wie seine eigene Waffen reduzieren oder gar abgeben zu müssen.
Klar ist es verzwickt, wenn man sich jahrelang zur Wahrung der eigenen wirtschaftlichen Interessen zum internationalen staatlich gelenkten und per Bürgermeinung und Selbstverständnis legitimierten Aggressor Nummer eins und somit zur Zielscheibe für ebensolchen Revanchismus gemacht hat, den man im Prinzip ja selber stets vertreten und praktiziert hat. Im bibeltreuen Amerika gilt schließlich seit jeher das Westernklischee der 1:1-Vergeltung, des Auge-um-Auge-Prinzips. Und das auch auf international-politischer Bühne. Die Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte, sowie die politischen Umbrüche seit Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und dem Ende des kalten Krieges haben natürlich auch in den USA zu einem Umdenken geführt. Allerdings offensichtlich nicht zu jenem notwendigen selbstreflektiven, sondern eher zu einer weiteren Abschottung von der Welt im nach wie vor elitär gesteuerten kollektiven Denken, bei gleichzeitigem Beibehalten des Anspruchs, die Weltmacht überhaupt zu sein. Ignoriert werden dabei recht fahrlässig die Tatsachen der wachsenden Weltmächte China und Indien, das erwachende Selbstbewusstsein der bislang so (sehr wohlwollend begleitet) erfolgreich unterdrückten arabischen Völker oder auch das geschichtlich stets wiederauftretende Phänomen einer imperialen Macht, die immer dann unterzugehen begann, wenn die Militärausgaben prozentual zum Bruttosozialprodukt (auch wenn das nun wirklich nicht schon zu Urzeiten erhoben wurde) in derart exorbitante Höhen schnellten, wie es in den USA derzeit der Fall ist.
Das aus europäischer Sicht Spannende an der aufkommenden kollektiven Angst der Amerikaner vor dem Verlust einer weltweiten Vormachtstellung ist, dass diese völlig unbegründet und unnötig wäre, würden sie sich von diesem inneren Teufel befreien können, der die Bildung und die Aufrechterhaltung eines eigenen Selbstbewusstseins nur angesichts weltweiter Achtung (und sei sie ausgelöst durch Angst vor der Macht des Stärkeren) und Wirkungskreise voraussetzt. Paradoxerweise definiert sich die amerikanische Bevölkerung scheinbar in der Tat über ihren Status in der Welt, welche sie andererseits absolut nicht interessiert, da man selber ja den Mittelpunkt derselben bei sich verortet hat. Amerika ist eines der ersten Paradebeispiele für eine durchglobalisierte Welt, der US-Normalbürger will aber andererseits mit dieser nicht allzu viel zu tun haben und hält sie allenfalls noch für wild, fremd und gefährlich. Das Ganze gleicht dem Dilemma einer Diva, die mit sich und ihren eigenen Problemen sowie der innerlichen Leere nicht klarkommt, das alles aber erfolgreich verdrängen kann, solange die Boulevard-Presse noch Titelstories über sie bringt. Eine Nation, für die eine soziale Krankenversicherung bedrohlicher zu sein scheint, als der Kommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges, kann gar nicht dazu im Stande sein, sich nicht als Global Player erster Instanz zu sehen, sondern sich um dringende innenpolitische Belange zu kümmern. Das allgemeine Bewusstsein ist ein durchaus gewachsenes, jedoch kaum fähig zu einer Richtungsänderung des Denkens. Zu einem Besinnen auf sich selbst und damit auf das wirkliche Allgemeinwohl der eigenen Bevölkerung. Und so kommt es zu einer äußerst spannenden Feststellung: Das Musterland des Egoismus muss lernen, sich auf sich selbst zu besinnen. Damit wären schon Individuen mitunter überfordert.
Wenn US-Amerikaner in der Lage wären, sich selber weniger wichtig zu nehmen, möchte ich unterstellen,wären sie zum einen wesentlich weniger ängstlich, zum anderen angenehmere, weil weniger überhebliche Gesprächspartner auf politischer Ebene. Man kann nun weder die erlebte Geschichte, noch das anerzogene Denken von heute auf morgen ändern, aber wären Amerikaner in der Lage einmal mit den Augen militärisch weit weniger aggressiv aufgestellten, dafür politisch wesentlich besser und loyaler vernetzter Staaten auf die Welt zu schauen, wären sie von ihrer aktuellen „American-Angst“ um ein gutes Stück entlastet, und könnten dem vorbeugen, was im Falle des Weiterfahren ihres bisherigen expansiven, wirtschaftlichen und militärischen Besitzstand wahrenden Kurses unweigerlich bevorsteht: der noch tieferen Spaltung der ohnehin fatal auseinander dividierten sozialen Schichten, der Verarmung eines Großteils der Bevölkerung, dem Fall in die vielleicht nicht sofortige politische, wohl aber moralische, und dank Guantanamo und ähnlichen unumkehrbaren Verfehlungen langsam auch völkerrechtliche Isolation.
Auch wenn Obamas militärischer Schritt in Richtung der angestrebten Verkleinerung der US-Streitkräfte nicht der Vernunft entspringt, ist er dennoch unterbewusst ein Schritt in die richtige, psychologische Richtung – den nach wie vor perversen und völkerrechtlich durch nichts gedeckten Hang zum Einsatz von unbemannten Dronen zur weltweit praktizierten Tötung „Verdächtiger“ jetzt einmal ganz außen vor gelassen. Der inzwischen „kranke Mann von Chesapeake Bay“ wurde zwar laut Zitat „mit dem Gewehr in der Hand geboren“, nun wird es aber Zeit, der Vernunft das Wort zu erteilen. Auch wenn in Zeiten der grenzdebilen und jegliche Vernunft verneinenden Tea-Party-Bewegung, mit in der Tat sogar wohlwollend nur als dumm zu bezeichnenden Köpfen an der Spitze, das Gegenteil zu befürchten ist, wünsche ich Amerika eine baldige Kehrtwende, weg vom angstgesteuerten Kurs eines waidwund um sich beißenden Hundes, der noch nicht verstanden hat, dass die Zeiten, dass die ganze Welt sich geändert haben, hin zu einem verlässlichen Partner, dessen fragwürdiges Ansehen in der Welt nicht mit Waffengewalt erzwungen werden muss, sondern auf wahren Leistungen und Vernunft beruht.
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Mi

14

Sep

2011

Die Gleichgültigkeit des real existierenden Spezialisten

Katasterämter kümmern sich gelinde gesagt schlicht um ihre ureigensten Belange. Was auch immer diese im relativen Bezug zu normal Lebenden sein mögen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum sich Rebläuse generell auf das Anknabbern schmackhafter Weinrebteile konzentrieren. Höchstwahrscheinlich ist somit sogar zu Genüge erklärt, was professionelle Tischtennisspieler dazu treibt, diesen kleinen gasbefüllten Ball, wie ein Besessener über das Netz zu knallen, ohne wirklich jemals nach rechts oder links zu sehen.

Wenn der Nächste des Katasterbeamten kein Katasterbeamter ist, wenn die Reblaus sich für Borkenkäfer schlicht nicht verantwortlich fühlt, ja wenn sogar der Tischtennisspieler im Tennisspieler keinen wenigstens entfernten Verwandten sieht, wer zum Henker soll sich da für irgendwen interessieren? 

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Di

13

Sep

2011

Gartenschnecken und Machtpolitiker – eine dreiste Analogie.

Es gibt so herrliche Analogien.


Heute erdreiste ich mich zu einer aus dem kleinwüchsigen Tierreich.
Was, so frage ich mich, befähigt Schnecken so unfassbar schnell und hindernislos vorwärts zu komme? Genau – Schleim!

Ungeachtet der Tatsache, wie genau nun der Schnecken Schleim in diesen durchaus faszinierenden (aus Gärtnersicht gleichermaßen hassenswerten) Tieren seine fortwährende und scheinbar nimmermüde Produktion findet, muss hochachtend anerkannt werden, dass diese unappetitlichen Absonderungen ihre Hersteller zu gar wundersamen Leistungen befähigen. Können sie doch auch auf unwegsamen und lebensfeindlichem Terrain in absonderlicher Geschwindigkeit vorwärts gelangen. Nicht einmal die berühmten Rasierklingen halten sie auf, ihren Weg unbeirrt fortzusetzen, wenn sich das Ziel zu lohnen verspricht. Zumeist ist dies wohl der Nahrungs-, aber ab und an auch der Paarungstrieb. In jedem Fall aber ist es die Belohnung, die die Schnecken ihr Ziel erfassen und auf beinahe unaufhaltsame Weise erreichen lässt.

Vergleichen wir nun einmal die Schleimspur der Schnecken, mit den zum Teil ganz ähnlichen Methoden von Politikern. Ich spreche hier natürlich von den opportunen Karriereristen unter dieser Spezies, vergleichbar wohl am ehesten mit den großen, gefräßigen Nacktschnecken aus dem Gemüsegarten. Unbeirrbar in der Wahl ihrer Mittel, rücksichtslos in der Konsequenz ihres Tuns und das alles auf einer schier endlosen und unerschöpflichen Schleimspur aus Lobbyarbeit und Anbiedertum. Der sie stetig ihrem Ziel, welches sie fest im Blick haben, näherbringende Schleim, auf dem sie ihre stets nach oben, in einer steigenden Kurve ausgerichtete Karriere voranbringen, ist jedoch – hier im Gegensatz zu den autarken Schnecken – nur zum Teil selbst erzeugt. Professionelle Schleimspur-Politiker sind darauf angewiesen, sich in einer Umgebung zu tummeln, in der sie umgarnende Emporkömmlingen und Karriereristen ihresgleichen, jedoch noch auf einem geringeren Level, ihre eigene Schleimspur mit geheuchelten Huldigungen, gespielter Bewunderung und gebückter Servilität – eben gut schmierendem Schleim – ergänzen.

Die Ziele sind dabei denen von Schnecken nicht ganz unähnlich. Das übermässige Konsumieren von teuren, für andere Lebewesen kaum erreichbaren Leckereien, die hierdurch nach einiger Zeit auf der, alles überwindenden, Schleimspur verstärkte Werdung zum allesbestimmenden und Konkurrenten in Schach haltenden Alphamännchen, und die wiederum davon gestärkte vermeidliche Attraktivität beim Balzakt, bei dem es nicht mehr klassisch um Schönheit, Charme oder Einfühlungsvermögen geht, sondern schlicht um Macht, repräsentiert vom dicksten und schleimreichsten Männchen – aka Politiker – weshalb es hier auch vorkommt, dass die mit Abstand unappetitlichsten Exemplare, durchaus über ein attratives, wenngleich oft, nicht immer, naives Weibchen hinüberschlittern. Schleim macht sexy, könnte man hier wohl sagen.

Ich gestehe nicht ganz sicher zu sein, aber ich bin dennoch festen Glaubens, dass spätestens hier die kleine Schleimanalogie zwischen Schnecken und Politikern, wenn nicht gänzlich endet, jedoch eine, nur einen Absatz andauernde Pause einlegt.
Denn während Schnecken durch ihr Tun, mit dem Sichern des eigenen Überlebens durchaus zufrieden sein werden, wächst in Schleimspurpolitikern mit Erreichens jeder neuen Schleimstation unweigerlich das Verlangen nach mehr. Und noch mehr. Es endet zumeist so, dass die größten Schleimer am Ende ihrer rutschigen Reise (welches sie jedoch selbst zumeist nie zu erkennen in der Lage sind) eine Masse erreicht haben, gesellschaftlich, machtpolitisch, wie auch schlicht in Kilogramm gemessen, welche sie geistig derart träge und selbstzufrieden mit der eigenen schleimigen Leistung, völlig unreflektiert auf das eigene Tun, und die für ihren Aufstieg nötigen Fremdschleimer zurückblicken lassen, dass sie nicht bemerken, wie sich die nächste Generation von Schleimspurpolitikern auf einer mitunter noch glatteren und unangreifbareren Schleimschicht aufmacht, den Schneckenkönig zu stürzen und – hier lassen sich Schnecken und Politiker wieder wunderbar analogisieren – am Ende gar zu fressen.

Wer hier Ähnlichkeiten zu einem Machtpolitiker aus Oggersheim entdeckt, dem sei gesagt, dass hier eines der Paradebeispiele der Gechichte, Verzeihung, Geschichte vorliegt.
Am Ende muss ich jedoch sagen, dass ich den Schnecken nun wirklich kein Unrecht tun möchte, mit diesem äußerst uncharmanten Vergleich zu einer Spezies, die sich gebildet schimpft, aber seit Jahrtausenden in der ein oder anderen Weise über Leichen zu gehen, pardon, zu rutschen bereit ist, um das eigene Vorankommen, die eigene Vormachtsstellung zu sichern. Zur Ehrenrettung einiger aufrechter Politiker sei dann hier auch gesagt ... nun ja ... schlicht: es gibt sie. Durchaus. Jedoch werden sie niemals als erste am Salat ankommen und den Schleimern die schmackhaften, karriereebnenden Blätter wegzufressen.

Und dieser Lauf der Geschichte, dieses geradezu evolutionäre Gehabe einer machtbesessenen Kaste, lässt sich durch Jahrtausende in immer neuen Facetten und Abarten beobachten.
Da helfen auch keine Rasierklingen.
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Di

09

Aug

2011

Anonymität der Freiheit vs. Diktat der Angst

 

  

Mein offensichtlicher Vorteil als Blogger? Simpel. Meine Meinungsfreiheit. Mein nicht weniger wichtiger Vorteil, den ich als Internet-User der allerersten Stunde definitiv niemals vergessen, noch verraten werde: Die Anonymität. Im Unterschied zu den – von mir im Übrigen überaus hochgeschätzten – Qualitätsjournalisten, muss ich mich nun in der aktuellen Diskussion, angestoßen unter vielen anderen, auch von unserem – aus Gründen des Identitätsschutzes hier nicht näher mit Klarnamen genannten – aktuellen  Bundesinnenminister, zum Glück nicht mit Klärung der (fachlich wahrscheinlich kümmerlichen) Tatsachen auseinander setzen, sondern kann direkt in Polemik verfallen, eben jenen Minister der Nichtteilhabe an der aktiven Netzgemeinde der frühen oder mittleren Jahre zu bezichtigen. Schlicht und einfach aufgrund seiner – von wem auch immer in seinem Berater-Stab real formulierten aber stets schlicht bleibenden– Forderung: „Das Ende der Anonymität im Internet.“
Ein weiterer, sogar der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags vorstehender, natürlich mit Klarnamen ebenfalls hier nicht genannter Politiker, der bereits im letzten Jahr für so manch unterhaltsame Twitter-Meme gesorgt hatte, hat seinen fehlgeleiteten Aktionismus derart aus dem windowsschen Fenster gehängt, dass nicht nur seine extreme Fachferne, sondern auch seine persönliche Hanswurstigkeit peinlich offenbar wurde.
Wenn es Euch, liebe Politiker, nur um „Irre“ im Sinne des extremistischen Umfeldes geht, ganz gleich ob nun rechts oder links verortet, eine fast nachvollziehbare Motivation, wieder einmal genährt von aktuellen, geistesgestörten Massenmörder aus Norwegen, gibt es eine wundervoll gangbare Lösung. Lehrt Eure jeweiligen Gesellschaften Toleranz und Offenheit. Lehrt sie die Liebe zu Freiheit und Offenheit, den Unterschied zwischen Gemeinwohl und Gemeinheit. Bin ich Euch zu schlicht? Seid Ihr mir auch. Spannend.
Glaubt Ihr ernsthaft, Ihr könntet amoklaufende Vollidioten „verbieten“? Mit Zensur und Verboten gegen kriminelle Energien angehen? Die Geschichte hat es doch bewiesen. Könnt Ihr nicht. Ich verstehe sogar, dass Ihr das Internet aktuell als den ungeheuer rechtsfreien Raum anseht, der unkontrolliert das neue Babel, ach was sage ich, Sodom und Gomorrha darstellt, von dem die schlimmsten Sünden und Bedrohungen der Jetztzeit ausgehen. Ich verstehe auch, dass die puritanische Angst, des „Ich muss den eigenen Besitzstand wahren und habe keinerlei Ahnung wie das da funktioniert“ und das eigene absolute Unverständnis Euch diese Einschätzung suggerieren. Gleichermaßen nutzt Ihr diese Strukturen, um unfassbar unkontrollierbare Aktien zu handeln, Kriegshandlungen zu koordinieren oder Politik den Anschein der Transparenz zu geben.
Dummerweise ist Doppelmoral eine der am schnellsten nachweisbaren Schwächen im digitalen Zeitalter.
Man muss keinen, zum Glück randnotizbehafteten, Guttenberg bemühen, um zu beweisen, dass Lügen im Netz ungeahnt kurte Beine haben, wenn sie sich anmaßen, die Realität zu beschreiben. Ähnlich demokratisch, gerecht, wie im Falle des peinlichen Betrügers Guttenberg, geht es im Netz in wichtigen, politischen Angelegenheiten fast überall zu. Die Netzgemeinde hat eine Meinung. Und diese Meinung ist zum Glück weder zentral, noch einhellig. Aber eines ist sie immer: In der letzten Konsequenz demokratisch.

Würde also unsere oder eine andere Regierung mit ihrem leidlich anachronistischen Ansatz der Antianonymisierung des Internets Erfolg haben, zumindest auf Gesetzesebene, denn „real“ lässt sich dieser Gedanke spannender- wie glücklicherweise gar nicht umsetzen, die Freiheit des Individuums nicht mehr umkehren, müsste sie sich Gedanken machen, die sie sich scheinbar unverständlicherweise zur Zeit nicht macht. 12-jährige die sich mit Realnamen bei Facebook anmelden, um ihren Freunden private Fotos zu posten. Dissidenten in totalitär regierten Ländern, die ihren Klarnamen angeben, um demokratische Umstürze zu organisieren. Ihr wirren Geister, ist Euch eigentlich wirklich klar, was Ihr da fordert. Das Problem an Eure Vorstellungen ist, Ihr werdet die Zeit niemals zurückdrehen in die scheinbar gelobten Jahre vor der globalen Vernetzung. Ihr selber habt die Globalisierung gewollt!Ihr habt sie heraufbeschworen. Ihr habt sie mit Eurer Politik forciert. Und plötzlich bejammert Ihr eine Auswirkung Eures Tuns, ohne das große Ganze zu sehen. Ihr seid zu langsam. Schon gemerkt.
Nur nebenher. Ich selber benutze kein Pseudonym. Ich bin ich. Auch hier im – ach so – kriminellen, anonym verzerrten, gar maskierten Raum. Ich bin ich auf Twitter, dem wohl ehrlichsten und spontansten Medium, derer die Ihr fürchtet – zumindest fürchten solltet. Facebook, das Paradies der Klarnamen und Zurschaustellung der eigenen Identität, ist niedlich, ein familiärer Schafstall, in dem Menschen, die Eure penible Sorge nochmals unterlaufen, äußerst private Fotos ihrer Kinder einstellen, ist nicht Euer Problem. Diese Plattform ist Eurer Datensammelsucht doch eher zuträglich. Seid einfach ein wenig ehrlich. Ihr fürchtet das politische Kollektiv, den realen Menschen mit Meinung. Dem Bestehen Eurer merkwürdigen Kaste, zumindest in der korrupten, lobbygeleiteten Form, wie sie sich derzeit den „neuen Medien“ (wann seid Ihr eigentlich aufgestanden?) gegenüber ängstlich manifestiert, wurde leider schon zu lange zugeschaut und erst das „Mitmach-Medium“ Internet scheint hier die konzeptionellen Risse zu nutzen, die sich schon seit Unzeiten zeigen.        
Ich, als Privatmensch Markus G. Sänger, habe keinerlei Probleme, mit Gruppen wie „Anonymous“, die den Finger in die aktuelle Wunde legen. Ich verstehe aber jeden meiner Freunde auf Twitter, Blogger oder sonstwo, die sich angesichts solcher Umstände sicherer fühlen, unter einem absoluten Pseudonym zu schreiben. Deshalb breche gerade ich eine Lanze für alle jene, die dafür kämpfen, das Netz anonym zu halten. Ihr   habt Ihr eigentlich auch nur eine ungefähre Ahnung davon, wie aktiv das Netz sich selber kontrolliert, sauber hält und reguliert? Nein, habt Ihr natürlich nicht. Weil Ihr kein Teil der Netzcommunity seid. Weil Ihr nicht verstehen könnt, wie Meinungsfreiheit außerhalb staatlich kontrollierter Mechanismen funktionieren kann. Weil Ihr schlicht nicht akzeptieren wollt, dass Menschen frei sein wollen. Menschen, die nicht zwangsläufig „Böses“ im Schilde führen. Die sich nicht zwangsläufig am Zersetzungsprozess der Gesellschaft im demokratischen Sinne befleißigen. Ihr solltet EINES einfach mitnehmen: Das Netzt ist das Demokratischste was es jemals gab. Und das Zweite, was Ihr mitbekommen solltet ist, dass die Netzgemeinde kein rechtsfreier Raum im Sinne moralischer Verrohung ist. Die alte Tante Moral genießt hier durchaus einen guten Ruf. Ein Ruf, dessen Ihr Euch nicht habhaft fühlen dürftet. Ein Regulativ, welches im Unterschied zu so vielen fragwürdigen Staatsformen, die Ihr mit Eurer Politik – Waffenkäufe, strategische Partnerschaften, imagefördernde Staatsbesuche – unterstützt, mit sich im Reinen ist.
Nehmt es einfach mit:
Ich bin genau der, der ich vorgebe zu sein. Weil ich es kann – Euer Glücksfall. Und wenn es Menschen gibt, denen dieser unglaubliche Luxus nicht vergönnt ist, die sich mit Eurer Beobachtung unwohl fühlen, oder die schlicht keine Lust dazu haben oder schlichten und ehrlichen Spaß an Maskerade haben (spießiger, bürgerlich anerkannter Karneval, merkst Du was?), so ist dies kein Ausdruck verbrecherischer, terroristischer oder zersetzender Tendenzen, sondern schlicht sein oder ihr Bürgerrecht.     
  
