Do
12
Jan
2012
Am anderen Ende der Welt sitzt ein sich selbst wiederholender Schriftsteller und weiß genau, dass es mich auch gibt. Ich reiche Dir die Hand, mein Bruder.
Do
12
Jan
2012
Einen Zugang zum eigenen Ich zu bekommen, einer gesättigten Masse gerecht werden wollend, angesichts auf einen hereinströmender Fluten, ist nahezu unmöglich - nimmt man das ursprüngliche Unterfangen aus Zeile eins derart ernst, wie man das zweitgenannte zu hassen bereit ist. Gab es auch zu allen Zeiten jene Gedanken, opferbereiten, ja im Wortsinne selbstlosen Menschen eine Art oberflächliches Denkmal zu setzen, vergas man bei aller Heldenverehrung mit einiger Zuverlässigkeit stets, die Frage nach dem Kern des Wesens des so Verehrten, dergestalt zu stellen, ob nicht auch genau jener Handlung ohne scheinbar eigenen Profit, ein individuelles Belohnungssystem innewohnt, welches den vermeidlichen Helden erst befähigt, seinen Dienst am Allgemeinwohl zu verrichten.
Keinesfalls die wohltätige Tat in Abrede stellend oder in die Nähe egoistischen Denkens rückend, gebe ich schlicht zu Bedenken, das sogar der reinste und viel zu selten auftretende Altruismus sein ganz eigenes psychologisches Motivationsprogramm mitbringt. Das Helfen an sich kann für dementsprechend emotional Determinierte ein Suchtpotential sondergleichen darstellen, welches des schlichte, von Gier angetriebene Streben nach dem "Mehr" nicht nur die ebenbürtige Stirn bieten kann, sondern einen so mächtigen Schatten erzeugt, der das Restglimmen der Raffgier leicht erstickt. Und das ist auch gut so. Denn schafft man es, die eingangs bemühte Masse, sich in einer so selbstlosen Form aufopfernd, komplett zu ignorieren, dass es derselben wie der pure Dienst an ihr erscheinen muss, ist man auf einem guten, emanzipatorischen Weg, dem eigenen Weg wohlgemerkt, sich eine Enklave des Ichs zu erschaffen.
Die Möglichkeiten der Freiheit, die sich nun seltsamerweise auftun, sind protegiert durch das staunende, aber auch weitestgehend desinteressierte Wohlwollen der Masse, da man als "Nicht Begriffener", plötzlich so unendlich viel mehr Raum zum Atmen erhält, dass es einen zunächst erschrecken mag.
Der Helfer ist in dieser sich kreativ ausweitenden Blase dem Künstler, der das Ansehen der Masse am Besten nicht nur weitgehend, sondern, um der Freiheit der Kunst und seiner selbst, in Gänze ausblendet, ganz nah. Näher, als man es vermuten könnte. Näher, als jeder der beiden es zugeben würde. Und dennoch schaffen beide auf ihre Weise etwas Relevantes, ja Gemeinnütziges, weitab der gängigen Verhaltensweisen, fernab des gesellschaftlich geförderten, per Dividende belohnten Raubtiersystems. Und im Kern, im Idealfall finden beide das, was so viele verloren glauben: Ihre Bestimmung, ihr Ich. Und ... die Wahrheit.
So
08
Jan
2012
Der Tod, ich glaube ihn in gefühlter Sicherheit noch weit von meiner Person zu wissen, stellt sich, zunehmend von Jahr zu Jahr, immer persönlicher bei uns vor und nicht selten, hinterlässt er bei seinen Stippvisiten unschließbare Lücken in uns und um uns herum. Religiöse Menschen haben es da, ich erwähnt es bereits an anderer Stelle, stets ein wenig leichter, ist ihnen doch die Aussicht auf ein irgendwann stattfindendes Wiedersehen mit der geliebten Person in einer wie auch immer gearteten Form von Jenseits sicher. Aufgeklärte Menschen, Atheisten, Agnostiker, also alle wie auch immer nicht an die Existenz einer höheren Macht, die uns in das Spiel des Lebens gesetzt hat, Glaubenden trifft der Schlag des Verlustes natürlich nicht unmittelbar stärker, als gläubige Menschen. Diese haben jedoch die Chance ihre Trauer auf eine verträgliche Weise zumindest mittelfristig mit Hilfe ihres Glaubens an einen höheren Sinn, einen Plan zu verarbeiten, ja beinahe an die nächst höhere Direktive zu delegieren. Das Bewusstsein einer absoluten Endlichkeit von allem Sein – und ich spreche hier nicht von Energien oder sich in den universellen Kreislauf zurückspeisender Materie – ist für einen Agnostiker wie mich solange kein Problem, wie es theoretisch bleibt.