Wer sich anschickt, das Internet derart reglementieren zu wollen, als wäre dies die gewohnte Realität, hat es schlicht nicht verstanden und ist zum Anderen leider KEIN lupenreiner Demokrat.
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Di

02

Aug

2011

Die Strahlkraft von Marken und deren Halbwertzeit

Wenn ein Mensch, ein Kunde, das Produkt einer Marke kauft, so soll diese immer auch den ihr innewohnenden Glanz, ihre imagetragenden Eigenschaften auf ihn abstrahlen. Handelt es sich um eine Lifestylemarke, ist dies sogar ihre hauptsächliche Aufgabe. Die tatsächlichen, real beschreibbaren und technisch immanenten Produktvorteile müssen hier umso weiter in den Wahrnehmungshintergrund treten, desto aufgeladener das betreffende Produkt mit ideellen und subjektiven Attributen daherkommt. Der Käufer wird zum Fan – in schlimmeren Fällen sogar zum Abhängigen in einem religiös verblendeten Sinn – und trägt jenes seine eigene Wahrnehmung auf sich selber enorm steigernde Produkt voller Stolz gut sichtbar mit sich herum, selbst oder gerade auch, wenn es sich nicht um ein Kleidungsstück handelt. Soweit so gut. Die verehrten Wirtschaftler würden sich in einer Win-Win-Situation wähnen und frohlocken.

Nun gibt es jedoch jene Differenz zwischen von Käuferseite gewollter und real gefühlter Abstrahlung und der andererseits ebenfalls realen Aufnahme des Markenglanzes bei Dritten, bei den Rezipienten des Schauspiels. Und ein solches ist es nur all zu oft, wenn sich Markenjünger mit dem Objekt, dem Logo ihrer Begehrlichkeit in die Öffentlichkeit begeben, selbstsicher und behütet durch ein überbodenes, aber eben nur geliehenes Selbstbewusstsein, ihr eigenes Ich mit Imageversprechen aufgeladen durch die Realität chauffieren. Der leuchtende Apfel, der flachste Tablet-PC, das schlichteste Smartphone verschaffen seinem Besitzer gefühlt jene zusätzliche Begehrlichkeit, die das eigene Sein seinem Träger bislang versagt hat. Der mühevoll – und teuer – geshapte Body mit dem perfekten und selbstverständlich sichtbaren BMI wird erst perfekt durch den geleasten Sportwagen, der ihm den richtigen Auftritt verschafft. Ausstrahlung auf Pump. Dieses auf den ersten Blick inhaltsarme Verhalten verfehlt seine Wirkung definitiv fast niemals bei Menschen, die ähnlich ticken, wie der Imageträger, denen der konsumierbare Artikel, gleich welcher Couleur, ebenfalls Halt und Sicherheit verleiht, die Marken wie Parfüm tragen. Nachvollziehbar – umgibt man sich doch auch eher mit seinesgleichen, sucht die gleichen Lokalitäten auf, wie die Menschen denen man imponieren möchte und die einen imponieren, mit denen man sich in einem ständigen Schauwettkampf befindet, die man zu übertrumpfen das letzte monetäre Hemd zu geben bereit ist, solange es den eigenen Glanz heller erscheinen lässt.

Leider hat jede Bewegung seine Gegenbewegung. Jede Marke seine Antimarke. Spiderman hat Venom, Apple hat Windows, Facebook hat Twitter. Und nun wird es spannend. Denn in der jeweils anderen Szenerie, im beinahe weltbildlichen Zusammenhang des Konträren verliert die auf der einen Seite unglaublich wertvolle, teure und Beifall fördernde Marke mit einem Schlag all ihre Strahlkraft und jeglichen Wert, sobald sie auf der anderen Seite wahrgenommen wird. Die Vorzeichen kehren sich um. Was gerade noch in der eigenen Umgebung den eigenen Status enorm beflügelt und gefestigt hat, lässt einen nun von jetzt auf gleich zum Hanswurst werden, der sich sein nicht selten zu kleines Ego mittels Marken hat aufspritzen lassen. Die Intensität der Wahrnehmung leidet darunter in keiner Weise, denn Feindbilder sind beinahe noch stärker als das Vertraute. Jeder nimmt die vermeidlich feindliche und hassenswerte Marke beinahe stärker wahr, als die selbst begehrte.

Spannenderweise kann man diesen Prozess in jeglichem sozialen Umfeld beobachten. Hier geht es nicht um Schichten, soziale Klassen oder kulturelle Determination. Das fängt bei Biermarken an, geht über die Devotionalien von Fußballvereinen – hier bereits sogar auf Stadtteilniveau – hört bei Musikinstrumenten noch lange nicht auf, findet einen perversen Peak bei Unterhaltungselektronik, spaltet ganz eklatant bei Musikstilen und deren Protagonisten und endet nicht bei Kraftfahrzeugen, Bekleidungsfirmen oder Nahrungsmitteln. Natürlich geht es auch immer darum, wie wertvoll sich eine Marke, ganz simpel im Sinne des Preises, darstellt. Aber das Phänomen auf diesen einen Punkt zu reduzieren wäre zu simpel. Nicht jeder, der sich einen BMW leisten könnte, tut dies auch. Unabhängig vom Preis steht hinter jedem Produkt mittlerweile eine Weltanschauung und Marken clustern sich zu Markenweltbildern. Ich könnte zwar nun die Theorie aufmachen, dass das Kaufen von Strahlkraft, also das Bedienen an fremder Leistung zur Steigerung des eigenen Status umso weiter verbreitet ist, desto kleiner das real vorhandene Ego des Betreffenden sich darstellt, aber zum einen wäre dies sogar mir zu simpel und zum anderen ist es in der Tat weitaus komplizierter. Dennoch setze ich letztgenannte Theorie als noch abzustufendes Massenphänomen bedingt voraus.

Fakt ist, dass die Halbwertzeit der gekauften Markenstrahlkraft ohnehin ausschließlich in der eigenen soziologisch angepassten Umgebung funktioniert. Verlässt man dieses sichere Terrain, nützt einem keine Marke der Welt, um die Lücken der Unsicherheit wettzumachen und mit Glanz zu kitten. Dies zu verstehen, besser einzusehen, fällt jedoch logischerweise unglaublich schwer, ist doch die eigene Wahrnehmung immer noch dieselbe. Deshalb gibt es sie ja auch, die zum Teil peinlichen Momente, in denen allen, außer dem Markenjunkie selber bewusst ist, welche arme Wurst sich gerade mit Hilfe gekauften Respekts durch den Moment laviert – aber auch die erhebenden Momente, die einen auf sich selbst bezogen eine Art perversen Frieden finden lassen, wenn man es schafft, das eigene Verhalten, die eigene Zurschaustellung einer Meinung, untermauert durch die dieses Verhalten unterstützende Marke als jene Stärke oder Weitsicht zu sehen, die nicht zu haben man den anderen – bestenfalls der Masse – unterstellt.

Ich möchte hier weder über die Marken urteilen, die sich dieses psychologische Manko ihrer Kunden zunutze machen, noch über die Menschen, die sich ihres Verhaltens zumeist durchaus bewusst in diese spannende, bezahlbare Abhängigkeit begeben, aber eben auch genau das zurückbekommen, was sie ansonsten vermissen müssten, gehöre doch auch ich zu irgendeiner Clique oder Anti-Clique von Verbrauchern. Und so bejubel ich den Umstand des Abglanzes definitiv und möchte ihn und all seine Begleiterscheinungen, skuril oder peinlich, lachhaft oder ehrenwert, nicht missen.
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Do

28

Jul

2011

Absolutes Nullinteresse an Arschlöchern aller Art

Liebe extremistisch verblendeten Religionisten, geistesgestörte Weltverschwörungstheoretiker, vollverspackte Egobomber, staatterroristische beauftragte Folterknechte, Möchtegernherrscher mit diktatorischen Ambitionen und Artverwandte.

Ich möchte Euch hiermit mit sofortiger Wirkung dazu aufrufen, Euch zu organisieren. Gründet einen Club, eine Website, ein Forum, eine Plattform, eine Selbsthilfegruppe, was auch immer. Schließt Euch auf jeden Fall baldigst zusammen und sucht Euch eine unbewohnte Insel irgendwo auf der Welt. Dorthin zieht Ihr dann in eine Kommune der Bekloppten und Asozialen und tauscht Eure jeweiligen Phobien mit gleich oder ähnlich Gesinnten aus. Hier findet Ihr dann auch jene Zuhörer, die Ihr so schmerzlich vermutlich seit frühester Kindheit vermisst und die Ihr stellvertretend von der von Euch terrorisierten Weltöffentlichkeit einfordert. Ihr könnt vor Ort dann Eurer kranken Neigung nachgehen, Menschen zu sprengen, zu erschießen, zu foltern, zu vergewaltigen, zu quälen und schlicht zu töten. Nur sind es in diesem Fall keine unschuldigen Menschen, die Ihr sinn- und wahllos zur Hölle verurteilt, sondern "Menschen" wie Ihr selber. Die müssten ja im Umkehrschluss, ob ihrer eigenen Veranlagung, einverstanden sein mit Euren wie auch immer gearteten und komplett sinnbefreiten Taten und stehen Euch bestimmt gerne hilfreich als Opfer zur Seite. Also bitte, folgt meinem Rat und lasst die Welt mit Eurer infantilen Scheiße in Ruhe. Wir interessieren uns nicht für Euch und Angst haben wir schon lange keine mehr.


Ehrlich, ich habe Euch und Eure peinlichen Taten einfach nur satt, Ihr unwichtigste Randerscheinung einer völlig fehlgeschlagenen Mutation der Evolution.

Schleicht Euch!

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Di

12

Jul

2011

Das Design des Politischen

Vor Direktheit geblendet Neid
In vorzeigbarer Manier
Gezeichnet von Raum und Zeit
Bewahrt von knarzend Scharnier
Direktheit in furchtsamer Ehr
Geneigt gen verbaler Gewalt
Gesundheit bleibt ohne Gewähr
Und kaum einer wird hier noch alt
Korrumpierbar per eiskalter Wut
In tödlich belehrbarer Art
Sich zu weigern bedarf es an Mut
Kontrollierbar verpasst Gegenwart
Autonom generierbarer Tat
Setzt entgegen des Schaffens Zorn
Und bevor Ihr es wirklich gewahrt
Beginnt all der Zobes von vorn.
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Mi

15

Jun

2011

Mein Vater

Doppelt einsam oder einfach geborgen – eine schlichte Frage des Standpunktes:
Oder: Wie ein Leben seine Schatten wirft ohne es zu wollen.

Jeder Mensch steht im Laufe seines – möge es ihm von Herzen beschieden sein – langen Lebens augenscheinlich mindestens zweimal unumstößlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der ihn umgebenden Gesellschaft. Das ist wenn er geboren wird – und wenn er stirbt. Es mag menschliche Schicksale geben, denen würde man voller Traurigkeit nachsagen, daß sie schon bei der Geburt einsam gewesen sein müssen, sowie sie vielleicht auch gestorben sind. Und nicht immer ist uns klar, was es bedeutet, einsam zu sein oder sich zumindest so zu fühlen. Aber immer ist dieses Empfinden subjektiv, bewertend, die Außensicht einer vermutet fremden Existenz.
Tatsache ist, kein Mensch kann einsam geboren werden. Niemand kommt alleine auf diese Welt. Mindestens ein Mensch steht ihm in dieser Stunde zur Seite, wenngleich es natürlich leider vielerlei Gründe gibt, warum diese Bindung eventuell nur ungebührlich kurz anhält. Wie sich das turbulente Leben des Einzelnen bis zu seinem Ende in Sachen Einsamkeit oder Gesellschaft geriert hängt von so unendlich vielen Faktoren ab, wie Menschen nur unterschiedlich sein können – und noch weit darüber hinaus.

Die landläufige Meinung, wie es diesbezüglich mit dem unausweichlichen Ende aussieht, ist nicht minder konträr und mannigfaltig diskutabel. Doch ich wage die These, daß – ebenso, wie niemand alleine auf diese Welt kommt – kein einziger Mensch wirklich einsam wieder von ihr geht. Ich beziehe mich hier weder auf die physischen oder krankheitsbedingten Umstände, noch auf das bestimmt singuläre Gefühl des Sterbenden in seinen letzten Momenten. Letzteres kann durchaus derart gelagert sein, dass er oder sie sich absolut alleine fühlt. Aber auch das – so behaupte ich – ist eine Frage der Einstellung zum eigenen Leben, was ich im folgenden gerne näher erläutern möchte.

Um eines schnell abzuhandeln: sicher gibt es hier auch die Gruppe derer, die sich einem Gott, welcher Couleur auch immer, nahe wähnend, ohne Angst in ihre letzten Atemzüge begeben. Die Menschen, die ohnehin fähig sind, sich der Gefahr einer wie auch immer gelagerten Einsamkeit gar nicht erst preis zu geben, weil sie schließlich ihren vermeindlichen Schöpfer auf ihrer Seite glauben. Vielleicht haben diese Menschen es beim Sterben sogar am Einfachsten von allen, da sie einen Teil ihrer Eigenverantwortung Zeit ihres Lebens zu einem guten Teil an eine für sie bestärkend wirkende Vorstellung abgegeben haben, weil sie sich geleitet fühlen und somit sowohl die Entschuldigung für eigenes Fehlen, als auch Trost für fehlendes Sein direkt in sich tragen. Nicht zuletzt, weil sie daran glauben, das gelebte Leben wäre zu etwas nütze gewesen. Quasi die Qualifikation, das Sprungbrett für das nächste jenseitige Leben, welches mit den verdienten Belohnungen der so sauer erworbenen Fleißkärtchen aufwartet.
Auch das natürlich Theorie. Aber: Eine recht bequeme Vorstellung – die automatische Existenz eines Lebens nach dem Tode direkt inbegriffen – was einem definitiv einen Großteil der definitiv natürlich latent vorhandenen, bzw. dann real aufkommenden Angst nimmt. Einer Angst die unter anderem daraus resultiert, die eigene Existenz als vergänglich und somit in einer endgültigen Art als belanglos akzeptieren zu müssen. Das will eigentlich niemand. Auch das ist verständlich.
Areligiöse Menschen, wie gelagert ihr Unglaube oder die Unfähigkeit an eine Art Digestif des Lebens zu glauben auch immer sein mag, haben da grundsätzlich ein größeres Problem zu bewältigen. Man stirbt und dann ist man tot. Punkt, Ende, aus. Und eigentlich, wenn man es mal ganz genau nimmt, nur in diesen Fällen stellt sich eigentlich die Frage, bin ich alleine, fühle ich mich alleine, will ich vielleicht sogar alleine sein, wenn ich sterbe? Letztere Frage klammert sich für religiöse Menschen im Allgemeinen übrigens auch von vorneherein aus. Selbst wenn ich hier allein sein wollte, könnte ich es beispielsweise als Christ nicht. Es sei den natürlich, ich beginge Selbstmord, doch sogar in diesem Fall erwarten mich ungewollte Schwierigkeiten. Da kämen dann ganz andere, die mir zur Seite stünden. Bleiben wir also der Einfachheit halber beim natürlichen Tod.

Die Angst vor dem einsamen Sterben wohnt uns wahrscheinlich zum größten Teil allen inne. Das scheint menschlich zu sein. Und auch begründet. Denn wievielen Menschen ist es schon vergönnt (so sie es denn wollen) im Kreise von geliebten oder zumindest gewohnten Menschen den letzten Atemzug zu tun. Früher war diese zumindest definitiv häufiger der Fall, als heutzutage. Gesellschaftliche Veränderungen seien hier einmal schlicht akzeptiert, denn angeprangert. Doch nehmen wir hier nun einmal den vermeintlichen Idealfall, des Versterbens in einer Runde vertrauter Menschen an, so wird uns auch diese Tatsache mitunter nicht das Gefühl nehmen, am Ende doch ganz alleine zu sein. Die Gewissheit des Endes an sich ist es, die uns derartig abschweifen lässt von der eigentlichen Tatsache. Und die lautet meines Erachtens nach, absolut keine Allgemeingültigkeit beanspruchend, wie folgt:

Wer immer ein erwachsenes, soll heißen längeres, Leben gelebt hat, sei es aus seiner Sicht gut oder schlecht gewesen, hat auf seinem Weg immer mit Menschen zu tun gehabt. Und diese Menschen waren einem gewogen, gleichgültig gegenüber gestimmt oder auch feindlich gesonnen. Es hat darunter aber immer, bei jedem oder jeder den Einen oder die Eine gegeben, ob man ihn oder sie erkannt hat oder auch nicht, der oder die einem ins Herz gesehen hat, der oder die einen geliebt hat, der oder die einem Mitgefühl entgegengebracht hat, der oder die einen aus einer misslichen Lage befreit oder schlicht geholfen hat. Und hat man genau das einmal erkannt, gespürt, erlebt, genossen, ist es unmöglich, dieses Gefühl – besser noch – diese wahrhaft geschichtliche Tatsache jemals wieder zu verdrängen oder ungeschehen zu machen. Selbst wenn krankheitsbedingte Besonderheiten dazu führen, dass wir uns dessen unglücksseligerweise nicht mehr zu erinnern vermögen, sollte es uns ein Trost sein. Und das bereits zu den Zeiten, da wir es wahrnehmen, genießen und uns dessen gewiss sind. Wir werden niemals einsam sterben können, weil es irgendwo auf dieser Welt einen Menschen gab oder gibt, der sich an uns erinnert hat oder erinnern wird.

Genauso verhält es sich umgekehrt. Es ist unmöglich im Definitionssinn belanglos oder gar sinnlos zu sterben, solange man sich an einen Menschen erinnert, sich ihm nahe fühlt. Und sei es auch nur ein Gedanke, ein Gefühl, ein Moment. Wir sind das Gedächtnis der Welt. Menschen existieren, weil wir sie wahrnehmen, weil wir an sie denken. In meiner ganz persönlichen Anschauung funktioniert dies übrigens auch mit Tieren. Ich weiß, dass ich auch damit wieder Zustimmungen verliere, aber das macht es ja nicht unwahrer. Gewöhnen wir uns doch einfach daran. Sterben ist für viele eine einsame Sache, für andere aber eben nicht. Sterben ist in jedem Fall eine sehr persönliche Sache. Für mein Dafürhalten exakt die letzte und vor allen privateste Sache überhaupt. Wenn es perfekt wäre, sollte jeder den Moment seines Sterben selbst gestalten, für sich erlebbar machen und vor allem bestimmen können. An dieser Stelle sei – nur nebenbei erwähnt – ein klares Ja zur selbstbestimmten Sterbehilfe und seinen Geschwistern von meiner Seite abgegeben.
Der Ursprung warum ich mir nun all diese Gedanken mache, so sie denn nicht schon lange in mir gären oder das ohnehin in jedem tun, und nur darauf warten, an die Oberfläche vorgelassen zu werden, sich den Weg an die Oberfläche des Bewusstseins verschaffen, liegt definitiv in meiner Natur begründet, ist aber speziell ausgelöst worden vom kürzlichen Tod meines geliebten Vaters. Er verstarb zwar nach langer Krankheit, doch über alle Maßen unerwartet und so gesehen für alle Betroffenen, so auch mich plötzlich. Hätte man es gewusst, wäre die Nacht gänzlich anders verlaufen, als so. Hätte man, hätte ich es gewusst, wäre ich da gewesen. Natürlich. Wusste ich aber nicht. Also: War ich es auch nicht. Da. So blieb mir nur der knappe posthume Abschied – immerhin der blieb mir und ich habe ihn auch gebraucht.

Man kann nun also sagen, dass er in der Nacht in dem er – so schließe ich aus dem Geschehenen – das Ende seiner Kraft erreicht hatte, aber letztlich sogar selbst bestimmt beschloss zu gehen, alleine war – physisch. Die Details lasse ich aus und vertiefe meine Gedanken, die mit Sicherheit auch ihren Teil dazu beitragen, es für die Hinterbliebenen, mich eingeschlossen, erträglicher zu machen. Doch – und nun komme ich zum Kern meiner Überlegungen – wie kann ein Mensch, der sich der Erinnerung unzähliger – und es wäre egal, sei es auch nur ein einziger – gewiss sein konnte; der sich Zeit seines Lebens als fürsorgender, liebender und vorausschauender – und es wäre sogar egal, wäre es anders gewesen – Vater und Ehemann erwiesen hat; der das Prinzip Leben und Leben lassen – und es wäre sogar egal, wäre er restriktiver gewesen – aktiv gelebt hat; der mich gelehrt hat, dass man jeden respektieren muss und niemanden gegen seine Willen beugen darf; wie kann so jemand jemals – und sei es am Ende seines Lebens, sei es gerade in der Stunde seines Todes – alleine sein? Ich könnte beinahe noch weiter gehen und sagen, wie kann so jemand nicht weiterleben in denjenigen, die ihn kannten, ehrten, schätzten, liebten? Warum sollte er Angst vor dem nahenden Tod empfinden? Und doch bin ich sicher dass er sie empfand. Und hätte ich alles geahnt, hätte ich neben ihm gesessen und alles gegeben um sie ihm zu nehmen. Denn er hätte sie nicht nötig gehabt. Er hätte stolz sein können, denn er war definitiv nicht allein. Ich war bei ihm – und das schon zu Lebzeiten. Ewigkeiten. Wahrheiten.
Ich kann hiermit bezeugen, mein Vater war – was mich ganz persönlich anging – ob er wollte oder nicht (wobei ich weiß, dass er es nicht wollte und auch doch) nicht alleine in der Stunde seines Todes. Was nun so klingt wie das Nichterfüllens eines Lebenswillens, ist das genaue Gegenteil. Mein Vater war – für mich zum Glück – kein gottesfürchtiger Mann. Und ich – unter anderem ich, und viele andere – ich war bei ihm.

Kein Mensch geht einsam von dieser Welt. Behaltet das im Hinterkopf wenn Ihr mögt. Zumindest bevor Ihr daran verzagt, einsam zu sterben. Und wenn Euch noch Zweifel kommen, sucht denjenigen, der Euch etwas bedeutet und zeigt es ihm oder ihr.
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Di

14

Jun

2011

Mein Vater

Doppelt einsam oder einfach geborgen – eine schlichte Frage des Standpunktes:

Oder: Wie ein Leben seine Schatten wirft ohne es zu wollen.

 

 

 

Jeder Mensch steht im Laufe seines – möge es ihm von Herzen beschieden sein – langen Lebens augenscheinlich mindestens zweimal unumstößlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der ihn umgebenden Gesellschaft. Das ist wenn er geboren wird – und wenn er stirbt. Es mag menschliche Schicksale geben, denen würde man voller Traurigkeit nachsagen, daß sie schon bei der Geburt einsam gewesen sein müssen, sowie sie vielleicht auch gestorben sind. Und nicht immer ist uns klar, was es bedeutet, einsam zu sein oder sich zumindest so zu fühlen. Aber immer ist dieses Empfinden subjektiv, bewertend, die Außensicht einer vermutet fremden Existenz.