So
08
Jan
2012
Was Hähme war wird Mitleid sein.
Mi
14
Sep
2011
Wenn der Nächste des Katasterbeamten kein Katasterbeamter ist, wenn die Reblaus sich für
Borkenkäfer schlicht nicht verantwortlich fühlt, ja wenn sogar der Tischtennisspieler im Tennisspieler keinen wenigstens entfernten Verwandten sieht, wer zum Henker soll sich da für irgendwen
interessieren?
Di
13
Sep
2011
Es gibt so herrliche Analogien.
Di
09
Aug
2011
Di
02
Aug
2011
Do
28
Jul
2011
Liebe extremistisch verblendeten Religionisten, geistesgestörte Weltverschwörungstheoretiker, vollverspackte Egobomber, staatterroristische beauftragte
Folterknechte, Möchtegernherrscher mit diktatorischen Ambitionen und Artverwandte.
Ich möchte Euch hiermit mit sofortiger Wirkung dazu aufrufen, Euch zu organisieren. Gründet einen Club, eine Website, ein Forum, eine Plattform, eine
Selbsthilfegruppe, was auch immer. Schließt Euch auf jeden Fall baldigst zusammen und sucht Euch eine unbewohnte Insel irgendwo auf der Welt. Dorthin zieht Ihr dann in eine Kommune der Bekloppten
und Asozialen und tauscht Eure jeweiligen Phobien mit gleich oder ähnlich Gesinnten aus. Hier findet Ihr dann auch jene Zuhörer, die Ihr so schmerzlich vermutlich seit frühester Kindheit vermisst
und die Ihr stellvertretend von der von Euch terrorisierten Weltöffentlichkeit einfordert. Ihr könnt vor Ort dann Eurer kranken Neigung nachgehen, Menschen zu sprengen, zu erschießen, zu foltern,
zu vergewaltigen, zu quälen und schlicht zu töten. Nur sind es in diesem Fall keine unschuldigen Menschen, die Ihr sinn- und wahllos zur Hölle verurteilt, sondern "Menschen" wie Ihr selber. Die
müssten ja im Umkehrschluss, ob ihrer eigenen Veranlagung, einverstanden sein mit Euren wie auch immer gearteten und komplett sinnbefreiten Taten und stehen Euch bestimmt gerne hilfreich als
Opfer zur Seite. Also bitte, folgt meinem Rat und lasst die Welt mit Eurer infantilen Scheiße in Ruhe. Wir interessieren uns nicht für Euch und Angst haben wir schon lange keine
mehr.
Ehrlich, ich habe Euch und Eure peinlichen Taten einfach nur satt, Ihr unwichtigste Randerscheinung einer völlig fehlgeschlagenen Mutation der
Evolution.
Schleicht Euch!
Di
12
Jul
2011
Mi
15
Jun
2011
Di
14
Jun
2011
Doppelt einsam oder einfach geborgen – eine schlichte Frage des Standpunktes:
Oder: Wie ein Leben seine Schatten wirft ohne es zu wollen.