 

Tatsache ist, kein Mensch kann einsam geboren werden. Niemand kommt alleine auf diese Welt. Mindestens ein Mensch steht ihm in dieser Stunde zur Seite, wenngleich es natürlich leider vielerlei Gründe gibt, warum diese Bindung eventuell nur ungebührlich kurz anhält. Wie sich das turbulente Leben des Einzelnen bis zu seinem Ende in Sachen Einsamkeit oder Gesellschaft geriert hängt von so unendlich vielen Faktoren ab, wie Menschen nur unterschiedlich sein können – und noch weit darüber hinaus.

 

Die landläufige Meinung, wie es diesbezüglich mit dem unausweichlichen Ende aussieht, ist nicht minder konträr und mannigfaltig diskutabel. Doch ich wage die These, daß – ebenso, wie niemand alleine auf diese Welt kommt – kein einziger Mensch wirklich einsam wieder von ihr geht. Ich beziehe mich hier weder auf die physischen oder krankheitsbedingten Umstände, noch auf das bestimmt singuläre Gefühl des Sterbenden in seinen letzten Momenten. Letzteres kann durchaus derart gelagert sein, dass er oder sie sich absolut alleine fühlt. Aber auch das – so behaupte ich – ist eine Frage der Einstellung zum eigenen Leben, was ich im folgenden gerne näher erläutern möchte.

 

Um eines schnell abzuhandeln: sicher gibt es hier auch die Gruppe derer, die sich einem Gott, welcher Couleur auch immer, nahe wähnend, ohne Angst in ihre letzten Atemzüge begeben. Die Menschen, die ohnehin fähig sind, sich der Gefahr einer wie auch immer gelagerten Einsamkeit gar nicht erst preis zu geben, weil sie schließlich ihren vermeindlichen Schöpfer auf ihrer Seite glauben. Vielleicht haben diese Menschen es beim Sterben sogar am Einfachsten von allen, da sie einen Teil ihrer Eigenverantwortung Zeit ihres Lebens zu einem guten Teil an eine für sie bestärkend wirkende Vorstellung abgegeben haben, weil sie sich geleitet fühlen und somit sowohl die Entschuldigung für eigenes Fehlen, als auch Trost für fehlendes Sein direkt in sich tragen. Nicht zuletzt, weil sie daran glauben, das gelebte Leben wäre zu etwas nütze gewesen. Quasi die Qualifikation, das Sprungbrett für das nächste jenseitige Leben, welches mit den verdienten Belohnungen der so sauer erworbenen Fleißkärtchen aufwartet.

 

Auch das natürlich Theorie. Aber: Eine recht bequeme Vorstellung – die automatische Existenz eines Lebens nach dem Tode direkt inbegriffen – was einem definitiv einen Großteil der definitiv natürlich latent vorhandenen, bzw. dann real aufkommenden Angst nimmt. Einer Angst die unter anderem daraus resultiert, die eigene Existenz als vergänglich und somit in einer endgültigen Art als belanglos akzeptieren zu müssen. Das will eigentlich niemand. Auch das ist verständlich.

 

Areligiöse Menschen, wie gelagert ihr Unglaube oder die Unfähigkeit an eine Art Digestif des Lebens zu glauben auch immer sein mag, haben da grundsätzlich ein größeres Problem zu bewältigen. Man stirbt und dann ist man tot. Punkt, Ende, aus. Und eigentlich, wenn man es mal ganz genau nimmt, nur in diesen Fällen stellt sich eigentlich die Frage, bin ich alleine, fühle ich mich alleine, will ich vielleicht sogar alleine sein, wenn ich sterbe? Letztere Frage klammert sich für religiöse Menschen im Allgemeinen übrigens auch von vorneherein aus. Selbst wenn ich hier allein sein wollte, könnte ich es beispielsweise als Christ nicht. Es sei den natürlich, ich beginge Selbstmord, doch sogar in diesem Fall erwarten mich ungewollte Schwierigkeiten. Da kämen dann ganz andere, die mir zur Seite stünden. Bleiben wir also der Einfachheit halber beim natürlichen Tod.

 

Die Angst vor dem einsamen Sterben wohnt uns wahrscheinlich zum größten Teil allen inne. Das scheint menschlich zu sein. Und auch begründet. Denn wievielen Menschen ist es schon vergönnt (so sie es denn wollen) im Kreise von geliebten oder zumindest gewohnten Menschen den letzten Atemzug zu tun. Früher war diese zumindest definitiv häufiger der Fall, als heutzutage. Gesellschaftliche Veränderungen seien hier einmal schlicht akzeptiert, denn angeprangert. Doch nehmen wir hier nun einmal den vermeintlichen Idealfall, des Versterbens in einer Runde vertrauter Menschen an, so wird uns auch diese Tatsache mitunter nicht das Gefühl nehmen, am Ende doch ganz alleine zu sein. Die Gewissheit des Endes an sich ist es, die uns derartig abschweifen lässt von der eigentlichen Tatsache. Und die lautet meines Erachtens nach, absolut keine Allgemeingültigkeit beanspruchend, wie folgt:

 

Wer immer ein erwachsenes, soll heißen längeres, Leben gelebt hat, sei es aus seiner Sicht gut oder schlecht gewesen, hat auf seinem Weg immer mit Menschen zu tun gehabt. Und diese Menschen waren einem gewogen, gleichgültig gegenüber gestimmt oder auch feindlich gesonnen. Es hat darunter aber immer, bei jedem oder jeder den Einen oder die Eine gegeben, ob man ihn oder sie erkannt hat oder auch nicht, der oder die einem ins Herz gesehen hat, der oder die einen geliebt hat, der oder die einem Mitgefühl entgegengebracht hat, der oder die einen aus einer misslichen Lage befreit oder schlicht geholfen hat. Und hat man genau das einmal erkannt, gespürt, erlebt, genossen, ist es unmöglich, dieses Gefühl – besser noch – diese wahrhaft geschichtliche Tatsache jemals wieder zu verdrängen oder ungeschehen zu machen. Selbst wenn krankheitsbedingte Besonderheiten dazu führen, dass wir uns dessen unglücksseligerweise nicht mehr zu erinnern vermögen, sollte es uns ein Trost sein. Und das bereits zu den Zeiten, da wir es wahrnehmen, genießen und uns dessen gewiss sind. Wir werden niemals einsam sterben können, weil es irgendwo auf dieser Welt einen Menschen gab oder gibt, der sich an uns erinnert hat oder erinnern wird.

 

Genauso verhält es sich umgekehrt. Es ist unmöglich im Definitionssinn belanglos oder gar sinnlos zu sterben, solange man sich an einen Menschen erinnert, sich ihm nahe fühlt. Und sei es auch nur ein Gedanke, ein Gefühl, ein Moment. Wir sind das Gedächtnis der Welt. Menschen existieren, weil wir sie wahrnehmen, weil wir an sie denken. In meiner ganz persönlichen Anschauung funktioniert dies übrigens auch mit Tieren. Ich weiß, dass ich auch damit wieder Zustimmungen verliere, aber das macht es ja nicht unwahrer. Gewöhnen wir uns doch einfach daran. Sterben ist für viele eine einsame Sache, für andere aber eben nicht. Sterben ist in jedem Fall eine sehr persönliche Sache. Für mein Dafürhalten exakt die letzte und vor allen privateste Sache überhaupt. Wenn es perfekt wäre, sollte jeder den Moment seines Sterben selbst gestalten, für sich erlebbar machen und vor allem bestimmen können. An dieser Stelle sei – nur nebenbei erwähnt – ein klares Ja zur selbstbestimmten Sterbehilfe und seinen Geschwistern von meiner Seite abgegeben.

 

Der Grund warum ich mir nun all diese Gedanken mache, so sie denn nicht schon lange in mir gären oder das ohnehin in jedem tun, und nur darauf warten, an die Oberfläche vorgelassen zu werden, sich den Weg an die Oberfläche des Bewusstseins verschaffen, liegt definitiv in meiner Natur begründet, aber speziell ausgelöst vom kürzlichen Tod meines geliebten Vaters begründet. Er verstarb zwar nach langer Krankheit, doch über alle Maßen unerwartet und so gesehen für alle Betroffenen, so auch mich plötzlich. Hätte man es gewusst, wäre die Nacht gänzlich anders verlaufen, als so. Hätte man, hätte ich es gewusst, wäre ich da gewesen. Natürlich. Wusste ich aber nicht. Also: War ich es auch nicht. Da. So blieb mir nur der knappe posthume Abschied – immerhin der blieb mir und ich habe ihn auch gebraucht.

 

Man kann nun also sagen, dass er in der Nacht in dem er – so schließe ich aus dem Geschehenen – das Ende seiner Kraft erreicht hatte, aber letztlich sogar selbst bestimmt beschloss zu gehen, alleine war – physisch. Die Details lasse ich aus und vertiefe meine Gedanken, die mit Sicherheit auch ihren Teil dazu beitragen, es für die Hinterbliebenen, mich eingeschlossen, erträglicher zu machen. Doch – und nun komme ich zum Kern meiner Überlegungen – wie kann ein Mensch, der sich der Erinnerung unzähliger – und es wäre egal, sei es auch nur ein einziger – gewiss sein konnte; der sich Zeit seines Lebens als fürsorgender, liebender und vorausschauender – und es wäre sogar egal, wäre es anders gewesen – Vater und Ehemann erwiesen hat; der das Prinzip Leben und Leben lassen – und es wäre sogar egal, wäre er restriktiver gewesen – aktiv gelebt hat; der mich gelehrt hat, dass man jeden respektieren muss und niemanden gegen seine Willen beugen darf; wie kann so jemand jemals – und sei es am Ende seines Lebens, sei es gerade in der Stunde seines Todes – alleine sein? Ich könnte beinahe noch weiter gehen und sagen, wie kann so jemand nicht weiterleben in denjenigen, die ihn kannten, ehrten, schätzten, liebten? Warum sollte er Angst vor dem nahenden Tod empfinden? Und doch bin ich sicher dass er sie empfand. Und hätte ich alles geahnt, hätte ich neben ihm gesessen und alles gegeben um sie ihm zu nehmen. Denn er hätte sie nicht nötig gehabt. Er hätte stolz sein können, denn er war definitiv nicht allein. Ich war bei ihm – und das schon zu Lebzeiten. Ewigkeiten. Wahrheiten.

 

Ich kann hiermit bezeugen, mein Vater war – was mich ganz persönlich anging – ob er wollte oder nicht (wobei ich weiß, dass er es nicht wollte und auch doch) nicht alleine in der Stunde seines Todes. Was nun so klingt wie das Nichterfüllens eines Lebenswillens, ist das genaue Gegenteil. Mein Vater war – für mich zum Glück – kein gottesfürchtiger Mann. Und ich – unter anderem ich, und viele andere – ich war bei ihm.

 

Kein Mensch geht einsam von dieser Welt. Behaltet das im Hinterkopf wenn Ihr mögt. Zumindest bevor Ihr daran verzagt, einsam zu sterben. Und wenn Euch noch Zweifel kommen, sucht denjenigen, der Euch etwas bedeutet und zeigt es ihm oder ihr.

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Mo

16

Mai

2011

Das Interview mit dem Baumeister - Teil I

 

 

Dogma
Schön, dass es nun doch noch geklappt hat, Herr ... ähm, wie darf ich Sie anreden?
Er
Ach, ich bin da wenig dogmatisch. Nennen Sie mich doch einfach Baumeister, das ist dann auch  
schon der Hauptteil meiner Arbeit.
Dogma
Ich dachte, Sie würden vielmehr den philosophischen Überbau Ihrer Projekte betreuen? Schließlich
trägt das Ganze ja später auch Ihre unverkennbare Handschrift.
Er
Wissen Sie, ich will Ihnen ein Geheimnis verraten. Dieser ganze ... wie sagten Sie gerade? Philosophische Überbau? (lacht) Dieser ganze Philosophiekram, so wichtig er später auch erscheinen mag, entsteht eigentlich stets aus der jeweiligen, zumeist schon ganz schön fortgeschrittenen Sache heraus. Wenn Sie verstehen, was ich meine.
Dogma
Um ehrlich zu sein, eigentlich nicht so ganz. Könnten Sie das vielleicht etwas genauer ...
Er
Aber gerne, mein Lieber. Sehen Sie mal. Im konkreten Fall geht es Ihnen ja wohl vornehmlich qua Ihrer Herkunft um die Erde nehme ich an. Was glauben Sie, wie viel Zeit in der Planungsphase und der Bauvorbereitung auf die eigentliche Philosophie ... sagen Sie, nennen Sie die nicht inzwischen vorwiegend Religion?
Dogma
... naja, das kommt ganz drauf an ...
Er
Wie dem auch sei. Was glauben Sie, wie viel Zeit wir in diesem speziellen Fall auf diesen ganzen Geisteskram verwandt haben, junger Mann?
Dogma
Nun ja, wenn Sie mich bereits so subjektiv fragen, vielleicht 30 Prozent?
Er
(lacht auf) 30 Prozent? 30 Prozent ist gut, ha! Dafür haben wir doch gar keine Zeit. Wenn so ein
durchaus als komplex zu bezeichnender Auftrag erst einmal eingegangen ist, dann sind sie froh, wenn Sie den Liefertermin auch nur annähernd einhalten können. Nein, nein. Bislang kamen da immer so in etwa 0,1 bis 0,3 Prozent bei rum (lacht wieder). Und bevor Sie nun empört aufbegehren, das reicht auch sage ich Ihnen. Mit mehr Philosophie wären die meisten Gesellschaften Ihrer Entwicklungsstufe absolut überfordert. Und die Erde, mein Lieber, wurde gerade mal mit dem Minimum ausgestattet.
Dogma
Waren Sie sich eigentlich von Anfang an bewusst, dass Sie einen Fehler gemacht hatten?
Er
Wie bitte meinen Sie das denn jetzt? Einen Fehler. Ich bin mir nicht bewusst, einen Fehler gemacht zu haben.
Dogma
Nun Sie müssen doch eingestehen, dass sich die Bewohner Ihres Projektes von Anfang an darin auszeichneten, ihre Spezies gegenseitig zu zerstören.
Er
Ja sicher. Und? Wo ist da der Fehler. Junger Mann, glauben Sie etwa, das wäre nicht von vorneherein so beabsichtigt, ja so bestellt worden?
Dogma
Bestellt?
Er
Natürlich. Glauben Sie etwa, wir hätten damals das Kapital gehabt, ein derartig gewaltiges Projekt auf eigene Faust zu schultern? Vielleicht sogar auf eigene Rechnung, was? Ein Prestigeobjekt gaben die Pläne von Anfang an nicht her und nur um mal wieder etwas in der Milchstraße zu bauen, na dazu ist die Gegend einfach zu öde. Da hätte ich mir weitaus schöner gelegene Bauplätze vorstellen können.
Dogma
Sie wollen mir allen Ernstes verkaufen, dass Sie nicht die treibende Kraft gewesen sind, um dieses Projekt voran zu treiben?
Er
Sie sagen es. Ich war zwar als leitender Bauleiter und gewissermaßen kreativer Kopf stärker als andere involviert, diese Lorbeeren lasse ich mir gerne von Ihnen aufs Haupt legen, aber es wäre vermessen zu behaupten, es wäre meine Idee gewesen. Mal im Ernst, junger Freund. Warum sollte ich mir diese ganze Arbeit ans Bein binden, wenn ich zu dieser Zeit auch gut hätte meinen wohlverdienten Urlaub nehmen können. Wir hatten gerade erst ein paar neue Prototypen von schwarzen Löchern entwickelt und herausgefunden wie wir Antimaterie als adäquaten Ersatz für den bei Euch als giftig geltenden Baustoff Amalgam einsetzen konnten ...
Dogma
Amalgam, Sie meinen ...
Er
Ja, ich weiß die Menschen haben das Zeug auch mal irgendwann in die Finger bekommen, seine Bedeutung jedoch nicht verstanden. Natürlich nicht verstanden möchte ich hinzufügen. Aber wo war ich stehen geblieben? Warum also, sollte ich mich nur so aus Spaß an der Freude daran machen und ein wenig Dreck und Magma zu einer relativ unspektakulären Kugel zu formen?
Dogma
Sprachen Sie nicht gerade noch von einem gewaltigen Objekt?
Er
Gewaltig in Bezug auf den Aufwand noch einmal alles mit damals bereits komplett veralteter Technik zu konstruieren. Ich muss gestehen, dass ich immer ein Verfechter der traditionellen Planetenbauweise war, ein Romantiker wenn Sie so wollen. Ich habe für diese Haltung damals auch reichlich Spott von den Jüngeren einstecken müssen. Vielleicht bin ich gerade deshalb aus reinem Trotz mit einer gewissen Detailverliebtheit an die Arbeit gegangen.
Dogma
Herr Baumeister, lassen Sie uns noch einmal auf den eigentlichen Auftraggeber zurückkommen.
Er
Zurückkommen? Ich kann mich nicht daran erinnern mit Ihnen über ihn gesprochen zu haben und ich bin auch absolut nicht dazu bereit mit alten Gepflogenheiten zu brechen. Es gibt in unserer Branche das ungeschriebene Gesetz, die Initiatoren und Finanziers nur dann öffentlich zu machen, wenn diese es ausdrücklich wünschen. Wie ich schon sagte, ich gehöre zur alten Garde und achte die wenigen Traditionen, die uns geblieben sind.
Dogma
Ich respektiere Ihre Traditionen natürlich. Nichts desto Trotz kann ich nicht umhin, mit Ihnen über Religion zu sprechen.
Er
(klatscht in die Hände) Oh fein. Darüber können wir natürlich selbstredend sprechen, Religionen erfinden ist mein Steckenpferd.
Dogma
(verwirrt) Aber steht denn das nicht im Widerspruch mit Ihren Traditionen?
Er
Ah, ich glaube, so langsam komme ich dahinter was Sie meinen. Sie gehören zu jenen, die noch immer denken, dass Religion unmittelbar etwas mit der Erbauung der Erde zu tun hätte und nur hier stattfinden würde.
Dogma
Hat sie nicht?
Er
Hat sie nicht!
Dogma
Aber …
Er
Hören Sie, mein Lieber, es gibt weit weniger zwischen Himmel und Erde, als Sie ahnen.
Dogma
Sie meine, es gibt mehr als ...
Er
Nein, es gibt weitaus weniger. Mal abgesehen von Ihren noch immer erstaunlich primitiven, physischen Fortbewegungsmitteln. Sie wollen darauf hinaus, dass es jemanden wie Gott gibt, der die Fäden in der Hand hält und das Geschick der Menschen lenkt, nicht wahr.(grinst breit)
Dogma
Nun nicht unbedingt Gott, aber doch vielleicht etwas Adäquates? Viele Menschen sind sich heute sicher, dass es diesen einen Gott nicht gibt.
Er
Aber ja doch, natürlich gibt es Gott. Er saß auch lange Zeit mit im Bauausschuss. Und ich gestehe, dass er mich doch ziemlich fasziniert hat. Er hatte ein paar interessante Ansätze  für den Bau einer sich selbst reglementierenden Gesellschaftsform. Ich will auch nicht verhehlen, dass ich mir den ein oder anderen Gedanken bei Gott ... ähm geliehen habe. Leider hatte seine Idee den unangenehmen Nachteil, das unbedingte Führerprinzip, welches  bereits auf ein paar Planeten ins absolute Chaos führte und ja auch bei Ihnen einigen Schaden anrichtete so weit ich weiß, zu verfolgen. Nichts gegen das Chaos an sich, verstehen Sie mich nicht falsch. Chaos kann etwas sehr Schönes und Ansehnliches sein, aber Chaos braucht Freiheit, keine Regeln.
Dogma
Ein Augenblick bitte, Sie wollen mir jetzt ernsthaft weismachen, dass Gott existiert, aber im Grunde ein flüchtiger Bekannter von Ihnen aus dem Bauausschuss ist?
Er
Exakt das.
Dogma
Ihnen ist schon klar, dass das was Sie da behaupten ...
Er
Behauptungen sind unbestätigte Gerüchte. Ich weiß.
Dogma
Nun gut, Ihnen ist also schon klar dass .....
>>> Ja, was denn nur? Teil II des Interviews wird Klarheit bringen.
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Do

05

Mai

2011

Was meine Branche aus (MenschenMacht)

Überlegungsverkettungen
Was es wohl bedeutet, eine ganze Gruppe von Zielen ins Visir zu nehmen, dann aber doch wieder nur Zahlen vor Augen zu haben, die sich belanglos ergänzen?
Wie es sich wohl anfühlt, so viel Zielwasser zu trinken, daß man am Ende vor lauter Aktionstrunkenheit gar nichts mehr kantenscharf erkennen kann?
Warum es wohl so viele tun, aber niemand weiß warum?
Haben Sie das schon mal gemacht? Einfach mal auf eine Frage geantwortet, die noch gar nicht gestellt wurde? Einer alten Dame über die Straße geholfen, die viel lieber stehen geblieben wäre? Sich verteidigt, noch bevor Sie angegriffen wurden? Das Trainingscamp nach dem Wettkampf besucht? Erst gespült und dann gekocht? Zuerst abgezogen …?
Eben.
Neulich in der Sauna ist es wieder passiert. Frauen und Männer werden ihresgleichen zugeordnet und sind unter sich. Denkt man. Alle Männer lesen Bild. Alle Frauen essen Gemüse. Alle Männer schauen Fußball. Alle Frauen wollen Pitt oder Clooney. Alle Frauen sind schön und alle Männer stark. Männer trinken Bier, Frauen nur Wasser. Alle. Denkt man. Und dann sieht man sie. Die Handtuchmuster und die Fußnägel. Die Flip-Flops und die Latschen. Die Kleinen, die Nichtsokleinen und die Großen. Man spürt die Blicke und schickt selber welche durch den Nebel. Man tauscht Floskeln aus, erfährt vom Wetter und weiß in Sekundenschnelle etwas über den anderen. Und man merkt, es gibt nicht nur den kleinen Unterschied.
Mein Nachbar Horst wäre beinahe verendet, als er seinen Wagen gegen eine Laterne setzte, weil er seine Augen nicht von dem Plakat mit den 4 Sloggy-Mädels abwenden konnte, die ihm ihre wohlproportionierten Rückansichten in sein Bewusstsein drängten. Horst ist 67 Jahre alt und hat seine Marlies vor 43 Jahren geheiratet. In 43 Jahren ist so einiges passiert.
Alle Horsts dieser Welt kennen die Bilder dieser Kampagne. Aber kein Horst würde seiner Marlies einen Sloggy String-Tanga kaufen.  
 
Man schaut den Menschen immer nur vor den Kopf, hat meine Oma immer gesagt. Recht hatte sie. Bis zum September 1998. Seitdem tippen die 1,8 Milliarden Internetuser und ich unter dem Scheinschutzschild der Anonymität ihre intimsten Wünsche in ein kleines Suchfeld. Hier versteht man uns und führt uns in Sekundenbruchteilschnelle unserer Begehrlichkeit zu. Der totale Service. Und das, obwohl wir uns nicht einmal verstellen müssen. Es stört niemanden, dass wir heute noch nicht geduscht haben und keiner fragt uns, warum wir noch einen Partner suchen, obwohl wir ja schon mit 20 in Kontakt stehen. Und das alles ohne Hose. Wir sind so mutig wie sonst nirgendwo, wenn wir unseren Unmut in die Welt entlassen. Über Politiker die lügen. Über Wäsche die gar nicht weißer wird, als die im letzten Jahr. Über den Vertreter den wie eben noch so nett mit Kaffee und Kuchen bewirtet haben. Und das Beste daran ist: Alle können sehen wie konsequent wir sind. Wir tragen unsere Meinung gefahrlos von On- zu Offline. Und wenn wir Glück haben, bekommen wir sogar ein Geschenk von denen, die wir kritisieren, damit sie nicht so schlecht wegkommen.
Heute wüsste auch meine Oma, dass man den Menschen immer in Kopf, Herz und Hose schaut. 
Ich bin der Auserwählte. Kein Scherz. Es geht um mich. Weil mich keiner mehr anmacht. Sonst wär ick ja nich` ick. Ich bin der, der angesprochen wird. Das merke ich deutlich, weil man es mir sagt. Und am Ende bleibt dann ein Versprechen. Leck mich! Und wenn das verhallt ist? Was bleibt mir, wenn die Worthülsen gesprengt und die Wahrheit freigelegt ist? Wo bleibt der Mehrwert? Warum sollte ich das gleiche Versprechen noch einmal kaufen? Wo ist die Welt, die sich mir eröffnet und mein Leben bereichert, die mich tiefergehend befriedigt, als das Heilsversprechen für die Masse?   
Ich habe es nie so ganz nachvollziehen können warum man das macht. Was bringt es diesen Leuten und was treibt sie an? Ich meine, sie werden ja meistens nach spätestens 20 bis 30 Sekunden geschnappt und dann sehr unsanft abgeführt. Und das vor all den Leuten. Aber irgendwie wollen sie ja genau das. Möglicherweise geht es darum, sich selber etwas zu beweisen. Vielleicht aber auch nur um Aufmerksamkeit. Warhol dachte noch es wären 15 Minuten. 15 Sekunden scheinen völlig auszureichen. Aber kann man das wissen, wenn man er nicht erlebt hat? Vielleicht muss hier jeder seine eigenen Erfahrungen machen.
Ich glaube, ich versuche es auch einmal als Flitzer.
Manchmal muss es eben Mumm sein. Das Ziel sollte sein, ausgelacht zu werden. Nie sind es die Ängstlichen, die Kleingeister oder Bürokraten, die eine vorgefertigte Agenda abfrühstücken, wenn es darum geht, etwas Neues zu entdecken oder zu entwickeln. Oft steckt nicht einmal eine formulierte Absicht dahinter. Ohne Mumm und Verve und Glück und Zufall gäbe es nichts von dem, was wir täglich benutzen.
Es gibt viele gute Gründe etwas besitzen zu wollen. Oder profane. Oder gefühlte. Für die einen ist es Bequemlichkeit. Die anderen suchen Sicherheit. Bei vielen steht ein Status-Upgrade im Vordergrund. Sinnsucher versuchen ihrem Streben etwas näher zu kommen oder direkt einen komplett neuen Sinn in den Fokus ihrer Begierde zu stellen. Das Neue überhaupt. Die meisten brauchen gar nichts, schon gar nicht das was sie wollen. Was sie aber wollen ist, das Wollen an sich. Sie wollen einfach etwas Neues erbeuten, jagen, sammeln können. Jäger und Sammler machen eine weitere, große verspielte aber ernsthafte Gruppe aus. Alle wollen etwas haben.

Man muss es ihnen nur sagen.

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Di

05

Apr

2011

Besessen - es gibt da diese Band

Besessen – es gibt da diese Band
Besessen – das klingt so unendlich vergangen.
Ich bin allerdings freiwillig besessen, so es denn geht. Und das dergestalt, dass ich es war, bin und immer sein werde. Je älter ich werde, je mehr Dinge ich er- und überlebe, desto klarer wird mir eine Tatsache: es gibt da draußen eine Hand voll Menschen, die mein Leben seit über 20 Jahren geprägt haben. Ich muss mir sogar gegen ein geschichtsträchtigeres und allgemein angenommenes Idealbild eingestehen, dass es nicht die vier berühmten Freunde sind, die man landläufig in einer Band als die allesmittragenden Konterfeis der eigenen Biografie erwartet. Die Typen, die in allen Lebenslagen durch Dick und Dünn gehen. Nein, ein Teil davon darf ruhig dabei sein und ich weiß, dass der Doc es ist, der sich erkennt. Ich weiß aber ebenso, dass diese vier Typen inzwischen mindestens 9 oder 10 oder 11 an der Zahl geworden sind, dass nichts ewig hält und dass es darauf nicht einmal ankommt.
Es ist der Moment, der zählt. Und es ist der Moment, der ewig zählen wird, den man behält, zitiert, vor Augen hat und immer und immer wieder erlebt – und der die Voraussetzung, die Referenz ist für alles neu Zuerlebende. Ich bin beileibe nicht mehr 23, aber das Erlebte kann mir niemand mehr nehmen und ich bin mir meiner Gefühle für die Mittäterschaft dieser Menschen sicher, ansonsten könnte ich das alles nicht wirklich vollziehen. Es gibt diese vergangenen Sekunden, die mein Leben in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt haben. Und diese winzigen Momente sind unauslöschbar verwoben mit meinem Sein und meinem Tun. Und – ja – so nichtig es nach außen hin auch erscheinen mag, ob ihrer vermeidlichen Nichtkommerzialität oder ihrer scheinbaren Erfolglosigkeit, es sind diese musischen, magischen, vertrackten und überaus versunkenen, unbeschreiblich intimen Momente, die mein Dasein bestimmt haben, wie kaum etwas anderes.
Es ist periodisch gesehen eine Achterbahn auf dem Weg von überbordender Euphorie zu heilloser Panik, von beiläufiger Duldung zu daseinsbedingender Pflichterfüllung. Der unbedingte Konsens aus Tradition und Lust.
Ich rede von einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl, welches es in der Tat sehr selten gibt und welches auch stets und immer und durch alles gefährdet ist. Eine Zweckgemeinschaft voller Anführer und Ideengeber, voller selbst denkender Menschen. Es gibt hier keine Sicherheit, weil das Individuum regiert. Und derer gibt es hier fünf. Dennoch versuchen alle – bis zu einem bestimmten Punkt – das eine, übergeordnete Ziel zu erreichen; raufen sich alle immer und immer wieder zusammen, um diese eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Ich spreche hier voller Stolz davon, schlichtes Glück gehabt zu haben, dass ich das, was ich so unfassbar gerne tue, noch immer tun kann, dass ich ein Teil dieses von mir so verehrten Großen und Ganzen sein darf, dass ich einer von denen bin, die das Geschick der Band voran zu treiben vermögen. Vielleicht ist sogar der – nun wirklich nicht selbst gewählte – Verzicht auf das Erreichen des kollektiven Ziels, der Garant für das Fortbestehen einer Gemeinschaft, die es so nicht geben müsste. Es ist so unfassbar schnell vorbei, wenn man seine Träume erst einmal verwirklicht hat. Vielleicht bin ich mir sogar jetzt gerade der Tatsache bewusst, dass ich das große Ziel niemals erreichen möchte, niemals erreichen wollte – oder sogar konnte – dass ich es genauso will, wie es ist, dass ich frei sein will, in diesem einen Moment der Selbstbestimmung, dass ich jeden einzelnen Tag genieße, diese Jungs zu sehen, diese Songs zu spielen, diese Intensität zu spüren.
Vielleicht habe ich einfach nur eine gute Phase und bin dankbar für alles was passiert ist – vielleicht bin ich aber auch einen Schritt weiter und sehe uns gerade als die kreative Einheit, die ich immer wollte.
Besessen – das klingt so unendlich vergangen. Tut es das?
Für mich nicht mehr.
Ich wünschen allen kreativen Menschen auf der Welt, dass sie es schaffen, dass sie es durchhalten, dass sie es einfach gegen alle Vorbehalte durchhalten. Ich bin sicher, dass Ihr eines Tages zufrieden sein werdet.
Ich selber bin es – es gibt da diese Band ... 
-  - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 
Geschrieben für PORTER, angedenkt der unglaublichen LUZIFER SAM und der 
existenzstiftenden FRIDAY IS SCRAPPED. Ohne Euch wäre ich nicht ich. 
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Di

05

Apr

2011

Traurig

"Ich bin eine Lichtgestalt!",
rief das Würmchen und verglühte in der Abendsonne.
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Di

15

Mär

2011

Die kleine Katastrophenlyrik

Die Schere im Kopf
Im Rücken das Beil
Und beißen möcht` man ins Hinterteil
Der falsche Fuß
Dann die Angst im Genick
Vom Knie bis Gehirn wird alles gefickt
Das Auge gedrückt
Die Daumen gleich mit
Die Haare zu Berge, gleich wer`n sie geknickt
Dann drückt noch der Schuh
Der Bart ist jetzt ab
Und Magen und Darm halten auf Trab
Es liegt auf der Zunge
Der Blick bringt Dich um
Und treten kann man uns hintenrum
Die Nase zu hoch
Die Hose voll
Man weiß gar nicht mehr was man machen soll
Den Blick zu Boden
Die Schultern hängen
Der Brustkorb droht das Herz zu sprengen

Die Nase nun blutend
Die Lippen wund
Die Sache läuft g`rade nicht eben rund
Die Knie zu weich 
Und die Ohren taub
So gehen wir hin, von Asche zu Staub
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Di

08

Mär

2011

Mein Trauerfall - oder wie Humor sogar den Tod besiegt

Es gelingt mir nur sehr selten, selbst im schlimmsten aller schlimmen Fälle, meinen eigenen Humor, meine Ironie und den Wunsch nach einer Pointe zu unterdrücken. Wenn ich ehrlich bin gelingt es mir im Grunde genommen gar nicht. In einem spontan impulsiven Moment der Ehrlichkeit, die ich mir auferlegt habe zu leben, gewinnt der Witz die Überhand. Im nächsten Moment schäme ich mich. Dann, vielleicht nur Sekunden nach meinem gefühlten Sündenfall, weiß ich, es war in Ordnung und mache meinen schnellen Frieden mit mir und meinem schalkhaften Ich. In vielen, zumeist den extremen Fällen, ist es sogar der eine pointierende Satz, der die verkrampfte, zutiefst traurige Situation für ein paar Sekunden aufzulockern vermag, ein paar Lächeln auf ein paar zuvor betrübte, verweinte Gesichter zaubert.
Auch wenn es noch nicht lange, gar nicht lange her ist, so weiß ich bereits heute ganz sicher, werde ich niemals in meinem Leben den Moment vergessen, in dem ich mich neben meiner Mutter am Totenbett meines Vaters sitzend wiederfand, der in der gerade vergangenen Nacht, nur ein paar Stunden zuvor gestorben war, und auf Bitten meiner fürsorglichen Mutter versuchte das Brot zu essen, welches sie ihm an diesem Morgen noch im Glauben, er würde nur schlafen, zubereitet hatte. Am Boden zerstört und mit Augen voller Tränen der Liebe und des Verlustes, schauten wir ihn an und mir entfuhr plötzlich: „Jetzt isst sein Sohn ihm sogar noch sein letztes Brot weg.“ Reflexartig schaute ich zu meiner Mutter und befürchtete sie in ihrer Trauer verletzt zu haben. Ich sah jedoch zu meiner Erleichterung in ein Gesicht, welches sich zwar nicht gestatten wollte, zu lächeln, aber einem Impuls folgend die Mundwinkel für einen winzigen, aber ehrlichen und auf eine seltsame Art erleichterten Moment nach oben zog. Vielleicht hat sie es selber nicht einmal wirklich bemerkt, aber ich bin sicher, dass es ihr für einen Moment die Last genommen hat. Und ich bin sicher, dass mein Vater, hätte er davon auch nur irgendetwas mitbekommen können, in diesem Moment gelacht hätte. Und dafür liebe ich ihn.
Ich rede hier nicht von Galgenhumor oder dem zwanghaften Drang eines tumben Geistes zum Witzigsein. Ich rede von einer Art der Ernsthaftigkeit, die sich Ausdruck und Freiraum verschafft, in kleinen Oasen der Ruhe, in einer Art Feuerpause der erdrückenden Bedeutung, nur um gerade diese im Umkehrschluss zu ehren. Ich rede vom Humor der einen oft melancholischen Unterbau erfordert, der sich vielleicht gerade dann Bahn bricht, wenn andere Gedanken schweigen. Es geht hier weder darum, jemanden vorzuführen, noch die Ernsthaftigkeit einer Situation zu untergraben. Es hat nichts mit dem Holzhammer der Gefühllosigkeit zu tun und schon gar nicht wird hier die – ganz zu Unrecht so schlecht angesehene – Zote bedient.
Es geht einfach auch ein wenig darum, sich selbst zu retten. Vor den dunklen Gedanken und den sich selbst nährenden Zweifeln, die einem das Herz mit jeder Drehung in der Abwärtsbewegung um sich selber schwerer werden lassen. Es ist vielleicht der letzte Anker des nicht gläubigen Menschen, bevor einen der Strudel der Endlichkeit der alles erstickenden Gleichgültigkeit anheim fallen lässt. Denn obschon ich mir persönlich absolut sicher bin, dass mit dem physischen Tod alles endet, ist mir der Gedanke ein Trost, dass ich sogar im Angesicht meines größten Schreckens mich selbst und das Angedenken an den so geliebten Menschen, meinen Vater, niemals werde verlieren können.
Vielleicht würde ich auch nicht so denken, wenn mein Vater in dieser Hinsicht, wenngleich weniger offensiv als ich, grundlegend anders denkend gewesen wäre. Aber ich weiß, dass er es selber so gesehen hätte, gesehen hat, wie ich es empfand und immer noch empfinde.
Die Trauer nimmt einem nichts und niemand, kein Witz und kein Trost. Aber die Nähe zu einem Menschen, der das Leben mit Humor genommen hat, wenngleich es nicht immer einfach, sonnendurchflutet und heiter war, wird umso größer, wenn man es zulässt, sich an genau die Momente zu erinnern, in denen man gemeinsam die Sorgen weggelacht hat. Und man möge es mir glauben oder nicht, die Sorgen verlieren einen Teil ihres Schreckens.
Sogar der Tod.
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Do

03

Mär

2011

Wir zetteln einen Krieg an

 

Wir zetteln einen Krieg an.

 

Einen Krieg, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Der jedem Zentimeter des Daseins den Kampf ansagt. Der eine alles hinterfragende Auseinandersetzung auslöst und sich nicht mehr mit faulen Ausreden begnügt. Der ungeachtet persönlicher Ressentiments das gleiche Maß für alles und alle ansetzt.

 

Ausreden gelten nicht mehr. Nur noch als imperativ geduldete Wortverdrehung für Menschen die etwas zu sagen haben. Und ich wünsche mir so sehr, dass es viele sein mögen, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Ziel dieses Kriegs ist weder Zerstörung noch der Untergang einer eventuell unterlegenen Seite. Wir besetzen dieses Wort, diese ganzen Worte und Worthülsen, die uns bislang nur Unheil und Tod, Schmerz und Unterdrückung beschert haben schlicht neu. Allerdings – und das muss hinzugefügt werden – nicht weniger brutal in der Klarheit ihrer Ergebnisse die sie zu provozieren erdacht sind.

 

Wir zetteln einen Krieg an und sind uns bereits in derselben Sekunde einer Tatsache bewusst, die den meisten Kriegsherren als unmögliche Option erscheint. Wir wissen klaren Verstandes, dass wir im unumkehrbaren Moment des Entfesselns unserer Kräfte nicht zwangsläufig die Sieger am Ende des selbst gewählten Prozesses sein müssen. Wir sind uns der Möglichkeit des eigene Scheiterns derart bewusst, dass es uns sogar noch mehr dazu anspornt, das alles endlich zu starten. Wir beginnen es, damit es möglichst schnell endet. Und es endet erst, wenn es eine an Absolutheit gemahnende Kontur der Klarheit gewonnen hat. Und eben das lässt uns im Zweifelsfall in der durchaus beruhigenden Gewissheit scheitern, dass wir auch dann gewonnen haben, wenn alles, an das wir bislang geglaubt zu haben dachten, von der Wahrheit über den Haufen gefegt wurde.

 

Genau hier erklärt sich der Unterschied zu den Kriegen die wir so sehr hassen, die wir – zu recht – fürchten und um jeden Preis vermeiden wollen. Vielleicht klingt Krieg in diesem Fall sogar zu harsch, zu gewalttätig im herkömmlichen Sinne – denn das was wir hier tun IST gewalttätig in seiner Natur. Vielleicht klingt es zu primitiv, was es im Wortsinne ja auch ist. Vielleicht löst es eine Angst aus, die keinesfalls zu unterschätzen ist. Wir treten nicht gegen einen Gegner an, den wir von vorneherein als Schurken ausgemacht haben, der so unfassbar offensichtlich Unrechtes, ja Böses tut – auch wenn sich die Nennung dieses „Bösen“ an sich, durch die Dummheit eines amerikanischen Ex-Präsidenten religiös überhöht, inzwischen in zivilisierten Kreisen geradezu verbietet – dass wir uns eine Art Welten verbrennenden Satan vorstellen müssen, um diesem Gefühl überhaupt den Hauch einer Körperlichkeit zu geben.

 

Nein, wir zetteln einen Krieg an, dem wir – auch wenn wir mit wehenden Fahnen untergehen sollten – nur als Gewinner entkommen können. Dieses verschlissene wie beschissene Wort vom „Scheitern als Chance“ gewinnt plötzlich eine neue, vielleicht eine erste Qualität überhaupt. Natürlich wird es schmerzlich, natürlich tut es weh, natürlich werden wir uns schämen und fragen, ob das wirklich wir sind, die das alles getan haben, insbesondere vor dem Krieg. Es wird – was die gefühlten und realen Rahmenbedingungen angeht – ganz so sein wie in einem herkömmlichen, todbringenden, Krieg. Nur eben ohne Tod.

 

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Wir brechen diesen Krieg nicht leichtfertig vom Zaun oder setzen niedere Ziele in den Fokus unseres Interesses. Dieser Krieg ist unausweichlich, wollen wir Gerechtigkeit schaffen. Wir wollen daran wachsen, lernen, zusammen finden. Das Ziel dieses Krieges darf und wird niemals das des bloßen Bereicherns einer Seite sein. Kriege die dies intendieren lösen über kurz oder lang neue Kriege, immer verhehrendere Kriege aus. Ganze Bürgerkriege beruhen auf der schlichten wie offenbaren Tatsache der Kränkung einer der sich kombattierenden Parteien. Ein unausgeräumtes Detail, eine ungeklärte Erniedrigung kann das Feuer eines jahrelangen Konflikts mit immer frischem Brennholz versorgen.

 

In unserem speziellen Fall ist dies sogar – eine relativ gesunde Psyche vorausgesetzt – beinahe unmöglich. Ja, es müssen sich hier nicht einmal zwei sich bis auf`s Blut duellierende Seiten gegenüber stehen. Es genügt absolut, wenn sich die Krieg auslösende Seite der behütenden Verantwortung gegenüber der anderen Meinung gewahr ist, sowie der durchaus verstörenden Tatsache, dass sie selber ebenfalls vor Gericht steht. Vor einem absolut neutralen Gericht wohlgemerkt. Denn genau das ist der Punkt. Dieser Krieg soll keine Herrschaftsansprüche durchsetzen, keine territorialen Fehden einseitig determiniert klären, keine kruden Theorien per Macht demonstrierender Gewalt quasi objektiv entscheiden. Dieser Krieg ist ergebnisoffen. Er ist kurz, schonungslos, mit aller Härte ehrlich und letztendlich dient er der Art von Aufklärung, die sich seit ihrer Entdeckung, Einführung, Envoguemachung auf dem abermals unumkehrbaren Rückzug befindet. Er ist der Verfechter eines Gedanken, der Jahrhunderte alt, dennoch aktuell und in jeder Beziehung frei ist. Einem Geist, der sich der Neutralität verpflichtet fühlt.

 

Einer Neutralität jedoch – und das ist unsagbar wichtig, ja kriegsentscheidend – nur gegenüber Ideen, nicht im vorteilsbedachten Hinblick auf daraus erwachsende Ideologien und deren subjektiver Interpretation. Wir brauchen Ideen, wir benötigen derer so viel. Aber wir haben keinerlei Bedarf mehr an Menschen, die sich dieser Ideen bedienen, um persönlichen Nutzen daraus zu ziehen. Hier sei der gesellschaftliche, gewissen Schichten Vorteil verschaffende Nutzen im Namen einer an sich schuldlosen Idee mitinbegriffen. An Beispielen mangelt es nun wahrlich nicht in der jüngeren wie mittelfristigen Geschichte der Menschheit.

 

Dieser eine Krieg von dem ich hier spreche, geht niemandem zu Lasten außer dem wohlwollenden Kriegstreiber selber, der die Bedeutung dieses Wortes im Idealfall ad absurdum führt. Dieser eine Krieg ist ein Krieg gegen sich selber und wenn man es niemals erlebt hat, glaubt man nicht ansatzweise, wie brutal, wie bedingungslos, wie existentiell man einen Krieg gegen sich selber führen, gewinnen und verlieren kann. Es geht nicht darum, am Ende den strahlenden Helden, das vordefinierte Ziel, die angestrebte Lösung zu präsentieren. Es geht darum, sich zu lösen von allem Unangenehmen, allem Nachgemachten, allem im Geiste des Gefallenwollens Gesagtem. Es geht darum das Plagiat abzuschütteln, der Gesellschaft endlich den Dienst zu erweisen die sie verdient, oder eben auch nicht.

 

Es geht einzig und allein darum, man selbst zu sein. Authentisch, ehrlich, aufrecht.

 

Es geht schlicht um Ehrlichkeit.

 

* „Und darum zetteln wir einen Krieg an. Und nehmen gerne in Kauf, dass wir damit scheitern. Und alles andere auch. Wir verlieren Boden. Doch sind wir weiter wach. Wir sind stärker als die Nacht.“

 

 

*Beeinflusst von Herrenmagazin auf dem 2010er Album „Das Wird Alles Einmal Dir Gehören“

Danke Herrenmagazin

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Do

03

Mär

2011

Ich bin der Auserwählte!