Jeder Mensch steht im Laufe seines – möge es ihm von Herzen beschieden sein – langen Lebens augenscheinlich mindestens zweimal unumstößlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der ihn umgebenden Gesellschaft. Das ist wenn er geboren wird – und wenn er stirbt. Es mag menschliche Schicksale geben, denen würde man voller Traurigkeit nachsagen, daß sie schon bei der Geburt einsam gewesen sein müssen, sowie sie vielleicht auch gestorben sind. Und nicht immer ist uns klar, was es bedeutet, einsam zu sein oder sich zumindest so zu fühlen. Aber immer ist dieses Empfinden subjektiv, bewertend, die Außensicht einer vermutet fremden Existenz.
Tatsache ist, kein Mensch kann einsam geboren werden. Niemand kommt alleine auf diese Welt. Mindestens ein Mensch steht ihm in dieser Stunde zur Seite, wenngleich es natürlich leider vielerlei Gründe gibt, warum diese Bindung eventuell nur ungebührlich kurz anhält. Wie sich das turbulente Leben des Einzelnen bis zu seinem Ende in Sachen Einsamkeit oder Gesellschaft geriert hängt von so unendlich vielen Faktoren ab, wie Menschen nur unterschiedlich sein können – und noch weit darüber hinaus.
Die landläufige Meinung, wie es diesbezüglich mit dem unausweichlichen Ende aussieht, ist nicht minder konträr und mannigfaltig diskutabel. Doch ich wage die These, daß – ebenso, wie niemand alleine auf diese Welt kommt – kein einziger Mensch wirklich einsam wieder von ihr geht. Ich beziehe mich hier weder auf die physischen oder krankheitsbedingten Umstände, noch auf das bestimmt singuläre Gefühl des Sterbenden in seinen letzten Momenten. Letzteres kann durchaus derart gelagert sein, dass er oder sie sich absolut alleine fühlt. Aber auch das – so behaupte ich – ist eine Frage der Einstellung zum eigenen Leben, was ich im folgenden gerne näher erläutern möchte.
Um eines schnell abzuhandeln: sicher gibt es hier auch die Gruppe derer, die sich einem Gott, welcher Couleur auch immer, nahe wähnend, ohne Angst in ihre letzten Atemzüge begeben. Die Menschen, die ohnehin fähig sind, sich der Gefahr einer wie auch immer gelagerten Einsamkeit gar nicht erst preis zu geben, weil sie schließlich ihren vermeindlichen Schöpfer auf ihrer Seite glauben. Vielleicht haben diese Menschen es beim Sterben sogar am Einfachsten von allen, da sie einen Teil ihrer Eigenverantwortung Zeit ihres Lebens zu einem guten Teil an eine für sie bestärkend wirkende Vorstellung abgegeben haben, weil sie sich geleitet fühlen und somit sowohl die Entschuldigung für eigenes Fehlen, als auch Trost für fehlendes Sein direkt in sich tragen. Nicht zuletzt, weil sie daran glauben, das gelebte Leben wäre zu etwas nütze gewesen. Quasi die Qualifikation, das Sprungbrett für das nächste jenseitige Leben, welches mit den verdienten Belohnungen der so sauer erworbenen Fleißkärtchen aufwartet.
Auch das natürlich Theorie. Aber: Eine recht bequeme Vorstellung – die automatische Existenz eines Lebens nach dem Tode direkt inbegriffen – was einem definitiv einen Großteil der definitiv natürlich latent vorhandenen, bzw. dann real aufkommenden Angst nimmt. Einer Angst die unter anderem daraus resultiert, die eigene Existenz als vergänglich und somit in einer endgültigen Art als belanglos akzeptieren zu müssen. Das will eigentlich niemand. Auch das ist verständlich.
Areligiöse Menschen, wie gelagert ihr Unglaube oder die Unfähigkeit an eine Art Digestif des Lebens zu glauben auch immer sein mag, haben da grundsätzlich ein größeres Problem zu bewältigen. Man stirbt und dann ist man tot. Punkt, Ende, aus. Und eigentlich, wenn man es mal ganz genau nimmt, nur in diesen Fällen stellt sich eigentlich die Frage, bin ich alleine, fühle ich mich alleine, will ich vielleicht sogar alleine sein, wenn ich sterbe? Letztere Frage klammert sich für religiöse Menschen im Allgemeinen übrigens auch von vorneherein aus. Selbst wenn ich hier allein sein wollte, könnte ich es beispielsweise als Christ nicht. Es sei den natürlich, ich beginge Selbstmord, doch sogar in diesem Fall erwarten mich ungewollte Schwierigkeiten. Da kämen dann ganz andere, die mir zur Seite stünden. Bleiben wir also der Einfachheit halber beim natürlichen Tod.
Die Angst vor dem einsamen Sterben wohnt uns wahrscheinlich zum größten Teil allen inne. Das scheint menschlich zu sein. Und auch begründet. Denn wievielen Menschen ist es schon vergönnt (so sie es denn wollen) im Kreise von geliebten oder zumindest gewohnten Menschen den letzten Atemzug zu tun. Früher war diese zumindest definitiv häufiger der Fall, als heutzutage. Gesellschaftliche Veränderungen seien hier einmal schlicht akzeptiert, denn angeprangert. Doch nehmen wir hier nun einmal den vermeintlichen Idealfall, des Versterbens in einer Runde vertrauter Menschen an, so wird uns auch diese Tatsache mitunter nicht das Gefühl nehmen, am Ende doch ganz alleine zu sein. Die Gewissheit des Endes an sich ist es, die uns derartig abschweifen lässt von der eigentlichen Tatsache. Und die lautet meines Erachtens nach, absolut keine Allgemeingültigkeit beanspruchend, wie folgt:
Wer immer ein erwachsenes, soll heißen längeres, Leben gelebt hat, sei es aus seiner Sicht gut oder schlecht gewesen, hat auf seinem Weg immer mit Menschen zu tun gehabt. Und diese Menschen waren einem gewogen, gleichgültig gegenüber gestimmt oder auch feindlich gesonnen. Es hat darunter aber immer, bei jedem oder jeder den Einen oder die Eine gegeben, ob man ihn oder sie erkannt hat oder auch nicht, der oder die einem ins Herz gesehen hat, der oder die einen geliebt hat, der oder die einem Mitgefühl entgegengebracht hat, der oder die einen aus einer misslichen Lage befreit oder schlicht geholfen hat. Und hat man genau das einmal erkannt, gespürt, erlebt, genossen, ist es unmöglich, dieses Gefühl – besser noch – diese wahrhaft geschichtliche Tatsache jemals wieder zu verdrängen oder ungeschehen zu machen. Selbst wenn krankheitsbedingte Besonderheiten dazu führen, dass wir uns dessen unglücksseligerweise nicht mehr zu erinnern vermögen, sollte es uns ein Trost sein. Und das bereits zu den Zeiten, da wir es wahrnehmen, genießen und uns dessen gewiss sind. Wir werden niemals einsam sterben können, weil es irgendwo auf dieser Welt einen Menschen gab oder gibt, der sich an uns erinnert hat oder erinnern wird.
Genauso verhält es sich umgekehrt. Es ist unmöglich im Definitionssinn belanglos oder gar sinnlos zu sterben, solange man sich an einen Menschen erinnert, sich ihm nahe fühlt. Und sei es auch nur ein Gedanke, ein Gefühl, ein Moment. Wir sind das Gedächtnis der Welt. Menschen existieren, weil wir sie wahrnehmen, weil wir an sie denken. In meiner ganz persönlichen Anschauung funktioniert dies übrigens auch mit Tieren. Ich weiß, dass ich auch damit wieder Zustimmungen verliere, aber das macht es ja nicht unwahrer. Gewöhnen wir uns doch einfach daran. Sterben ist für viele eine einsame Sache, für andere aber eben nicht. Sterben ist in jedem Fall eine sehr persönliche Sache. Für mein Dafürhalten exakt die letzte und vor allen privateste Sache überhaupt. Wenn es perfekt wäre, sollte jeder den Moment seines Sterben selbst gestalten, für sich erlebbar machen und vor allem bestimmen können. An dieser Stelle sei – nur nebenbei erwähnt – ein klares Ja zur selbstbestimmten Sterbehilfe und seinen Geschwistern von meiner Seite abgegeben.