 

Kein Scherz. habe ich gerade gelesen. Schwarz auf Weiß. Es geht um mich. Nur um mich. Weil mich keiner mehr anmacht. Sonst wär ick ja nich` ick. Ich bin der, der angesprochen wird. Das merke ich deutlich, weil man es mir ja sagt. Und am Ende bleibt dann ein Versprechen. Leck mich! Und wenn das verhallt ist? Was bleibt mir, wenn die Worthülse gesprengt und die Wahrheit freigelegt ist? Wo bleibt der Mehrwert? Warum sollte ich das gleiche Versprechen noch einmal kaufen? Wo ist die Welt, die sich mir eröffnet und mein Leben bereichert, die mich tiefergehend befriedigt, als das Heilsversprechen für die Masse?   

 

WO?

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Mi

02

Mär

2011

Bodenmais - Reime

Kennt Ihr Bodenmais?
Wart Ihr schon mal dort?

Nun ja - ich schon.

Und hier ist mein Eindruck in Versform:


1.
Wenn Fallschirms Leine oben reißt,
landet man am Boden meist.
2.
Wem dann auch noch der Hoden reißt,
ist schnell vergreist in Bodenmais.
3.
Wer schon gern Jehova preist,
fährt betend gern nach Bodenmais.
4.
Wer andern in den Hoden beißt,
hat ein Lokal in Bodenmais.
5.
Zur Sommerszeit der Loden reist,
ins Bayernzelt nach Boden meist.
6.
Der Preis des Jodelns hoch ist meist,
nach Bodenmais der Jodler reist.
7.
Wer nächtens Bohnen roh aufspeist,
der scheißt aufs schöne Bodenmais.
8.
Im Sommer gibt`s erst Bohneneis,
dann Scheißerei in Bodenmais.
9.
Wer andern in den Weier scheißt,
kommt ganz bestimmt aus Bodenmais.
10.
Was ganz bestimmt der Geier weiß,
Der Tag ist lang in Bodenmais.
11.
Im Sommer ist der Boden heiß,
drum heißt`s be cool in Bodenmais.
12.
Wo gerne mal der Geier kreist,
ist manches faul in Bodenmais.
13.
Beim Zocken wirst Du nur bescheißt,
im Ca-si-no von Bodenmais.
14.
Wo selbst Erwachsene toben meist,
ist Schützenfest in Bodenmais.
15.
In Japan auf dem Tisch steht Reis,
in Bayern ist es Bodenmais.
16.
Bevor Du hier Dein Rad verleihst,
Hau lieber ab aus Bodenmais.
17.
Sitzt Deine Lederhose feist,
hast gut gespeist in Bodenmais.
18.
Bevor es Dich zu Boden schmeißt,
bestell ein Eis in Bodenmais.
19.
Stehst wartend Du am Bahnhofsgleis,
nimm gleich den Zug nach Bodenmais.
20.
Der Maurer rührt sich an den Speiß,
und mauert zu ganz Bodenmais.
21.
Im Sommer grün, im Winter weiß,
es ist zu heiß in Bodenmais.
22.
Einst war er lang, heut jeder weiß,
das Kurze, das ist Bodenmais.
23.
Was keiner glaubt, doch jeder weiß,
24.
Fast jeder hier ist schon ein Greis,
so lustig ist`s in Bodenmais.
25.
In Jena heißt der Mann Carl Zeiss,
in Bayern Edmund Bodenmais.
26.
In Strömen fließt der Männerschweiß,
wir jodeln los in Bodenmais.
27.
Mal bin ich laut, mal lieber leis`,
am ruhigsten ist`s in Bodenmais.
28.
Der Schiri zeigt den Platzverweis,
und aus ist`s hier in Bodenmais.
29.
Horst Tappert sucht noch den Beweis,
der Täter kommt aus Bodenmais.
30.
Wer Bohnen isst und danach scheißt,
macht auf den Boden Scheiße meist.
31.
Schmeckt auch der Mais nach Bohnenreis,
dann ist er meist aus Bodenmais.
32.
Zement und Wasser wird zu Speiß,
Dreck und Knödel: Bodenmais.
33.
Wenn Dich der Sturm zu Boden reißt,
wird Herbst es auch in Bodenmais.
34.
Wer sich selbst in die Hosen scheißt,
den wickelt man in Bodenmais.
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Do

24

Feb

2011

Zeit des Erwaches

Angesichts anhaltender Erwachensbekundungen der arabischen Welt, die wohl niemand in dieser rasanten Form erwartet hat – sonst hätte der Westen die spontan so frag- wie unwürdigen dastehenden Diktatoren wohl schon aus Imagegründen und dem nun offenbarten Gesichtsverlust schon eher fallen lassen – muss sich die Europäische Union, mitsamt ihrer Mitgliedsstaaten (von der EU-Außenbeauftragten Ashton sei an dieser Stelle ob der Belanglosigkeit ihres Amtes bewusst keine Rede, schon gar nicht von den verblassenden US von A) die Frage gefallen lassen, wie oft sie noch zu spät kommen möchte in Sachen politischer Glaubwürdigkeit.
Dass sie das Leben noch nicht bestraft hat ist bislang reiner Zufall und der gesellschaftlichen Ferne des lodernden Flächenbrandes geschuldet, immerhin handelt es sich bei den Erwachenden um die ohnehin unverstehbaren Völker des Islams. Wann ist der Zeitpunkt gekommen an dem die westliche Bevölkerung – von den Politikern verspreche ich mir hier wie gewohnt  wenig Weitsicht – erkennt, dass man unmenschliche Regime auch dann verdammen muss, wenn sie noch fest im Sattel sitzen? Dass man Diktatoren nicht pampern darf, auch wenn sie auf einer Ölquelle hocken und teuren Rotwein trinkend gebildeten Anstand heucheln. Dass man andere Menschen auch dann nicht im Stich lassen darf, wenn das eigene Benzin dann teurer wird.
Es ist an der Zeit, unsere Macht über unsere Regierungen – die wir haben – auch auszuüben, damit diese endlich so handeln wie freie Menschen es tun sollten.
Weil sie es wollen – weil sie es können.
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Do

17

Feb

2011

Vom Sahnehäubchen zum Sturzhelm

Die Verleihung der Doktorwürde -

zum einen klingt`s schon nach Konjunktiv, zum anderen muss man alles Geliehene irgendwann zurückgeben.

Muss es denn immer Kaviar sein? Nö. Aber schön ist`s schon. Und so braucht auch ein adeliger Krösus den Doktor-Titel wie die Sahne ihre Haube. Ob er den nun besitzt oder nicht schert letztendlich nur sein Ego und das besitzlose Gesindel, welches, devotes Wahlvolk abgebend, zu ihrer sinnstiftenden Lichtgestalt aufschaut, als lodere in der Bayowarischen Union das C plötzlich heller als die beiden anderen Buchstaben. Als wäre der – womöglich heilige – Geist, dem Phoenix gleich, emporgestiegen und hätte diesen faltenfrei gebügelten Körper mitsamt seines Matthäus-Antlitzes bezogen, wie der Papst den heiligen Stuhl oder der Investment-Banker sein neues Penthouse.
Fakt ist: er hat seinen Doktor gemacht.
Gut, es ist vielleicht enttäuschend, dass er es wie jeder andere auch gemacht hat, mit Kopieren und Abschreiben. Das ist aber eben auch so egal wie die Eingangs erwähnte Sinnlosigkeit dieser Tatsache an sich. Während die nun so gewöhnlich vor den Kopf Gestoßenen, zumeist genetisch determinierten Stammwähler zu Recht den Verrat des Erlösungsversprechens durch das profane Beweinen müssten – würden sie nicht durch die Reststrahlkraft noch immer ausreichend ihrer politischen Sehkraft beraubt – müsste die versammelte Opposition in dem das ganze Jahr über Namenstag feiernden K. T. doch spätestens jetzt einen der ihren erkennen: den Menschen mit Fehlern, Makeln und Haargel-Schaden.
Doch weil eben jeder die ihm zugedachte Rolle zu spielen hat und dieses Los auch dankbar annimmt, fordern die Linken nun alle erwartungsgemäß seinen Rücktritt – für eine ebensolche Randnotiz, wie jene, die er scheinbar vergessen zu haben vergessen wollte – wählen ihn Rechten in den nächsten 40 Jahren treu ergeben, wie ein geprügelter Hund die Hand des Herrchens leckt und wird K.T. unweigerlich Kanzler.
Mit oder ohne Doktor.
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Do

10

Feb

2011

Fragenetik - und es läuft und läuft und läuft

Was denken wir eigentlich von uns selber, dass wir zu denken im Stande sind?

Glauben wir ernsthaft, dass unser Denken unser Handeln derart beeinflusst, gar steuert, dass wir es in Gänze in der Hand hätten? Unser Handeln? Unser Leben?

 

Und vor Allem: Denken wir, dass wir es glauben oder umgekehrt? Leben wir unseren Glauben oder unser Denken? Oder leben die beiden uns? Was ist mit Erlebnissen und Gefühlen, an die wir weder geglaubt noch die wir jemals erdacht hätten? Die beiden Schlingel lenken unser Leben doch weit mehr als wir denken.

 

Daran kann man übrigens glauben.

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Di

18

Jan

2011

Das iPhone und die iPadophilen

An allen Ecken höre ich sie jubillieren und ausrasten:

"Ein Foto mit dem Hiiiipstamatic-App!"
Und dann kollabieren sie auch schon vor Geilheit!
Und ich kann dem sich selber als elitär empfindenden Mehrheits-Mob einfach nur noch zustimmen ...
"Ja genau, so was kann nämlich kein anderes Smartphone, das geht ausschließlich und wirklich NUR mit einem Drecks... verzeih` iPhone. Weil das ist nämlich so, das iPhone ist ein ganz besonderes Telef ... neiiiin, doch kein Telefon, es ist ein Wunder, ein Wuuuunder, eine Gabe, eine Ikone, von Gott ... ähm Jobs gesandt, uns zu beglücken, uns zu verzaubern, uns zu zeigen, dass man Dinge begehren kann von denen man zuvor noch nicht einmal wusste, dass man durch ihren Konsum glücklich werden kann ohne vorher unglücklich gewesen zu sein. Das iPhone schließt die Lücke zwischen Scheiße und Kacke, zwischen Nichts und Garnichts, zwischen i und Phone eben. Und dafür sollten ... MÜSSEN wir dankbar sein. Immerhin hätte der Sack, der Jobs meine ich uns dieses - nun wirklich zu einem fairen Preis gehandelte - Geschenk ja vorenthalten und es einfach für sich selbst behalten sollen, äh können. Aber nein, der Mann ist einfach zu Gott, äh zu gut für diese Welt und gibt sein letztes Hemd für uns. Jetzt mal dahingestellt, dass die Welt seine abgetragenen Leibchen  nicht braucht ... also, singen wir ein Lied des Lobes auf den Hohepriester der Magie, auf den Zauberlehrling der Technik, auf den Verführer der Devoten, auf den Seilchendreher der Hüpfwilligen, bauen wir ein Spalier aus leuchtenden iPhones und lassen ihn ableben, äh hochleben ... den Mann der all dies erst ermöglich hat: Adol ... ach nee, Mao Tse... öhm, nein, der andere, also ein Hoch auf Ratzing... nein auf Dieter Bo ... Mensch die sind sich alle so ähnlich, diese Kapereles ... also auf den Typen der die Menschheit versklavt. DANKE Steffan Beruf!"
*ausspuck*
Wahrscheinlich bin ich ungerecht.
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Fr

07

Jan

2011

Nicht schon wieder

Wiederlich werd weder Licht noch wider Willen wieder lichtes Interesse an den hellichten Tag legt. Widerlegbar was weder Anliegen noch Legeware belegter Warenlage ist. Anwidernd was wieder und wieder zu wider geht, entweder aus Widerstand oder Wiedergutmachung.

Beides hat sein Für und Wider!

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Do

06

Jan

2011

Eigenartig

Eigenartig.

 

Je mehr Eigenes ein jeder entfaltet

- aufdeckt -

je eigener er oder sie (in seltenen Fällen auch es) sich entwickelt,

je egozentrischer ein Subjekt die Maschen des Kreises enger um sein selbst webt,

sich also auf seinen unikaten Eigensinn besinnt, und dergestalt Stück für Stück in eigenmächtigem Ermessen zu sich selbst findet,

um so weniger wird er, sie, es mit Verständnis rechnen können,

um so sicherer wird er, sie, es als eigenartig empfunden werden.

 

Was er ja auch ist.

 

Eigenartig.

 

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Mi

05

Jan

2011

Das befreit

Wann immer Dir ein von Berufs wegen Berufener sein Wissen als Deine Meinung verkaufen will,
erschieß` ihn.
Wenn auch nur im Geiste.
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Mo

06

Dez

2010

Leugnen

Leugnen ist

das wider das eigene Wissen und Gewissen
offensiv angewandte Belügen des Selbst
und somit ein grauenhaftes Verbrechen
an der Wahrheit.
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Mo

06

Dez

2010

Das Bewusstsein im Zeitalter der technischen Reprovozierbarkeit

Dezember 2010.

 

Die Welt ändert sich. Aber eben auch nicht schneller, als all die Jahre zuvor.

 

Denn das würde bedeuten, dass sich die Menschen selber in einer so unerfassbaren Metamorphose weiter entwickeln – die Richtung in die das geschehen könnte, sei einmal dahingestellt – dass man hier überhaupt von Fortschritt im humanen Sinne sprechen könnte. Dass sie ein Bewusstsein entwickeln, welches sich grundlegend von dem vergangener Generationen unterscheidet. Aber ist das der Fall? Sind es nicht nur die Mittel und Technologien zur zwischenmenschlichen Beziehungspflege, Kommunikation, Kriegsführung, Verwertung von Rohstoffen aller Art oder Konservierung uns wertvoll erscheinender Güter, die sich verändert, ja gar revolutioniert haben? Jene Technologien vor denen viele Menschen, naturgemäß eher die Älteren, so eine große Angst aufgebaut haben, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes „die Welt nicht mehr verstehen“. Ich denke nicht, dass es meiner Großmutter, geboren 1900, ihrerzeit grundlegend anders ging, als sie das erste Telefon bedient, die erste Autobahn befahren, von der Atombombe gehört, das erste Fernsehgerät gesehen und die erste Rockmusik gehört hat. Sicher ist es für Zweifler legitim nun ins Felde zu führen, dass sich der technologische Wandel noch niemals so schnell in unserem Leben als derart präsent gezeigt hat wie in den letzten 30 Jahren durch die Computerisierung aller Bereiche unseres Lebens. Aber darf ich jene dann an die Revolutionierung der Arbeits- und Lebenswelt durch die Dampfmaschine erinnern? Gut, Walter Benjamin hatte in der Tat keine Ahnung, wie rasant und wie weit sich die maschinellen Möglichkeiten entwickeln würden, als er vom Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit schrieb. Bestätigt sähe er sich dennoch auch heute noch in seinen grundlegenden Thesen, die uns aktuell ein wenig naiv anmuten können, was aber allein unserem geschichtlichen Wissensvorsprung geschuldet ist. Fragen Sie 2110 mal jemanden nach dem Web 2.0, Verbrennungsmotoren oder der Supermacht USA. Wichtiger erscheinen mir im Zusammenhang des Wandels doch die menschlichen Aspekte und Verhaltensweisen, die sich – abseits von der unumgänglichen Versozialmedialisierung mittels facebook und Co. – im Denkmuster doch keinen Deut von einer vortechnisierten Gesellschaft unterscheiden. Werte die sich in Jahrtausenden aufgebaut, als richtig oder falsch, dienlich oder hinderlich herausgestellt haben, nehmen je nach der gerade vorherrschenden politischen Strömung mal ab oder zu, verändern sich in ihrem eigentlichen Kern jedoch so gut wie nie. Junge aufgeklärte Menschen wenden sich im Jahre 2010 erneut und in sogar noch radikaleren Ausrichtungen dem Glauben in all seinen Facetten zu, wertkonservative Strömungen haben Zulauf wie zuletzt in den späten 50ern des letzten Jahrhunderts. Der Papst ist nun im Internet aber ansonsten keinen Deut moderner, Rechts- wie Linksradikale bedienen sich in ihrer Demagogie und Rattenfängerei nun eben auch der Blogs und Foren dieser Welt, ihre stumpfen Inhalte haben dadurch jedoch in nichts an Intellekt hinzu gewonnen. Wie auch! Na und? Was also ist an unserer Lebenswirklichkeit heutzutage, im Jahre 2010, wirklich so verändert, so beängstigend, so neu?

 

 

Zeitreise ins Jahr 2004.

 

Eine Zeit vor Stuttgart 21 und einer wenig präsenten bürgerlichen Streit- und Protestkultur. Hartz IV war noch neu. Schröder ist Bundeslautsprecher der sich selber rotgrün wähnenden Koalition.

 

Offener Brief an die politische Klasse in Deutschland.

 

Wir in Deutschland haben mit unserer Gesellschaft einen Punkt erreicht, an dem es geradezu fahrlässig wäre, sich nicht zu Wort zu melden. Es mag sein, dass ich einigen – hoffentlich vielen – unter Ihnen Unrecht tue, wenn ich nicht weiter differenziere und Sie vielleicht allzu leichtfertig und schafherdengleich über einen viel zu groben Kamm schere. Vielleicht ist es aber auch ein Ansporn für all jene Aufrechten und Motivierten, die sich der ihnen übertragenen Verantwortung wohl bewusst sind und sich aus Liebe zur Demokratie und dem Glauben an den sozial gefärbten Staat für eine Karriere als Politiker entschieden haben. Die sich gewappnet sehen, aus der scheinbar überwiegenden Masse fraktionsgleichgeschalteter Parteisoldaten und den aus nacktem Kalkül auf das nächste Wahlergebnis polemisierenden Lobby-Lautsprechern, lauter als bisher hervorzutreten. Jedes Volk bekommt offensichtlich die Regierung die es verdient, heißt es nicht nur so schön, sondern liegt auch in der Natur der Sache. Und genau deswegen liegt es auch an jedem Bürger seine Stimme zu erheben und seinem Unmut Luft zu machen. Sehr verehrte Volksvertreter – so es Sie im eigentlichen Wortsinn denn noch gibt – für mich als Ihr Arbeitgeber ist es an der Zeit Ihnen einige Fragen zu stellen. Sind Sie überlastet? Kann es sein, dass Sie sich Ihren Aufgaben nicht mehr so recht gewachsen fühlen? Nehmen Sie Ihre Aufgaben noch annähernd so ernst, wie es die Sache gebietet? Man kann ja über alles reden. Nur wer seinen Job wirklich mag, kann ihn gut ausüben. Und bitte glauben Sie mir, ich würde nichts lieber sehen, als dass Sie Ihren Job lieben! Nicht erst in der letzten Zeit sieht sich der angeblich mündige Bürger in immer kürzeren Intervallen und mit wachsender Lautstärke mit der – für den ansonsten sehr ambitioniert über alles und jeden die fürsorgliche Gesetzeshand haltenden Staatsapparat geradezu ungewöhnlichen und inzwischen leicht panisch klingenden – Forderung nach Eigenverantwortung und Eigeninitiative konfrontiert. Erstaunlicherweise scheint dieser Ruf umgekehrt proportional dazu anzusteigen, wie sich beispielsweise die Wirtschaft aus ihrer Eigenverantwortung heraus stiehlt. Sicher, es ist einzusehen, dass es Zeit in Anspruch nimmt, sich von hochdekorierten und hochdottierten Expertenkommissionen in der Ideenfindung darin unterstützen zu lassen, sich auszudenken, wie man den zunehmend die Ausbildung von Jugendlichen verweigernden Industrielenkern den drohend erhobenen aber konsequenzlos bleibenden Zeigefinger vorhält. Und das einzig damit diese den Großmut zeigen, wenigstens noch ein paar Steuern in dem Land zu zahlen, dessen Pass sie nicht ohne Vorteil in der eigenen Armani-Tasche tragen und dessen Konsumenten sie ihren Wohlstand zu großen Teilen zu verdanken haben. Aber denken Sie wirklich, es sei eine Lösung den Bürgern nun einmal schnell die eigene Selbstverantwortlichkeit zu verordnen und all jene die ehrenamtlich oder angestellt, in Vereinen, Jugendeinrichtungen oder sonstigen Bildungsträgern auch ohne den hoheitlichen Appell der Politik ihren gemeinnützigen Aufgaben in Sachen Bildung, Ausbildung und Erziehung bereits nachgehen, den Boden unter den Füßen wegzuziehen? Das muntere Kürzen der Mittel zu Lasten der Jugend, die doch angeblich unser größtes Kapital sein soll, scheint als Allheilmittel für sämtliche finanziellen Engpässe zu taugen, die selbstverständlich immer die jeweils politisch anders Gesinnten zu verantworten haben. Es wäre wünschenswert, wenn Sie, liebe auf Zeit Gewählte, den Schneid hätten, Ihre leider allzu oft als hingestrauchelt zu erkennenden Entscheidungen auch mit Rückgrat zu vertreten, anstatt sich selbst und den Wählern ständig die Litanei in die Tasche zu lügen, es ginge wirklich darum, Menschen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Die einzige Perspektive, die Sie wirklich gut herüber bringen ist der peinlich kleine Horizont der nächsten Wahl, an dem die Sonne ihrer eigenen Wiederwahl doch bitte wieder hell erstrahlen möge. Politik ist ein hartes und mitunter unpopuläres Geschäft, keine Frage. Aber wenn Sie schon Mittel zusammen streichen, die Jugendlichen den Absprung in ein geregeltes Berufsleben oftmals überhaupt erst ermöglichen, dann seien Sie doch bitte so ehrlich und reden Sie nicht davon, dass Sie alles für eben diese Jugend tun würden. Die auf neuen Berechnungsarten basierenden und somit leicht bereinigten Statistiken sprechen für Sie, in der Tat. Aber bitte bedenken Sie eines. Das Volk ist mitunter leider und skandalöserweise durchaus ungebildet. Aber nicht dumm! Wissen Sie was? Es ist uns, denen noch etwas an einer gesunden, auf dem Solidaritätsprinzip fußenden Gesellschaft liegt, so etwas von egal, wer aus wessen Partei in welcher nahen oder fernen Vergangenheit was zu verantworten, blockiert oder angeschoben hat. Es treibt einem die Zornestränen in die Augen, wenn man sieht wie Sie gar haribunt gemischt in immer gleichen Fernsehrunden aufeinander losgehen, sich auf Kindergartenniveau abrutschend gegenseitig vorwerfen, sich die Konsensschüppchen geklaut und in die Konsenssüppchen gespuckt zu haben. Dummerweise mit viel zu viel Empathie ausgestattet, schäme ich mich persönlich für jeden von Ihnen, wenn Sie sich offen, für die geneigte Fernsehnation sichtbar, als nicht fähig erweisen, gemeinsam über ein wirkliches Konzept zu reden, sich auszutauschen und eben das zu tun, was Politik früher einmal per Definition ausgemacht hat. Zu diskutieren auch zu streiten. Durchaus mit Herzblut und Engagement, aber eben auch mit Sinn und Verstand. Und vor allem auf ein dem Volk, den Menschen dienendes Ziel gerichtet. Ihre Streitkultur ist verkommen zu einem bloßen Austausch von Plattitüden. Zuhören – eine unermesslich wichtige und wertvolle Eigenschaft und Grundlage jeder Diskussion, geradezu eine Tugend – scheint nicht mehr möglich zu sein und die oberste Maxime ist, niemals einen, vielleicht noch so gut erdachten Ansatz des politischen Gegners aufzugreifen, es sei denn man schafft es ihn als seinen eigenen darzustellen. Wo selbst Parteivorsitzende sich die Blöße geben, sich lemminggleich in Sekundenschnelle in den sinnentleerten Strudel des gegenstandslosen, ausschließlich auf die Bloßstellung des Gegenübers ausgelegten Gesprächs hinein zerren zu lassen, ist nur noch wenig Raum den Bürgern ihre Eigenverantwortung begreiflich zu machen. Bekommen sie doch tagtäglich die pure, zur Schau gestellte Verantwortungslosigkeit wahlweise via TV und Zeitung oder Internet frei Haus geliefert. Geben Sie den Menschen endlich wieder etwas Substanz. Wundern Sie sich nicht über zurückgehende Wahlbeteiligungen, stellen Sie sich Ihrer Verantwortung und begreifen Sie, dass es in Ihrer Macht steht den Bürgern Demokratie wieder schmackhaft zu machen. Präsentieren Sie die Alternativen jenseits der Wahl zwischen Orange und Apfelsine. Zeigen Sie, dass Sie mehr auf dem Kasten haben, als das unwürdige Schlamm-Catchen. Das will keiner mehr sehen. Seien Sie mehr Arte als RTL. Und Frau Christiansen würde endlich wieder der mittlerweile alle Sendeformate erstickenden Aura des Boulevards entkommen, wenn Sie wieder Politikern an Stelle von tumben Wahlkampfrobotern ins Wort fallen könnte. Hören Sie auf sich über die steigenden Wahlerfolge der extremistischen Parteien zu echauffieren und begreifen Sie, dass diese Entwicklung so lange voran schreiten wird, wie Sie sich nicht in der Lage zeigen, den Menschen klare rechtsstaatliche Alternativen aufzuzeigen. Sie sind nur im Zweitberuf Schauspieler, gehören nicht ausschließlich zum Jet-Set und sollten der Industrie das Wasser nur so weit tragen, wie Sie damit keine Flutkatastrophe unter der Bevölkerung des Landes anrichten, welches Ihnen das Vertrauen geschenkt hat. Ich beneide Sie nicht um Ihren Job und es ist zweifelsfrei, dass es einfachere, unbelastendere und mit einem geregelten Feierabend gesegnetere Berufe gibt, als den Ihren. Aber wie der mündige Bürger die im Rahmen seiner sozialen Determinierung eine absolut freie Wahl hat, so haben auch Sie sich einst aus freien Stücken für diesen Lebensweg entschieden. Also fordere ich Sie vehement dazu auf, dieser Entscheidung den nötigen Nachdruck zu verleihen, in dem Sie wieder ernsthaft ans Werk gehen, sich den Problemen der Gesellschaft und des Landes mit aller Kraft stellen und den Bürgern beweisen, dass es sie noch gibt, die verantwortungsbewussten Denker und Lenker. Wer dies zu tun nicht bereit ist, sollte lieber die Seiten wechseln und ausschließlich als Kreuzchen machender Wähler seine ganz persönliche Verantwortung wahrnehmen. Lassen Sie diejenigen durch, die mit Leib und Seele für das Einstehen, für das sie ins Amt gewählt worden sind. Andernfalls haben wir nicht die geringste Chance und keiner wird dieses mal sagen können, er habe von nichts gewusst.

 

 

Zeitreise zurück ins Jahr 2010.

 

Eine Zeit mit Stuttgart 21 und einer wieder erstarkten Streit- und Protestkultur. Hartz IV ist immer noch da. Merkel ist die Bundeslautsprecherin der sich selber noch christdemokratisch und liberal wähnenden Koalition.

 

Wir sind heute ohne Zweifel ein kleines Bisschen schlauer, im Sinne von erfahrener, als noch vor sechs Jahren, was das Ambivalente des modernen Politikbetriebes und seiner Protagonisten angeht. Gab es früher noch oberflächliche aber dennoch Lager bedienende Einteilungen in rechts oder links, die zumindest das Stammklientel bedienten und für eine klare Frontlinie sorgten, reklamieren gerade die Grünen das wertkonservative, gut gebildete und durchaus begüterte Wahlpublikum für sich, während die CDU versucht, ihr verwässertes Profil mit vereinzelten Hardlinern und Lichtgestalten zu schärfen, die sich jedoch genauso im Mittelmaß verlieren, wie die immer bedeutungslosere SPD. Was jedoch schwer im Kommen ist, liebe Freunde von Seiten der Politik, ist definitv das, was Ihr bereits im Jahre 2004 eingefordert habt. Nämlich die Wahrnehmung der Eigenverantwortung eines jeden Bürgers. Ohne jeden Zweifel ist dieses nicht zuletzt durchs Web 2.0 begünstigte Verhalten nicht wirklich das, was Ihr einst placebogleich eingefordert habt, denn schließlich werden nun Eure Entscheidungen und Privilegien angezweifelt, in Frage gestellt und auch schon mal komplett über den Haufen geworfen. Plötzlich sind die Mechanismen, derer Ihr Euch ein ganzes Politikerleben lang bedient habt, vermeidlich nicht mehr fair und demokratisch. Da ist einmal etwas parlamentarisch beschlossen worden und die undankbare Bevölkerung will dennoch hier und dort dagegen aufmucken. Ja gut. Das ist dann wohl das Gleiche wie den paradoxen Ausstieg aus dem Atomaustieg zu beschließen, der ist ja auch mal irgendwie durch das Parlament gegangen und ratifiziert worden. Man könnte fast sagen, liebe Leute, wir sind quitt. Aber das wäre dann doch für beide Seiten zu einfach. Dabei hat gerade jetzt die Demokratie begonnen sich auf ihre ureigendsten Eigenschaften zu besinnen und ein – übrigens nicht geheimes sondern komplett öffentliches – Eigenleben zu führen. Ist das nicht wundervoll? Eine Aktion ruft plötzlich, wie von der Physik gewollt, wieder eine Reaktion hervor. Als hätte sich der Geist befreit vom schlichten Theorem und hinein gestürzt ins wahre Leben. Das Neue an unserer Lebenswirklichkeit anno 2010 ist doch tatsächlich das Bewusstsein. Und hier – das kann ich nun selber akzeptieren oder nicht – haben durchaus die neuen Medien – Technologien – ihre digitalen Finger im Spiel. Haben uns auch immer schon jene Reporter fasziniert, die unter Verleugnung ihres eigenen Lebens in Krisengebieten gestanden haben, die uns subjektiv unterrichteten von Greueltaten, politischen und sozialen Umstürzen und den großen Geschehnissen unserer Zeit. Heute sind wir fast überall in Echtzeit dabei. Und wir haben nun nicht mehr eine subjektive Meinung. Wir haben tausende. Und obschon ich Peter Scholl-Latour oder Klaus-Peter Siegloch immer ihre Unabhängigkeit abgenommen, ihre journalistische Kompetenz bewundert, Jahrzehnte lang an ihren Lippen gehangen habe, waren es dennoch stets Besucher in einem fremden Land. Twitter ermöglicht es heute die Meinungen der Betroffenen zu hören, sie zu mutiplizieren und Ihnen noch vor jeder Presse-oder Regierungszensur der Welt das Gehör zu verschaffen, das sie verdienen. Ich verstehe, kann es mir zumindest sehr gut vorstellen, dass es für einen Politiker alter Schule schwer hinnehmbar ist, plötzlich weder der Erstinformierte zu sein, noch das Kommentarmonopol inne zu haben. Aber, meine Damen und Herren, das ist unsere Wirklichkeit. Das Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Und ich bin felsenfest im Grunde meines demokratischen Herzens davon überzeugt, dass wir auf diesem Weg des schwarmhaften Wissens eine paar Unsäglichkeiten, wie beispielsweise singulär vorteilhafte Absprachen, überwinden können, um der Vision einer freien und offenen Welt näher zu kommen. Und ich sage bewusst Welt, nicht Gesellschaft, denn die Welt die Ihr geschaffen und wir offensichtlich gewollt haben – das beweist unser alltägliches Konsumverhalten besser als alles andere – ist nun einmal eine unumkehrbar globalisierte Welt. Und mit jedem Tag begreife ich ein wenig mehr, müsst auch Ihr begreifen, dass Globalisierung nicht länger nur die Vorteilnahme der Wirtschaft bedeutet, nicht alleine die Einflussnahme der Reichen und ohnehin Meinungsbildenden, nicht bloßes Geldverdienen auf erdumspannender Ebene, sondern das Zusammenwachsen der gesamten Weltbevölkerung. In Sachen Meinung, Willen, und auch Freiheit. Kein Volk der Welt will in Unfreiheit leben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Und hier fallen spannenderweise nun doch zwei bedeutsame Entwicklungen zusammen. Der technologische Fortschritt in Form der weltweiten – zum Glück noch nicht mit national ambitionierten Motiven reglementierten – Vernetzung ermöglicht es Menschen überall auf der Welt – ja, durchaus noch sehr lange mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Auswirkungen – mit anderen, sozial, kulturell, ethnisch oder sonstwie anders gearteten Menschen in Kontakt zu treten, deren Lebenswirklichkeiten zu begreifen und ihre Position zu verstehen. Und während auch die politisch eher harmlosen, gesellschaftlich sogar eher fragwürdigen Plattformen wie facebook ihren im noch größeren Rahmen stattfindenden Siegeszug um die Welt fortsetzen, stellt sich eine globale, durchaus von nationalen Zwängen befreite außerparlamentarische Opposition dazu auf, es vereint und unglaublich kreativ mit den Mächtigen dort draußen aufzunehmen. Wer nun meint, die Bedeutung des Wortes an sich hätte angenommen, braucht ja keine Angst zu haben, allen anderen sei gesagt, das Wort ist das mächtigste Instrument, dessen Menschen überhaupt habhaft werden konnten. Die andere Entwicklung ist jene, die sich weniger global als vielmehr lokal ereignet. Brave, mitunter bislang biedere Bürger erheben genau das Gleiche wie weltweit die Blogger und Twitterer: ihre Stimme. Aus ihren ureigendsten und durchaus egoistischen Bedürfnissen heraus beginnen sie plötzlich zu erkennen, dass die aufs Große ausgelegte Politik zu Gunsten der Konzerne keine Rücksicht mehr nimmt auf den Einzelnen. Es sei denn natürlich, es geht um sein einträglich geclustertes und in Nielsen-Gebiete eingeteiltes Konsumverhalten. Nun gut, was soll`s? Wenn sie das von einem wissen wollen, sollten sie auch nach einer Meinung fragen. Und nun trifft lokaler Unmut auf globale Meinungsfreiheit und gibt dem Individuum, obschon er sich weltweit doch so klein und unwichtig fühlt, den Mut den man benötigt, um sich seiner Bedeutung gewahr zu werden. Bringt man nun die – zumindest in der westlichen Welt weitestgehend verbrieften – Persönlichkeitsrechte zusammen mit dem Bewusstsein, dass, unabhängig von der politischen Führung einzelner Länder, die übermächtig große Anzahl der Menschheit, in Freiheit und Frieden mit anderen leben möchte, kann man sich sehr schnell ein Bild davon machen, was die wahre, wenn auch stille, Revolution ausmacht, die wir zur Zeit erleben.

 

 

Dezember 2010.

 

Die Welt ändert sich. Aber eben auch nicht schneller, als all die Jahre zuvor.

 

Denn das würde bedeuten, dass sich die Menschen selber in einer so unerfassbaren Metamorphose weiter entwickeln – die Richtung in die das geschehen könnte, sei einmal dahingestellt – dass man hier überhaupt von Fortschritt im humanen Sinne sprechen könnte. Dass sie ein Bewusstsein entwickeln, welches sich grundlegend von dem vergangener Generationen unterscheidet. Aber ist das der Fall? Sind es nicht nur die Mittel und Technologien zur zwischenmenschlichen Beziehungspflege, Kommunikation, Kriegsführung, Verwertung von Rohstoffen aller Art oder Konservierung uns wertvoll erscheinender Güter, die sich verändert, ja gar revolutioniert haben?

 

Die Antwort liegt auf der Hand! Und wir sind uns dessen sehr wohl bewusst.

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Di

30

Nov

2010

Das Grögaz-Syndrom

In mehr als angespannter Atmosphäre, diese gar nicht bemerkend, und wenn doch sie sogar genussvoll aufnehmend, quittiert der sich selbst als Alphamännchen ausgebende und wähnende Teilzeit-Choleriker jede wohl gemeinte Bemerkung mit selbstzufriedener Mine als Geste devoter Unterwerfung. Ohne Not Druck aufbauend – und irriger Weise im felsenfesten Glauben, seine stets üppigen wie zu hoch gesteckten Ziele in dieser naiven Weise nun doch erreichen zu können – gibt er den bemitleidenswerten Despoten, der auf dem Atemhauch der Angst seinem letzten Röcheln entgegen segelt.

 

Weiß dieser Mann, dass er die Nummer Zwei ist?

 

Realisiert er jene zum royalen Machterhalt von ihm selbst installierte Schlange an seinem Busen? Kennt er, der selber doch ach so fest an seine Fähigkeiten zu instrumentalisieren glaubt, die Regeln für sein eigenes, von Allmachtsfantasien beseeltes Spiel, welches er mitnichten als König, denn als – in der Tat – einflussreicher Läufer bewohnt? Wäre es nicht auf eine bedauerliche Art ein gutes Stück weit egal, hätte es eine Relevanz von jener Größe, die Persönlichkeiten, die gewiss zu seinen stets präsenten Vorbildern zählen in die Waagschale hätten werfen können, könnte es eine anhaltende und durchaus auch zu bewundernde Spur hinterlassen.

 

Doch auch wenn nicht jede Weiche im Leben, einmal gestellt und eventuell – wenngleich aus mitunter zweifelhaften Gründen – bedauert, sich ohne jede Korrekturmöglichkeit zeigt, so sind doch inzwischen dermaßen viele Abzweige genommen worden, dass eine Rückkehr zur Tugend inzwischen unmöglich geworden ist. Zu viele Leichen, zu viele Ängste, zu viele falsche Entscheidungen.

 

Dem Grögaz bleibt nur seine Paranoia zu pflegen und um sich zu schlagen. Schade drum? Im Prinzip ja, wenn es eben nicht schlicht so unendlich egal wäre.

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Di

30

Nov

2010

Globulisierung - Waffengleichheit im Glashaus

Globulisierung ... nein, kein Druckfehler. Euer singuläres „global“ ist passé. Es ist so dermaßen passé, dass es mir auch in Zeiten des einst revolutionären FDP-angepassten Neoliberalismus ein Schmunzeln abverlangt. Und zwar gerade deshalb, weil es der Kontrolle des FDP-adäquaten in einer Weise abgeht, dass es einem Freigeist die wollüstige Schamesröte ins Gesicht treibt. Lizensierung, Kontrolle, Zensur. All das ist für uns so vorbei, wie Eure über Bord geworfene Moral.

 

Schon doof, oder? Da habt Ihr Euch den Weltmärkten gerade erst geöffnet, aller Welt Zugang zu Euren Waren verschafft, dem eigenen Bruttosozialprodukt ein ungeahntes Wachstum vor die gierige Nase und den geöffneten Rachen gehalten, Euren spekulationsgeilen Zockern ein immenses Plus als Köder hingehalten, nur um sich aktuell leidlich peinlich darüber zu mockieren, dass sich heuschreckengleiche Individuen auf Kosten der Allgemeinheit an unser aller Kauflust – letztlich Schwäche – bereichern. Und was macht das im Grunde als unmündig und wehrlos abgestempelte Klatschvieh frecher Weise? Es twittert. Es twittert? Ach Gott, es twittert, ja, harmlos. Na wenn Ihr das denkt, um so besser. Und wieso seid Ihr dann so erbost über Gedanken, spontane Meinungsäußerungen, kleine Wortspiele frei denkenden Geister auf Eure Kosten? Warum um alles in der virtuellen Welt habt Ihr plötzlich Angst vor Wikileaks und Konsorten? Ist doch alles nicht bewiesen. Lasst sie doch, nimmt doch keiner ernst. Mhhh ... doch? Ach gut, ein paar Spinner, aber doch nicht unsere Bürger, unsere Kunden, unsere Opfer.

 

Wisst Ihr eigentlich, habt Ihr den blassen Schimmer einer Ahnung, wo Ihr Euch Eure Globalisierung hin stecken könnt gegen das was ich erfahren habe durch meine Globulisierung? Durch den kulturellen Austausch? Durch die von Euch niemals zu begreifende Neugier auf das was andere Kulturen – Menschen – wirklich zu sagen, zu geben haben? Ich kann hier uns jetzt sofort die Ultraemotionalität eines mir persönlich völlig fremden Japaners in mein eigenes Gefühl übersetzen. Es packt mich. Oder auch nicht. Ich kann hier und jetzt in Tränen ausbrechen, weil dieser Japaner einen Song geschrieben hat, der meine Lebenswirklichkeit scheinbar nicht minder trifft, als die seine. Es ist ein Song. Kein Konzern. Es ist ein Akkord, eine Textzeile. Keine spekulativ aufgeblasene Annahme in der Hoffnung auf börsialen Profit. Es ist auf seine fiktionalkulturelle Art real. Es existiert. Und, hey, es zerstört keine Existenzen, es bringt mich im wünschenswerten Extremfall zum Weinen, beschert mir einen Moment des Glücks, der Verbundenheit mit einem Gedanken, der auch mir entfleucht sein könnte. Und das, liebe sich selber ad acta legende Wirtschafts-Avantgarde, das ist die wahre Frucht der Globalisierung. Das ist das, was wirklich zählt. Führt den Euro ein, verabschiedet den Euro, öffnet Rettungsschirme, verlacht Eure eigene Diplomatie, schürt Konflikte, schmiedet Allianzen, bespitzelt Eure Bürger, sammelt Daten über Daten, lasst Euch von der Industrie kaufen, leckt der Euch Bauch pinselnden Lobby den unfassbar schmutzigen Allerwertesten, haltet ansprachen, bewerft Euch gegenseitig mit Dreck, benehmt Euch einfach wie immer.

 

Aber Ihr solltet wahrnehmen, dass die Welt da draußen sich geändert hat. Demokratie hat eine neue Qualität. Der Bürger ist nicht weiter nur gläsern, sondern auch vernetzt. Mit anderen Bürgern, mit Menschen. Und diese Menschen holen sich nun genau das, was Ihr für einer wirtschaftsliberale Kaste vorgesehen hattet.

 

Liebe Freunde, es herrscht Waffengleichheit, auch wenn Ihr das noch nicht verstehen könnt.

 

 

 

 

 

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Fr

19

Nov

2010

Der Überlebenstrieb der Überbundesreagierung

Aus eiliger Not geboren, im Namen der Freiheit erkoren zum populären Fanal einer in kopfloser Panik schwimmenden autoadministrativen Chaos-Truppe. So dermaßen unter Notstrom gesetzt hat sich nur selten jener aufs Wesentliche fokussierte Geist gezeigt, den man in dieser stetig misslicher werdenden Lage herbeibeeten möchte, ungeachtet aller agnostischer Determination, denen man sich bislang so gerne ausgesetzt sieht. 
Was setzt man blanker Angst antgegen, die kopflosen Wesen entfleucht?
Wie überzeugt man Menschen, die bis oben hin voll sind mit Überzeugungen, die ein ganzes Leben in peinlich genauer Lobbyarbeit mantraartig dort hineinrodint hat. So täuschend echt und fast untrennbar nah an der Wahrheit - die um die Nutzungsrechte ihrer Bedeutung noch im handfesten Clinch mit der Wahrheit liegt - dass man ein Rasterelektronenmikroskop bemühen, oder zumindest Holmes und Watson beauftragen möchte,
die Lücke zu finden,
den Meißel anzusetzen,
das zementverkopfte Fundament wenigstens anzukratzen,
den Tubus zu legen,
um weniger verdichtete Luft in die Hirne zu pumpen, auf dass dies den Platz für den nötigen Nährboden schüfe, zumindest die Saat eines einzigen freien Gedankens zum Keimen zu bringen. 
Ob sie es wissen, dass sie so sind?
Weiß ich, dass ich nicht so bin?
Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Vielleicht wird meine Überzeugung von einer ähnlichen Scheuklappe beschirmt wie die ihre. Vielleicht reicht es aber auch aus, den Meißel einfach selber in die Hand zu nehmen.
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Mi

27

Okt

2010

Das Lanzebrechen im Zeitalter der großen Wahrheiten

Freunde. Lasst Euch doch nicht immer alles sagen. Versucht doch einfach mal Euch eine eigene Meinung zu bilden, wie Ihr es doch eigentlich immer vorhattet.

 

Und mehr noch: meint Ihr, es könnte Euch gelingen, diese Eure Meinung auch vehement vor Freund und Feind zu vertreten, ohne dass man Euch einfach ausknipst, wie es derzeit Usus ist, Euch umdreht, Euch des Geistes beraubt, den Ihr in mühevoller Kleinarbeit in Eurem Hirn verankert, gehegt und gepflegt habt? Seid Ihr Selbst genug, habt Ihr den Mut, das Durchsetzungsvermögen, die Kraft, diesen Geist? Ich selbst habe da so meine prägenden Erfahrungen gemacht. Daher habe ich große Bedenken und dennoch wünsche ich Euch alles Gute. Alles nur erdenklich Gute. Es profitieren ja alle davon. Auch ich. Ich bin nicht einmal sicher, dass ich nicht vielleicht nur aus diesem egoistisch motiviertem Grund das Wort an Euch richte. Aber, Freunde, es ist machbar. Das weiß ich aus Erfahrung, auch wenn es altklüger klingt, als ich mich geben sollte.