Der Grund warum ich mir nun all diese Gedanken mache, so sie denn nicht schon lange in mir gären oder das ohnehin in jedem tun, und nur darauf warten, an die Oberfläche vorgelassen zu werden, sich den Weg an die Oberfläche des Bewusstseins verschaffen, liegt definitiv in meiner Natur begründet, aber speziell ausgelöst vom kürzlichen Tod meines geliebten Vaters begründet. Er verstarb zwar nach langer Krankheit, doch über alle Maßen unerwartet und so gesehen für alle Betroffenen, so auch mich plötzlich. Hätte man es gewusst, wäre die Nacht gänzlich anders verlaufen, als so. Hätte man, hätte ich es gewusst, wäre ich da gewesen. Natürlich. Wusste ich aber nicht. Also: War ich es auch nicht. Da. So blieb mir nur der knappe posthume Abschied – immerhin der blieb mir und ich habe ihn auch gebraucht.
Man kann nun also sagen, dass er in der Nacht in dem er – so schließe ich aus dem Geschehenen – das Ende seiner Kraft erreicht hatte, aber letztlich sogar selbst bestimmt beschloss zu gehen, alleine war – physisch. Die Details lasse ich aus und vertiefe meine Gedanken, die mit Sicherheit auch ihren Teil dazu beitragen, es für die Hinterbliebenen, mich eingeschlossen, erträglicher zu machen. Doch – und nun komme ich zum Kern meiner Überlegungen – wie kann ein Mensch, der sich der Erinnerung unzähliger – und es wäre egal, sei es auch nur ein einziger – gewiss sein konnte; der sich Zeit seines Lebens als fürsorgender, liebender und vorausschauender – und es wäre sogar egal, wäre es anders gewesen – Vater und Ehemann erwiesen hat; der das Prinzip Leben und Leben lassen – und es wäre sogar egal, wäre er restriktiver gewesen – aktiv gelebt hat; der mich gelehrt hat, dass man jeden respektieren muss und niemanden gegen seine Willen beugen darf; wie kann so jemand jemals – und sei es am Ende seines Lebens, sei es gerade in der Stunde seines Todes – alleine sein? Ich könnte beinahe noch weiter gehen und sagen, wie kann so jemand nicht weiterleben in denjenigen, die ihn kannten, ehrten, schätzten, liebten? Warum sollte er Angst vor dem nahenden Tod empfinden? Und doch bin ich sicher dass er sie empfand. Und hätte ich alles geahnt, hätte ich neben ihm gesessen und alles gegeben um sie ihm zu nehmen. Denn er hätte sie nicht nötig gehabt. Er hätte stolz sein können, denn er war definitiv nicht allein. Ich war bei ihm – und das schon zu Lebzeiten. Ewigkeiten. Wahrheiten.
Ich kann hiermit bezeugen, mein Vater war – was mich ganz persönlich anging – ob er wollte oder nicht (wobei ich weiß, dass er es nicht wollte und auch doch) nicht alleine in der Stunde seines Todes. Was nun so klingt wie das Nichterfüllens eines Lebenswillens, ist das genaue Gegenteil. Mein Vater war – für mich zum Glück – kein gottesfürchtiger Mann. Und ich – unter anderem ich, und viele andere – ich war bei ihm.
Kein Mensch geht einsam von dieser Welt. Behaltet das im Hinterkopf wenn Ihr mögt. Zumindest bevor Ihr daran verzagt, einsam zu sterben. Und wenn Euch noch Zweifel kommen, sucht denjenigen, der Euch etwas bedeutet und zeigt es ihm oder ihr.
Mo
16
Mai
2011
Do
05
Mai
2011
Man muss es ihnen nur sagen.
Di
05
Apr
2011
Di
05
Apr
2011
Di
15
Mär
2011
Di
08
Mär
2011
Do
03
Mär
2011
Wir zetteln einen Krieg an.
Einen Krieg, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Der jedem Zentimeter des Daseins den Kampf ansagt. Der eine alles hinterfragende Auseinandersetzung auslöst und sich nicht mehr mit faulen Ausreden begnügt. Der ungeachtet persönlicher Ressentiments das gleiche Maß für alles und alle ansetzt.
Ausreden gelten nicht mehr. Nur noch als imperativ geduldete Wortverdrehung für Menschen die etwas zu sagen haben. Und ich wünsche mir so sehr, dass es viele sein mögen, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Ziel dieses Kriegs ist weder Zerstörung noch der Untergang einer eventuell unterlegenen Seite. Wir besetzen dieses Wort, diese ganzen Worte und Worthülsen, die uns bislang nur Unheil und Tod, Schmerz und Unterdrückung beschert haben schlicht neu. Allerdings – und das muss hinzugefügt werden – nicht weniger brutal in der Klarheit ihrer Ergebnisse die sie zu provozieren erdacht sind.
Wir zetteln einen Krieg an und sind uns bereits in derselben Sekunde einer Tatsache bewusst, die den meisten Kriegsherren als unmögliche Option erscheint. Wir wissen klaren Verstandes, dass wir im unumkehrbaren Moment des Entfesselns unserer Kräfte nicht zwangsläufig die Sieger am Ende des selbst gewählten Prozesses sein müssen. Wir sind uns der Möglichkeit des eigene Scheiterns derart bewusst, dass es uns sogar noch mehr dazu anspornt, das alles endlich zu starten. Wir beginnen es, damit es möglichst schnell endet. Und es endet erst, wenn es eine an Absolutheit gemahnende Kontur der Klarheit gewonnen hat. Und eben das lässt uns im Zweifelsfall in der durchaus beruhigenden Gewissheit scheitern, dass wir auch dann gewonnen haben, wenn alles, an das wir bislang geglaubt zu haben dachten, von der Wahrheit über den Haufen gefegt wurde.
Genau hier erklärt sich der Unterschied zu den Kriegen die wir so sehr hassen, die wir – zu recht – fürchten und um jeden Preis vermeiden wollen. Vielleicht klingt Krieg in diesem Fall sogar zu harsch, zu gewalttätig im herkömmlichen Sinne – denn das was wir hier tun IST gewalttätig in seiner Natur. Vielleicht klingt es zu primitiv, was es im Wortsinne ja auch ist. Vielleicht löst es eine Angst aus, die keinesfalls zu unterschätzen ist. Wir treten nicht gegen einen Gegner an, den wir von vorneherein als Schurken ausgemacht haben, der so unfassbar offensichtlich Unrechtes, ja Böses tut – auch wenn sich die Nennung dieses „Bösen“ an sich, durch die Dummheit eines amerikanischen Ex-Präsidenten religiös überhöht, inzwischen in zivilisierten Kreisen geradezu verbietet – dass wir uns eine Art Welten verbrennenden Satan vorstellen müssen, um diesem Gefühl überhaupt den Hauch einer Körperlichkeit zu geben.
Nein, wir zetteln einen Krieg an, dem wir – auch wenn wir mit wehenden Fahnen untergehen sollten – nur als Gewinner entkommen können. Dieses verschlissene wie beschissene Wort vom „Scheitern als Chance“ gewinnt plötzlich eine neue, vielleicht eine erste Qualität überhaupt. Natürlich wird es schmerzlich, natürlich tut es weh, natürlich werden wir uns schämen und fragen, ob das wirklich wir sind, die das alles getan haben, insbesondere vor dem Krieg. Es wird – was die gefühlten und realen Rahmenbedingungen angeht – ganz so sein wie in einem herkömmlichen, todbringenden, Krieg. Nur eben ohne Tod.