 

Leider wird aus unserer Konfusion niemals eine Kernfusion. Egal wieviel Druck und Körperwärme sich da auch aufbauen und zu was auch immer verschmelzen mag. Es bedarf leider weit größerer Anstrengung als der wohlfeilen und gewiss anzustrebenden Körperlichkeit, um diesen Kraftakt zu vollbringen. Konfusion ist absolut nicht schlimm, nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Mein ganzes Sein scheint zwischen Konfusion und der ständigen Anstrengung, diese in ein begehbares und erlebbares System zu verwandeln zu pendeln.

 

Der Verlauf der kleinen Dinge ist - entgegen weitläufiger Meinung – wahrlich und zu meiner absoluten Bestürzung unwichtig geworden. War dies auch nicht immer der Fall, so ist in den letzten Jahren eine – paradoxerweise kleingeistige wie kleingestrige Tendenz festzustellen, die abgeleitet von der Größe der Ereignisse, ihnen ihre Bedeutung in der Geschichte als bloße Randerscheinungen zuweist. Das Amüsante daran ist eigentlich nur die Tatsache, dass sich selbst die explizit als solche ausweisenden kleinen Geister noch immer dagegen zur Wehr setzen, dieses zweifelsfrei verachtenswerte Faktum, als gegeben und unumstößlich anzuerkennen und die Risiken in dieser Tatsache zu erkennen.

 

Was die Konfusion und das ganze Kleinklein nun mit Eurer Meinung zu tun haben, fragt Ihr? Die Antwort kann ich mir in diesem Fall unfassbar leicht machen: Alles! Eure ganz persönliche Einstellung – nicht anders meine ganz persönliche Einstellung – bestimmen den Gott verdammten Lauf der uns alle umgebenden Gesellschaft und damit nicht zuletzt den – nehmen wir mal die 1. Welt (wo ist eigentlich die 2. Welt?) - der auf das Ausmaß eines Vorstadtkaffs zusammen geschrumpelten Welt. Wer meint keine Meinung zu haben oder bedauernswerterweise in der Tat keine Meinung hat, akzeptiert widerstandslos die Entscheidung anderer. Wer meint sich diese Haltung leisten zu können, hat leider eine absolute Teilschuld zu tragen an dem was mit ihm und mit mir passiert. Und hier nehme ich mir das Recht eine Meinung zu haben. Sauer zu werden, wenn Ihr so wollt. Auf weiche Ziele wie BILD, RTL II, Bohlen oder Volksmusik. Aber auch auf jene – das muss man ihnen durchaus lassen – medial ansatzweise geschulten Agitatoren in einer durchinszenierten Öffentlichkeit. Eben jene, die in Personalunion unsere Regierung spielen – pardon – bilden, als auch das Rollenmodell vorspielen, welches nachzueifern einer ganzen Generation von BWL-Studenten scheinbar per Immatrikulation vorgegeben das höchste Ziel ist.

 

Unpolitisch zu sein heißt heutzutage eben auch, die Politik derer mitzutragen, die einem das Leben nicht nur schwer, sondern zur Hölle machen. Und das bedeutet wiederum, den kompletten aus freien Stücken bewilligten Verzicht auf Jammern und Meckern. Natürlich möchte ich nicht jeden automatisch an den Pranger gestellt sehen, der den Bauern bei der Frauensuche voyeurisiert oder Schauspielerimitatoren im durchchoreografierten Teenie-Clinch an den Traumständen des Prekariat-TVs erträgt. Aber Betäubung, gleich welcher Couleur, macht eben gleichgültig. Und serielle Sedierung im fälschlicherweise so geadelten Free-TV macht eben zusätzlich auch abhängig. Es ist doch wunderbar, wenn man auf Menschen herab blicken kann, denen es noch schlechter geht als einem selber, die nicht merken wie man sie benutzt, die man belächeln und beklatschen kann, die man per Sofa basierter Spende an die Sendergruppe in einem Moment zum Star hochjubeln und im nächsten Moment in der GMX-Kurzmeldung höhnisch verlachen kann, wenn sie den vorprogrammierten und vom medialen Establishment unbedingt einkalkulierten Absturz hin zu dem vollführt haben, was sie eigentlich waren, nämlich nicht weiter erwähnenswert und leider viel zu leichtgläubig. Man möchte sagen, unvorbereitet.

 

Wenn man im Kleinen, im eigenen Verhalten nicht gewillt oder fähig ist, dem zu begegnen, was einem im Alltag – und das betrifft jeden einzelnen von uns unmittelbar und so persönlich wie es eben möglich ist – die Parameter vorgibt, soll heißen, den medialen Blendern, den staatsseitig absolut gewollten Dealern einer auf das Äußerste strapazierten Doofmannsunterhaltung nicht das Geringste, also wenigstens Desinteresse, entgegen zusetzen, gibt es wenig Grund zu murren oder sich zu beschweren. Ich möchte hier nicht einmal die fernen Beispiele heroischen Widerstands gegen totalitäre System bemühen, um das Loblied des Kleinen zu singen. Es reicht völlig aus, sich das eigene Desinteresse am ebenso eigenen Schicksal vor Augen zu führen. Sind wir nicht alle irgendwo Stammtisch erprobt, wenn es darum geht Politik zu kritisieren, Missstände anzuprangern, das eigene – scheinbar nicht hinnehmbare aber seltsamer Weise auch nicht zu ändernde Leid zu beklagen?

 

Egal ob wir unseren Kindern ein passives, obrigkeitshöriges Verhalten angesichts eines sowohl untermotivierten als auch überkapazitären Bürokratenapparetes vorleben; egal ob wir uns mit unseren Freunden nur noch über die debile Programmpolitik indirekt – da pekuniär dafür entlohnter – systemkonformer Hirnweichspül-Sender in Form inhaltsschwerer Diskussionen entladen; egal ob wir uns des öffentlichen Diskurses enthalten, wenn Themen, die uns unmittelbar betreffen das Gemüt der Öffentlichkeit bestürmen. Verdammt, es geht um das Kleine, es geht um das Winzige, es geht um den Moment, es geht um das Jetzt!

 

Aber was soll`s? Ist es nicht auch eine völlig freie Entscheidung, eine fließend aus sich selbst generierte Meinung, wenn man nichts sagt, wenn man nichts denkt? Ist es nicht das Recht eines jeden, sich der öffentlichen Diskussion zu enthalten, sich ins Private zurückzuziehen? Aber sicher doch. Nur nehme ich dann in Kauf, dass andere für mich das Öffentliche entscheiden. Dass andere für mich das entscheiden, was mein Leben bestimmt. Und hier, liebe Freunde, hier haben wir nun alle die Wahl. Wir haben die Wahl, für das was wir wollen einzutreten, oder zu akzeptieren, dass da jemand ist, der für uns entscheidet. Und dummerweise ist das mit Sicherheit nicht wirklich das, was wir selber wollen würden.

 

Wenn wir denn etwas wollen würden.

 

Wollen wir?

 

Versuchen wir doch einfach mal, uns eine eigene Meinung zu bilden, wie wir es doch eigentlich immer vorhattet. Wisst Ihr noch?

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Di

26

Okt

2010

Faltern - meine Alterserscheinung

Es ist so unendlich tragisch. Es ist grauenhaft. Es ist nicht mit anzusehen, wie Du Dich tagtäglich quälst und marterst, Dir das Letzte abverlangt und doch keinen Meter weiter kommst.

Zumindest sah ich Dein stetes Scheitern vor meinem geistigen Auge. Eine Donna Quichote der Straße. Verdammt auf ewig gegen sich selber und die Ängste die Dich umtreiben zu kämpfen. Ausweglos. Ein Musiker, der immer und immer weiter übt, wird irgendwann – das nötige Talent vorausgesetzt – zu einer gewissen Exzellenz finden. Einem Maler der dran bleibt und sein Sujet von Bild zu Bild erst findet und schließlich ein Leben lang perfektioniert, wird man das Fortkommen im nichtmobilen Sinne anmerken, ihn für seinen steten Wandel bewundern.

Doch Du tatest mir direkt leid. Dich sah ich heute Abend an der Ampel stehen. Stehen? Nein, Du bewegtest Dich eigentümlich unstet, rastlos. Du hibbeltest von einem Bein aufs andere. Du warst nicht mehr die Jüngste, was nichts Schlimmes ist, es fiel nur sofort ins Auge, weil Deine Kleidung einem von Weitem suggerieren wollte, dass ein junger, ach so mobiler Mensch in ihr steckt. Es schien beinahe so, als trügest nicht Du sie, sondern würdest von ihr geführt. Meter für Meter, Schritt für Schritt. Ich musste sofort an Spiderman denken, als er – wiederkehrend vom interstellaren Kampf Gut gegen Böse – in sein seltsames neues schwarzes Kostüm wechselte, welches ein perfides Eigenleben und damit ihn führte. Dein Kostüm führte Dich ebenso, schwante mir in den 20 flüchtigen Sekunden, die die Ampel, die mich aufzuhalten vorgab, um einen kurzen Blick in Dein Leben zu werfen. Dein ausgemergeltes Gesicht rang nach Sauerstoff und sichtlich nach Fassung. Die Fußgängerampel passte nicht in Dein Konzept, Dein Puls begann sich zu beruhigen und die bestimmt teure Pulsuhr hämmerte Dir diese Tatsache unnachgiebig in die Augen. Der polare Brustgurt sandte das unfehlbare Signal aus, dass Dein Herzschlag nicht mehr auf dem nötigen Level bleiben wollte.
Daher das Gehibbel und der flehende Blick auf die beiden roten Männchen, dachte ich. Deine Figur dankte Dir Deine täglichen Anstrengungen sichtbar mit den wohldefinierten Konturen einer jungen Frau. Dein Gesicht zeigte sich dem höhnisch und sehr ungebührlich gegenüber und bestrafte die fettreduzierten Anstrengungen mit ausgemergelter Reife, die Dein Gesicht lummerlandgleich zu dem einer Scheinlolita machte. Vielleicht war es auch das Zählen der winzigen Körner beim genussvollen Müsli jeden Morgen, das Dich die Augen zusammen kneifen ließ, was tiefe Rillen in Deine Stirn meißelte, wo einfach zu wenig Fleisch von zu viel Haut gehalten wurde. Ich fragte mich in jenem Moment, warum Würde und Altern zwei so schwierige, sich scheinbar so oft bekämpfende Dinge sein können. Wie dem auch sein, es waren nur Sekunden und als die Ampel mir das grüne Licht zeigte, warst Du so schnell vergessen, wie das Lied im Autoradio brauchte, um zum erwartet frühen Refrain zu kommen.
Aber eben nicht ganz. Gerade muss ich an Dich denken. Ich habe gekocht. Fettig, gehaltvoll, lecker und ungesund spät, mitten in der Nacht. Und während ich voller Lust die Gabel in meine Speise jage, wische ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel, aus ehrlich empfundenem Mitgefühl.
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Mo

25

Okt

2010

Mutenthemmt und linientreu - Der Anfang vorm Ende

Ein unglaublich zufälliges Vorhandensein und Zusammenfinden von etwas Materie, verleiht dem vermeidlichen Wunder des Geborenwerdens eine unabstreitbar sagenhafte Aura. Besonders wenn man ein Planet ist. Ein Planet, den unfassbar viele Lebensformen als ihre sinnstiftende Heimat betrachten. Bei näherem Nachdenken wird es nur den Ketzerischsten gelingen hier nicht ins Schwärmen, sondern bedingt durch diesen Umstand ins tiefste Grübeln zu geraten. Als die simpelste aller Fragen kann dann nur noch jene recht unwissenschaftlich formulierte daher kommen: Was soll das eigentlich?

 

Dankenswerterweise gibt es seit Menschengedenken – und das ist wahrhaftig nicht die Welt, wenn ich mir dieses Wortspiel erlauben darf – jene, die sich anschicken diese Frage auf das übelste verzerrt (und philosophisch weitaus zu hoch angelegt) zu stellen. So weit noch keinen Schaden anrichtend, haben diese mutenthemmten Menschen jedoch die Angewohnheit Theorien aufzustellen. Und als seien sie der eigenen Sprache nicht vollends mächtig, verwechseln sie alsbald die eigenen Theorien, das Ungreifbare betreffend, mit messbaren Ergebnissen.

 

Ein halbes bis dreiviertel Leben weiter ringen die großen Theoretiker in großer Mehrzahl mit dem eigenen Tode und sind sich der Bestätigung ihrer persönlichen Theorien somit so nah wie nie zuvor. Paradoxerweise jedoch verfallen die meisten von ihnen, ihres sicheren Abstandes beraubt, der einen so mutig werden lässt in Bezug auf das Universelle, zurück auf althergebrachte Theorien ihnen persönlich wie geistig völlig fremder Theoretiker. Ohne sagen zu können, was diese längst vergangenen Philosophen nun im Angesicht des potentiellen Zerbröckelns eigenen Denkens, richtiger gemacht und gedacht haben als man selbst, betet man plötzlich doch jene rituellen Formeln, dessen Richtigkeit man – fast – ein Leben lang angezweifelt hat.

 

Und ehe man sich’s versieht, ist der Ursprung erstaunlicherweise das geringste Problem mit dem man sich konfrontiert sieht.

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Mi

20

Okt

2010

Worte ohne Sinn - Rot markiert

Worte ohne Sinn - ROT markiert.*

 

Eine ganze Generation hat sich die Wut auf die Fahne geschrieben.

 

Die wahre Wut, die einen packt. Die einen packen muss, wenn man 20 ist. Wahr ist, wenn Du begabt bist, packst Du diese Wut in schneidende Töne, hämmernde Worte, verschaffst Dir Gehör unter denen, die es ähnlich sehen. Wenn Du genial bist, tust Du denen da oben sogar weh. Du gibst den Nestbeschmutzer, den Stachel im Fleisch – bis die Feuilletons Dich mögen. Dann hat Dich das Establishment und die Kunst ist Dein Beruf. Es gibt kein Zurück für Dich, denn Du bist ewig 20. Bist Du 40 und kein Feuilleton bemerkt Dein Werk, hast Du eine Chance. Du hast die Chance ihnen weh zu tun. Denken die. Du denkst, Du bringst die Gesellschaft nach vorne. Du bildest einen Pol, findest Deinen Platz gleichermaßen in und neben der Gesellschaft.

Aber: Was ist mit der Wut? Du schätzt guten Wein, hast Dich politisiert, kennst die angesagten Künstler, willst Deine Ruhe haben.

 

Was ist mit der Wut?

Worte ohne Sinn, rot markiert?

Ja. Die gibt es. Ohne Ende. Und Du willst es noch immer. Du willst es noch immer niemandem recht machen, Außer denen, die Du liebst. Und die kennst Du inzwischen ganz genau. Und genau das macht Dich wütend. Das macht Dich wütender, als Du jemals zuvor gedacht hast zu sein.

 

Schon mal daran gedacht, dass es so etwas wie Generationen nur gibt, um Dir Deine Gefühle vorzugeben? Um Dir Dein Verhalten zu diktieren? Ab 30 wirst Du milder. Ab 40 kurz unzufrieden, dann gleichgültig. Scheiß drauf. Sei ehrlich. Denk nach. Dann wirst Du nicht ruhiger. Du artikulierst Dich anders. Anstelle von Hardcore tritt Kabarett. Aber: Glaubst Du echt, das macht einen Unterschied? Meinst Du, der Typ auf der Bühne, dem Du Deine Hände schenkst, ist mit 40 zu ruhig geworden, um Euch die Gesellschaft vorzuführen?

 

Und vor Allem: Glaubst Du wirklich, dass die Form die Rebellion bestimmt? Wenn Du das glaubst, bist Du für die Wut verloren.

Wenn Du das denkst, sind die Worte ohne Sinn rot markiert und Du hast die Wut aus Pflichtgefühl verspürt – gewollt. Weil Du 20 warst. Weil Du das Klischee bedient hast. Es geht nicht um die gereckte Faust, nicht um Gebrüll oder Parolen. Wer das glaubt hatte seine Zeit, aber nicht das Bewußtsein. Es geht ausschließlich um Mitgefühl, um Denken, nicht egal*2 , Wollen. Darum seinen Egoismus nicht auf dem Rücken andere auszutragen. Es geht nicht darum, die Worte rot zu markieren, sondern Worten eine Bedeutung zu verleihen, Worten Taten folgen zu lassen.

 

Worte – Freunde im Geiste, Ihr wusstet es auch mit 20 – können etwas bewegen. Sturm und Drang sind auch meine Weggefährten und ich mag so oft es geht verzweifeln. An Modernismen, an allem was sich in den Weg zu werfen bereit erklärt. Aber ich reiche Euch nun genau die erfahrene Hand, die Ihr anzweifeln müsst. Nämlich die des Verständnisses. Und wer will bitteschön denn verstanden werden, wenn er wütend ist? Mit 20? Mit 30? Ich etwa? Oh Gott, nein! Bleibt die Frage: Hört das jemals auf?

 

Was bleibt sind dann wohl am Ende ... Worte, rot markiert.

Und wir hoffen Generationen übergreifend auf Rückgrat. 

 

 

 

* Danke Escapado 2007

*2 But Alive ... und Kettcar

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Di

05

Okt

2010

Der Junge legt endlich wieder Feuer

Es ist schon erstaunlich wie sehr man eine Band vermissen kann, wenn sie sich einmal aufgelöst hat. Wie sehr es einen ergreifen kann, wenn man die letzten energetisch kaum zu überbietenden Zuckungen in Form eines Abschiedskonzerts immer und immer wieder anschaut und es einen mit wohligen Schauern angedenk des Erlebten durchflutet.Es ist erhaben wie stolz man auf die Entscheidung seiner Helden sein kann, sich in Freundschaft und inmitten eines kreativen Schubs aus den richtigen Gründen aufzulösen. Und dennoch war da immer diese eine Hoffnung, dass das bislang lauteste und formidabelste Wort um Himmels Willen nicht das letzte gewesen sein möge. Und plötzlich ist das so herbeigesehnte Gefühl einer erneuten Epoche, die es mitzuerleben gilt da. Kaum zu glauben nun, dass dieser Glücksfall, dieses Eintreten des musikalischen Sehnens, dennoch nicht den Stolz schmälert, den man damals empfunden hat, als sich Boysetsfire getrennt haben und dass es auch jetzt wieder das erhabene Gefühl gibt, diesen Jungs nur das Allerbeste zu gönnen und somit auch sich selber wieder in den Taumel zu stürzen aus Energie, Botschaft, Geschrei, gereckter Faust und genialen Melodien. Mögen diese kreativen Geistern in aller Freundschaft noch so einiges abfackeln im Sinne der Kunst und der Menschlichkeit!

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Fr

01

Okt

2010

80 Millionen Schafe

Was ist eigentlich los mit diesem Land?
Während die lustige Regierung das Versagen in Reihe als Erfolg verkauft und mit dummdreist grinsenden Politikerdarstellern die Talkshows überflutet, zeigt der Staat überraschend anschaulich, wozu er doch im Stande ist, wenn man ihn reizt und wir stehen staunend wie die Kinder da und sind überrascht, geradezu geschockt.
Wenn man ihn mit Meinung konfrontiert. Stellvertretend für alle Hardliner mit Befehlsgewalt hat Herr Rech bewiesen, dass selbst unschuldige und nun wirklich nicht instrumentalisierte Kinder nicht vor ihm sicher sind. Merkt eigentlich keiner, dass der Staat den demokratischen Bürger beschützen sollte, der ihn ausmacht? Der Bürger IST der Staat. Herr Resch ist ebenfalls ein schlichter Bürger dieses Landes und als solcher hat er dermaßen daneben gegriffen, dass es uns eine Freude sein sollte ihn mit den friedlichen Mitteln der Demokratie bei der nächsten Wahl - so er sich denn überraschender- und skandalöserweise so lange halten sollte - zum Teufel zu jagen. 
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich stehe zu diesem Staat und unserer Demokratie und Menschen dürfen und werden immer Fehler machen. Aber jeder hat die Konsequenzen aus seinem Tun zu tragen und ein öffentliches Amt schützt nicht vor diesen Konsequenzen. Also lasst Herrn resch Eure Stimme hören und tretet hervor aus der kuscheligen Herde.
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Mo

27

Sep

2010

Ohne Macht

Trauer ist ein Zustand, den man nicht beschreiben kann, ohne dass man den eigentlichen Kern außer acht lässt. Trauer kann man nur fühlen und erleben. Trauer muss man ausleben und ich glaube man kann sie nicht teilen. Geteiltes Leid ist ein Mythos. Trauer ist auch Wut. Über die Welt, die im allgemeinen unfair ist, über sich selbst, der man die Chance etwas zu sagen verpasst hat, über das Ungreifbare.

 

Trauer ist reine Ohnmacht.

 

Aber Trauer ist auch ein perverser Appell an sich selbst etwas zu ändern. Sich selbst zu reflektieren. Und den Arsch hoch zu kriegen, sei es für den Verlust, oder für sich selbst. Trauer lähmt kolossal und Trauer tritt Dir in den Arsch, wie nichts Vergleichbares. Gewisse Gedanken verbieten sich plötzlich von vorneherein, weil sie der reine Hohn wären. Andere drängen sich in den Vordergrund und wollen bleiben. 

 

Was mich angeht, das dürfen sie gerne.

 

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Di

14

Sep

2010

Unsichtbare Mitmenschen

Schon gemerkt?

Wenn man auf der Straße Menschen begegnet, ist man sich um so ferner, je größer die soziale Kluft zwischen einem selber und dem Gegenüber ist.

 

Kommt der Passant, dem man sich unweigerlich beim Fortbewegen nähert, mit gehobenem Blick auf einen zu, so kann man davon ausgehen, dass er annähernd der gleichen sozialen Schicht angehört wie man selber. Je niedriger das soziale Standing ist oder auch nur empfunden wird - der Unterschied spielt hier keine Rolle - desto weniger ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Blicke treffen. Der anzugtragende Banker wird den Blick vom Obdachlosen ebenso abwenden, wie umgekehrt. Anzügler unter sich jedoch checken sich gegenseitig schnell ab und nicken sich dann vielleicht sogar ihres gleichen erkennend zu.


Achtet mal drauf. ist ganz spannend. Aber auch sehr ernüchternd. Denn nirgendwo kann man gelebte Oberflächlichkeit besser sehen, als auf der Straße.

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Mo

13

Sep

2010

Murphy ist tot

Konsens adäquat und optimistisch betrachtet, darf Murphy natürlich gerne weiter leben. Pessimistisch dagegen, wie ich mich in diesem Fall zwingen möchte zu denken, darf ich mir wünschen, dass dieser verdammte Typ, von dem alle behaupten, sein Gesetz würde allseits und unumstößlich gelten, endlich den Löffel abgibt.