Damit wir uns nicht falsch verstehen. Wir brechen diesen Krieg nicht leichtfertig vom Zaun oder setzen niedere Ziele in den Fokus unseres Interesses. Dieser Krieg ist unausweichlich, wollen wir Gerechtigkeit schaffen. Wir wollen daran wachsen, lernen, zusammen finden. Das Ziel dieses Krieges darf und wird niemals das des bloßen Bereicherns einer Seite sein. Kriege die dies intendieren lösen über kurz oder lang neue Kriege, immer verhehrendere Kriege aus. Ganze Bürgerkriege beruhen auf der schlichten wie offenbaren Tatsache der Kränkung einer der sich kombattierenden Parteien. Ein unausgeräumtes Detail, eine ungeklärte Erniedrigung kann das Feuer eines jahrelangen Konflikts mit immer frischem Brennholz versorgen.
In unserem speziellen Fall ist dies sogar – eine relativ gesunde Psyche vorausgesetzt – beinahe unmöglich. Ja, es müssen sich hier nicht einmal zwei sich bis auf`s Blut duellierende Seiten gegenüber stehen. Es genügt absolut, wenn sich die Krieg auslösende Seite der behütenden Verantwortung gegenüber der anderen Meinung gewahr ist, sowie der durchaus verstörenden Tatsache, dass sie selber ebenfalls vor Gericht steht. Vor einem absolut neutralen Gericht wohlgemerkt. Denn genau das ist der Punkt. Dieser Krieg soll keine Herrschaftsansprüche durchsetzen, keine territorialen Fehden einseitig determiniert klären, keine kruden Theorien per Macht demonstrierender Gewalt quasi objektiv entscheiden. Dieser Krieg ist ergebnisoffen. Er ist kurz, schonungslos, mit aller Härte ehrlich und letztendlich dient er der Art von Aufklärung, die sich seit ihrer Entdeckung, Einführung, Envoguemachung auf dem abermals unumkehrbaren Rückzug befindet. Er ist der Verfechter eines Gedanken, der Jahrhunderte alt, dennoch aktuell und in jeder Beziehung frei ist. Einem Geist, der sich der Neutralität verpflichtet fühlt.
Einer Neutralität jedoch – und das ist unsagbar wichtig, ja kriegsentscheidend – nur gegenüber Ideen, nicht im vorteilsbedachten Hinblick auf daraus erwachsende Ideologien und deren subjektiver Interpretation. Wir brauchen Ideen, wir benötigen derer so viel. Aber wir haben keinerlei Bedarf mehr an Menschen, die sich dieser Ideen bedienen, um persönlichen Nutzen daraus zu ziehen. Hier sei der gesellschaftliche, gewissen Schichten Vorteil verschaffende Nutzen im Namen einer an sich schuldlosen Idee mitinbegriffen. An Beispielen mangelt es nun wahrlich nicht in der jüngeren wie mittelfristigen Geschichte der Menschheit.
Dieser eine Krieg von dem ich hier spreche, geht niemandem zu Lasten außer dem wohlwollenden Kriegstreiber selber, der die Bedeutung dieses Wortes im Idealfall ad absurdum führt. Dieser eine Krieg ist ein Krieg gegen sich selber und wenn man es niemals erlebt hat, glaubt man nicht ansatzweise, wie brutal, wie bedingungslos, wie existentiell man einen Krieg gegen sich selber führen, gewinnen und verlieren kann. Es geht nicht darum, am Ende den strahlenden Helden, das vordefinierte Ziel, die angestrebte Lösung zu präsentieren. Es geht darum, sich zu lösen von allem Unangenehmen, allem Nachgemachten, allem im Geiste des Gefallenwollens Gesagtem. Es geht darum das Plagiat abzuschütteln, der Gesellschaft endlich den Dienst zu erweisen die sie verdient, oder eben auch nicht.
Es geht einzig und allein darum, man selbst zu sein. Authentisch, ehrlich, aufrecht.
Es geht schlicht um Ehrlichkeit.