 

Ist mal jemandem aufgefallen, dass Murphy nur deshalb so in seiner herbeigeredeten Allmacht gefürchtet wird, weil sich schlechte Nachrichten immer besser verkaufen als gute? 10 Menschen gestorben ist eine Nachricht. 10 Menschen geboren dagegen normal. Murphy ist der Bote der Katastrophe. Ungückliche Verkettungen werden nachverfolgt, kommentiert, archiviert. Dinge die dagegen völlig "normal", vermeidlich langweilig ablaufen, sind niemandem auch nur die Erwähnung wert. Wir schätzen das Böse und ignorieren das Gute. Wir zelebrieren den Untergang mit vorgeschoben warnenden Worten und zeigen dem glimpflichen Ausgang den Mittelfinger.

 

Murphy. Wer ist dieser Typ, dass er meint sich als unheilbringender Schatten über unser Handeln legen zu können? Murphy ist ein Arschloch! Und ich werde ihm von nun an die Gefolgschaft verweigern und sein Gesetz missachten.

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Mo

06

Sep

2010

Ein Fluch

"So shall Media net work!", sprach der anglophile Hesse und deaktivierte deprimiert sein Facebook-Profil.
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Do

02

Sep

2010

Social Media Summit 2010 - Wiesbaden

Die Short Cuts in meinem Hirn:

Auf twitter.com unter dem Short Cut #sms10

 

Erster Schrecken meinerseits über derartig viele Kravatten und Sackos in den Tönen Mittelgrau über Steingrau bis Schwarz, obwohl Social Media angeblich - O-Ton Johannes Kleske - "dreckiger undwilder" sein soll, als alles andere.

 

Beengtes Sitzen bei ohrenbetäubendem Schweigen des Auditoriums. Ich dachte ein Summit wäre mehr Gathering als Frontalunterricht, aber gut. Wieder was gelernt.

 

Erstes Aufatmen, dass ein gewisses und unterhaltsames Dissen und Battlen scheinbar auch in der inzestuösesten Szene möglich ist.

 

Jähes Erstaunen über die wiederum erstaunte Feststellung, dass man auch bei der Erstellung von Apps auf das CI des jeweiligen Unternehmens achten sollte - wow!

 

Grummelndes Akzeptieren, dass der KPI die Welt der Social Media regiert und die "Profis" einfach nicht loslassen können.

 

Ein sich langsam immer stärker verdichtendes Gefühl, dass wir hier über ein angeblich ach so revolutionäres Marketingfeld reden und dennoch alle Experten und Sichindernähevonsolchenwähnende mit dem abgeschmackten Präsentationstool Powerpoint langweilen.

 

Erleichterung bei der Erkenntnis, dass wenigstens die vielbeklatschte Alverde-Referentin auszubrechen wagt und der testosteronüberladenen Runde in persona vorlebt, was andere nur predigen: Authetizität und Bodenständigkeit. Einfach geil!

 

Das sich setzende und selbststreichelnde Gefühl, dass man eigentlich immer schon wusste worum es bei Social Media geht - Glaubwürdigkeit und Durchhaltevermögen - wärmt den vom üppigen Essen leicht überstrapazierten Bauch und streichelt das Ego.

 

Schales Gefühl beim Verlassen des Summits, sooo viel Neues nicht gehört zu haben und die Erkenntnis, dass die eigene Erwartungshaltung vielleicht ein wenig zu groß war, gepaart mit dem Stunde um Stunde stärker werdenden Drang, endlich wieder (kre)a(k)tiv zu werden und sofort loslegen zu wollen.

 

Ein ganz persönliches Fazit:

Mag der Weg auch schmerzvoll gewesen sein, ich bin wieder angefixt ... und muss dringend versuchen ein paar Sätze ohne Anglizismen zu sprechen. Vielleicht hilft mir dabei ja das Tourette-Seminar am nächsten Wochenende in Arschaffenburg.

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Do

02

Sep

2010

SM

Ist eigentlich noch niemandem in den Sinn gekommen, dass Social Media und herkömmlicher SM sehr viel gemeinsam haben? Denkt mal drüber nach. Beides hat sehr viele Fans. Um beides ranken sich Mythen besonders unter denen, die nicht in der Szene sind. Beides kann unglaublich weh tun und beides geht schief, wenn nicht alles im Lack ist. Zuckerbrot und Peitsche sind gängige Mittel und verlierst Du errst einmal die Kontrolle, wird es hart. Beides kann von jedermann sofort gemacht werden und beides sollte vorher gut durchdacht sein. Beides kann ein 24/7-Job sein und beides hat sehr viel mit Macht, Kontrolle und Überwachung zu tun.

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Do

26

Aug

2010

Hessenkunde

Duschen ist Wiesbaden ... nur im Stehen!

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Mo

23

Aug

2010

Watt?

Wieviel Watt hat eigentlich das Wattenmeer?

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Fr

20

Aug

2010

Bullet Point?

Ist das eine Frikadellen-Bude oder ein Treffpunkt für Polizisten?

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Fr

20

Aug

2010

„Da mache ich ...

... erst einmal einen Kosten-Voranschlag“, sagt der Terrorist und legt los.

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Di

03

Aug

2010

Grund-Satz

In Grunde ist es eine lächerliche Erkenntnis, angesichts unserer Allmachtsfantasien eine frustrierende Laune der Natur, dass ungeachtet der technischen Entwicklung und dem so leichten Fußes empfundenen Fortschritt, der Mensch noch immer auf derselben Stelle trampelt. Die Spur wird breiter, aber nicht einen Deut tiefer. Das Profil verändert sich, Materialien ersetzen einander. Die Beschaffenheit des Bodens, den es zu bezwingen gilt jedoch bleibt wie sie immer schon war. Ein unwägbarer Sumpf, der jeden ins Verderben lockt, der meint, dass Technik den Geist ersetzt. Und von eben dem haben wir gerade genug, uns über Wasser zu halten.
 

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Do

22

Jul

2010

Ein flüchtiges Weltbild

Und bist Du Dir uneins ob Dir Ungemach geschieht oder einfach nur ein paar Dinge geschehen, die sich nicht dazu eignen, Deinen Nachbarn zu erzählen, sei Dir sicher, dass Deine Nachbarn kaum ein gesteigertes Interesse dafür aufbringen werden, Deinen Eindruck in ihr flüchtiges Weltbild pressen zu wollen.

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Do

22

Jul

2010

Gott

Gott, stets bewundert man diejenigen,

die gänzlich andere Talente ins Feld führen,

welches man doch selbst zu beackern lechzt.

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Do

22

Jul

2010

Gefrieren Sie - jetzt!

In stummer Erwartung, was sich sichtbar zu nennen geriert, erhalten wir einen Eindruck in die Untiefen eines erfahrbaren Gefühls.

 

Und gefrieren in heraus geschriener Stille.

 

Ein großer Schritt zurück bedeutet von nun an Fortschritt.

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Di

20

Jul

2010

Mein Mitleid

Na, Ihr Übergroßen, Ihr zart über dem Boden Schwebenden, wie lebt es sich eigentlich als Übermensch? Wie fühlt es sich an, als jemand, der seinen ganzen Glanz einer Technologie verdankt? Fühlt man sich überlegen, obwohl die eigene Leistung bei diesem Schwanzvergleich nicht einmal eine untergeordnete Rolle spielt? Sie besteht einzig (leider nicht so allein, wie Ihr es gerne hättet) darin, als Konsument bewusst eine Entscheidung getroffen zu haben. Glaubt Ihr zumindest. Dabei stört es Euch nicht einmal einer, natürlich den völlig individuellen Anschein wahrenden, Massenmaschinerie unterworfen zu sein, die Ihr kapitalistisch auf die Spitze getriebenes Vorbild in der blind machenden Art von Religion findet. Auch der von Euch so freiwillig und mit einem feisten Grinsen im Gesicht hoch bezahlte Mehrwert ist ein schöner Schein. Eine schicke Fassade die Euch, das eigene Unvermögen kaschierend, auf ein kleines, durchgestyltes Treppchen verhilft, von dem aus Ihr Eure in die Luft gereckten Näschen von ein wenig Höhenluft umschmeicheln lassen könnt. Ihr erwartet jede Neuerscheinung, jede materielle Blähung Eures Gottes mit unkritisch debil verzückten Gesichtern und willig gezückten Portemonnaies und feiert den Heiland, der Euch dies alles beschert hat. Der Euch befreit hat von der Tyrranei des schnöden Massengeschmacks, der den Pöbel bedient und ihm lediglich die technologischen Reste zum Fraß vorwirft, der ihn mit rückschrittiger Technik verblendet, auf dass Ihr, die Erleuchteten noch heller strahlen könnt. Ihr seid so von Eurem eigenen Geschmack begeistert, trunken vor Arroganz und der – ich bin sicher, Ihr meint es ernst – Gier die Ersten zu sein, dass Ihr gar nicht merkt, dass der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Euch darin  besteht, dass Euer Gott sich das elitäre Gefühl, welches Ihr Euch nur selber vorgaukelt, von Euch teuer bezahlen lässt. Aber es ist ja auch gut so. Man erkennt Euch. Man kann Euch ausweichen. Man kann sich herrlich mit Euch amüsieren. Es ist ja nicht so, dass Ihr lediglich Eure Sakrilege, die Euch Euer Herr gegeben hat, benutzt, anstarrt, vergöttert, über sie redet und sie in Eurer Welt erhebt zu etwas Magischem. Nein, zu meiner und unser aller Freude tragt Ihr sie mit Euch herum, Ihr verkleidet Euch mit ihnen, Ihr schmückt Euch – so denkt Ihr – mit ihnen. In angesagten Cafés sitzt Ihr herum, meist leider allein, gebrandmarkt mit seinem blass glimmenden Zeichen, trinkt Latte Machiato, tragt 80er-Jahre-Polohemden mit – wenn Ihr ganz wild drauf seid – hochgeschlagenem Kragen, die weißen Kabel hängen Euch träge aus den brav und modisch frei geschnittenen Ohren, die – ob sie wollen oder nicht – beschallt werden mit Konsens- und Gebrauchsmusik zwischen Café del Mar und längst verklungener Zukunftsmusik wie Jean Michelle Jarre. Wann immer man einen der Euren erblickt sieht es geschäftig aus, als arbeite er rund um die Uhr. Stets bemüht etwas Neues, Großes zu erschaffen. Dabei surft er zumeist doch nur den großen Einfällen anderer hinterher, stets bestrebt sich im Glanze der Kreativen zu sonnen, noch ein wenig knuspriger zu erscheinen. Unfassbar oft verbirgt sich fürwahr ein Werber (oder einer von denen, die immer noch glauben, dass dies ein aus einem der folgenden Gründe anstrebenswerter Beruf wäre: ein Gehalt jenseits der Gut&Böse-Grenze, (Lichtenstein ich komme), eine wünschenswerterweise gerade 18 gewordene traummaßgebeutelte, mindestens aber 15 Jahre jüngere Frau, ein Wagen, der definitiv zu cool ist, um ihn noch umweltfreundlich nenne zu müssen). Es ist wirklich unfassbar oft ein Werber, oder jemand der gerne eine wäre, hinter dem blassen Schein jenes Gerätes, bei dem Weniger, pardon, Klarer mehr kostet. Und nicht weniger oft benötigt er Aufmerksamkeit, Bewunderung und – so eine Schmach – eine (eigene) Idee. Dummerweise hat ihm aber beim Verkaufsgespräch oder in der Selbstliebegruppe seines favorisierten Markenartiklers niemand darauf hingewiesen, dass Ideen, Kreativität, Eigenständigkeit, ein eigener Wille, selbstständiges – besonders unabhängiges – Denken, ja eine verdammte Persönlichkeit nicht als App verfügbar sind. Was also nun tun? Schnell mal die üppig vorhandenen  „Freunde“ auf Facebook abchecken? Ach nein, geht nicht, die sind schließlich gerade dabei, ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen oder sich gegenseitig den Arsch zu lecken – und das gut zu finden. Wo soll nur die entscheidende Idee herkommen? Weder Jean-Michelle noch Café del Mar bringe Rat, also hilft nur noch eins: Ablenkung! Da vorne sitzt ein Feind. Man erkennt ihn schon daran, dass man ihn kaum erkennt. Ein Gesichtsloser, der sein Fenster geöffnet hält, wie kann er nur? Schließlich ist es die Verschlossenheit, die verschworene Einheit, das Wissen um die bessere, die wegweisende und vor Allem nur Eingeweihten erschließbare Technologie, die spießige Besserwisser zur Elite macht. Um Himmels Willen, was wäre, wenn jeder plötzlich einsähe, welch Potential in dieser Geheimwissenschaft steckt? Wäre der Eingeweihte plötzlich gar kein Opinion Leader mehr? Gäbe es von jetzt auf gleich keine Front mehr, die es aufrecht zu erhalten lohnen würde? Woher sollte der minderbemittelte, Faulobst liebende Existenzialist nur die Abgrenzung nehmen, die er doch so arg für sein leider zu kurz, zu klein geratenes, ... aber lassen wir das, ... für sein – und es ist fast immer ein „er“, wie auch immer geartetes Ego benötigt? Tja, scheiße. Sehen wir es einmal positiv. 

Aber erst im nächsten Teil der Apfelsaga ...

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Mi

23

Sep

2009

August-Pamphlet

 

Ich denke, glaube, bin im Ernst überzeugt zu wissen, dass es unter allen kreativen Menschen auf der, sich den Luxus um so etwas Nebensächliches, da nicht vordergründig  Lebenserhaltendes kümmern zu könnenden, Welt einen wesentlichen Teil – bestimmt gut die Hälfte – gibt, die essentiell arbeitsscheu sind. Und ich spreche hier nicht von Architekten, Werbern, sonstwie gedacht oder gewollt Gebrauchskreativen, die sich das Leben mit dem existenziellen Zwang zur Hölle machen, einem tumben und nicht ansatzweise nach Genius verlangenden mobartigen Markt, verkaufsfertige Ideen liefern zu müssen. Es geht mir nicht im Entferntesten um jene, die ihr Geld, ihren Lebensunterhalt mit dem Generieren von Ideen verdienen, die man in Perfektion zum Ankurbeln der regionalen, nationalen, globalen, ja von mir aus dereinst multiplanetaren Geldmaschinerie  nutzen und missbrauchen kann.

 

Ich möchte eine zittrige, aber aufrechte Lanze brechen, für jene Freigeister, die im fahlen Zwielicht einer flitterigen RGB-zerschredderten Dokusoap auf schmuddelig abartigen Sendern, welche den Erstgenannten ihren Lebensunterhalt auf gleich zweierlei Arten erhalten, nur unzureichend und milieugerecht beleuchtet werden.

 

Wie oft wird der, wider besseren Wissens, hässlich verliftete Mundrest – so weit noch möglich – art- und standesgerecht verzogen, über diejenigen, die an der eigenen Wand zum über Umwege bezahlten Hängen gekommen sind. Wieviele Menschen schmücken sich, niemals vorhandenes Wissen und einen niemals zu erreichenden kulturellen Stand vortäuschend, verbale Dissonanzen nicht nur erzeugend, sondern auch mangels Gegenwehr enervierend und über seines Gleichen multiplizierend in die Welt tragend, mit der persönlichen Bekanntschaft dieses unfassbaren Genies, welches der Kunstwelt doch ach so viel zu geben habe, sich selber jedoch niemals von seiner eigenen, schicksalsbehafteten und somit kunststiftenden Biografie wird lösen können. Die Tragödie einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung ist nach wie vor einer der besten Aufhänger für nicht weiter das Ego belangende Gespräche in einer Gesellschaft, die nichts Höheres gelernt, nichts Geileres kennen gelernt hat, als das monumentale, totale, persönliche Scheitern eines Individuums zum höchsten Gut zu stilisieren. Was gibt es Schöneres, Erbauenderes und vor Allem Sichereres, als einem anderen aus sicherer Entfernung zuzusehen, als zu applaudieren, dem beinahe beneidenswerten, da in naher Zukunft berühmten, im Optimalfall sogar unsterblichen Delinquenten gar in gespielt devoter Zuneigung zu huldigen, wie sich dieser in hilfloser Agonie seines schlicht um Existenz bemühten Tuns abrackert, seine Profession in Übereinstimmung mit einer adäquaten

Überlebensart zu bekommen.

 

Maler, Zeichner, Schriftsteller, Musiker, Bildhauer – alle sich selbst Ausdrückenden, Ihr Innerstes zu Äußerst Kehrenden, ihrem ganz persönlichen Drang nach Ausdruck ihrer noch viel persönlicheren Freiheit und Gefühle Strebenden – alle Künstler im Wortsinne, welchen unsere Gesellschaft durchaus diesen scheinbar privilegierten Namen - man muss sagen diesen vorsätzlich erhabenen Status – in ihrer ureigensten Gnade und Großzügigkeit zugesteht, sind hier auf eine Art, einem gefühlten Stand vereint, der sowohl ihren bipolaren Status in einer schizophrenen Gesellschaft, die zwar der sie dokumentierenden und kritisierenden Kunst bedarf, nach ihr als bleibendes und erhebendes Element dürstet, aber genau so viel Abstand von ihr nimmt, wie die Norm es gebietet, um die Kunst erst als Kunst anerkennen zu können, als auch ihre Protagonisten in einer Art verdammt und gleichzeitig voyeuristisch, absolut um ihre vermeidlichen Freiheiten beneidend beobachtet,    

dass ein in diesem bürgerlichen Umfeld normales Leben – nach dem auch Künstler mitunter dürsten – kaum oder gar nicht mehr möglich ist.

 

Paradoxerweise bin ich überzeugt davon, dass es eben nicht die Tatsache des Ausgestoßenwerdens ist, die Künstler in Scharen zu Anhängigen von Drogen unterschiedlicher Couleur macht – nebenbei für die Gesellschaft in ihrer Masse erwähnt, nicht ansatzweise zu verwechseln mit Abhängigen. Der anerkannte oder selbstbestimmte Pariah kann bestens ohne Drogen auskommen, hat er doch die Anerkennung der Massen, kritisch oder schlicht konsumierend – wobei erfahrungsgemäß erstere elitär-schwachsinniger, letztere breiter aber nicht weniger schwachsinnig, wenigstens in Bezug auf Kunst ist.

 

Es ist die anfänglich genannte Scheu vor Arbeit.

In der Tat hat wohl jeder kreative Geist unendliche viele kreative Ideen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Quasi immer.

 

Kaum eine – immer auf die Masse gesehen (die mitunter auch aus 3 meinungsbildenden Kritikern bestehen kann) – dieser Ideen wird jedoch tatsächlich genutzt, soll heißen umgesetzt, verarbeitet, verwirklicht, erlebbar gemacht. Kein wahrhaft kritischer, insbesondere selbstkritischer – und mit den Mindestanforderungen an einen reflektierenden Menschen gesegneter, unabhängiger Geist, wird beispielsweise einem lediglich von Geltungssucht, gepaart mit einem übersteigerten Ego und der nachvollziehbaren Tendenz zum eigenen Überleben mittels Einsatz seiner beschränkten Mittel getriebenen „Künstler“ wie Jonathan Meese unterstellen, an einem Übermaß an Inspiration oder Wahrhaftigkeit zu leiden. Hier muss nichts raus. Hier will ein Individuum überleben, hat verstanden, wie man es wahrnimmt und spielt das Spiel mit. Und das funktioniert wunderbar. Das Individuum lebt, die Idee ist tot, oder auch niemals in die Reichweite einer Geburt geraten.

 

Der Künstlertypus über den ich hier spreche, ist von einer ganz anderen, durch und durch triebgesteuerten Art. Ihm wohnt eine Fähigkeit – welcher Ausdrucksart, welcher Kunstform sie auch immer sei –  inne, gepaart mit der unbändigen Lust diese ausdrucksstark auszuleben; sich nicht durch den ungezügelten Ausdruck seines Schaffens ein sorgenfreies Leben in finanzieller Unabhängigkeit zu verschaffen, sondern schlicht zu überleben, indem er sich ausdrückt; die Barriere zwischen der permanenten – und ich meine permanenten im Sinne von immerzu existenten und drängenden – Gedanken- und Ideenebene zu überwinden; die eigene Faulheit in den Schatten zu stellen.

 

Und genau an diesem Punkt kommen die – wie auch immer gearteten – Drogen ins Spiel. Fälschlicherweise ist die allgemeine Wahrnehmung, dass Musiker, Maler, Künstler im Allgemeinen zu Drogen tendieren, weil sie den Kick bräuchten, die Visionen, die körperfremde Substanzen ihnen erst ermöglichen. Ich behaupte reinen Gewissens und freien Herzens, etwas anderes. Die meisten Getriebenen, die Majorität der Künstler – so wie wir sie bezeichnen, kategorisieren und abstempeln würden – wie ich sie kenne, braucht und benutzt die Drogen, sei es schlicht und im überwiegenden Maße der Alkohol, als auch Gras oder im seltensten Falle Schlimmeres, für genau einen Schritt. Nicht um Ideen zu finden – was zumeist ein völlig schwachsinniger Weg ist. Nicht um sich von seiner Umwelt abzugrenzen oder gar in andere Sphären abzutauchen. Es ist um ein Vielfaches simpler, pragmatischer und entmystifizierender:

Die meisten Künstler benutzen die Drogen, um anzufangen zu arbeiten. 

Um den ersten Schritt zu machen, mitunter belanglose Vorarbeiten zu beginnen.

Um das oft wahrhaft langsame Vorkommen spannender, lustvoller zu gestalten, die eigentliche Arbeit im Wortsinn vorzubereiten und in handwerklichem Sinne den Grundstein für das große Ergebnis zu legen.

 

Eben: Um den Schritt vom schlichten, ungreifbaren Gedanken – den wir alle, alle, alle – ständig und immerzu haben, mit uns führen, weiter denken und schlussendlich zumeist verwerfen – umzusetzen. In eben jenes großartige Kunstwerk, welches viele von uns erdenken – ungedacht der zweifelsfrei nötigen  aber durchaus mitunter auch anzuerlernenden Fähigkeiten – aber nur wenige in die Tat umsetzten.

 

Ende Teil I

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Do

10

Sep

2009

Worte über Ché ...

Che Guevara –

der Mann mit dem Putsch-Fimmel rät!

Für einen ordentlichen Haus-Putsch

oder einen Putsch-Anfall benötigt man:

 

1 Schüssel Silvester-Putsch

1 Putschlappen

1 Putscheimer

1 Tube Putsch Buin

1 Putscheblume

1 Flasche Putschkin-Vodka

1 Creme gegen Putschteln

1 Packung Aufputschmittel

 

Als Partner empfehlen wir Vladimir Putschin

 

Und wenn die Aktion „Putschmunter“ funktioniert,

ist die alte Regierung putsch!

Und dann auf zur Putsch-Fahrt.

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