* „Und darum zetteln wir einen Krieg an. Und nehmen gerne in Kauf, dass wir damit scheitern. Und alles andere auch. Wir verlieren Boden. Doch sind wir weiter wach. Wir sind stärker als die Nacht.“
*Beeinflusst von Herrenmagazin auf dem 2010er Album „Das Wird Alles Einmal Dir Gehören“
Danke Herrenmagazin
Do
03
Mär
2011
Kein Scherz. habe ich gerade gelesen. Schwarz auf Weiß. Es geht um mich. Nur um mich. Weil mich keiner mehr anmacht. Sonst wär ick ja nich` ick. Ich bin der, der angesprochen wird. Das merke ich deutlich, weil man es mir ja sagt. Und am Ende bleibt dann ein Versprechen. Leck mich! Und wenn das verhallt ist? Was bleibt mir, wenn die Worthülse gesprengt und die Wahrheit freigelegt ist? Wo bleibt der Mehrwert? Warum sollte ich das gleiche Versprechen noch einmal kaufen? Wo ist die Welt, die sich mir eröffnet und mein Leben bereichert, die mich tiefergehend befriedigt, als das Heilsversprechen für die Masse?
WO?
Mi
02
Mär
2011
Do
24
Feb
2011
Do
17
Feb
2011
Do
10
Feb
2011
Was denken wir eigentlich von uns selber, dass wir zu denken im Stande sind?
Glauben wir ernsthaft, dass unser Denken unser Handeln derart beeinflusst, gar steuert, dass wir es in Gänze in der Hand hätten? Unser Handeln? Unser Leben?
Und vor Allem: Denken wir, dass wir es glauben oder umgekehrt? Leben wir unseren Glauben oder unser Denken? Oder leben die beiden uns? Was ist mit Erlebnissen und Gefühlen, an die wir weder geglaubt noch die wir jemals erdacht hätten? Die beiden Schlingel lenken unser Leben doch weit mehr als wir denken.
Daran kann man übrigens glauben.
Di
18
Jan
2011
Fr
07
Jan
2011
Wiederlich werd weder Licht noch wider Willen wieder lichtes Interesse an den hellichten Tag legt. Widerlegbar was weder Anliegen noch Legeware belegter Warenlage ist. Anwidernd was wieder und
wieder zu wider geht, entweder aus Widerstand oder Wiedergutmachung.
Beides hat sein Für und Wider!
Do
06
Jan
2011
Eigenartig.
Je mehr Eigenes ein jeder entfaltet
- aufdeckt -
je eigener er oder sie (in seltenen Fällen auch es) sich entwickelt,
je egozentrischer ein Subjekt die Maschen des Kreises enger um sein selbst webt,
sich also auf seinen unikaten Eigensinn besinnt, und dergestalt Stück für Stück in eigenmächtigem Ermessen zu sich selbst findet,
um so weniger wird er, sie, es mit Verständnis rechnen können,
um so sicherer wird er, sie, es als eigenartig empfunden werden.
Was er ja auch ist.
Eigenartig.
Mi
05
Jan
2011
Mo
06
Dez
2010
Mo
06
Dez
2010
Dezember 2010.
Die Welt ändert sich. Aber eben auch nicht schneller, als all die Jahre zuvor.
Denn das würde bedeuten, dass sich die Menschen selber in einer so unerfassbaren Metamorphose weiter entwickeln – die Richtung in die das geschehen könnte, sei einmal dahingestellt – dass man hier überhaupt von Fortschritt im humanen Sinne sprechen könnte. Dass sie ein Bewusstsein entwickeln, welches sich grundlegend von dem vergangener Generationen unterscheidet. Aber ist das der Fall? Sind es nicht nur die Mittel und Technologien zur zwischenmenschlichen Beziehungspflege, Kommunikation, Kriegsführung, Verwertung von Rohstoffen aller Art oder Konservierung uns wertvoll erscheinender Güter, die sich verändert, ja gar revolutioniert haben? Jene Technologien vor denen viele Menschen, naturgemäß eher die Älteren, so eine große Angst aufgebaut haben, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes „die Welt nicht mehr verstehen“. Ich denke nicht, dass es meiner Großmutter, geboren 1900, ihrerzeit grundlegend anders ging, als sie das erste Telefon bedient, die erste Autobahn befahren, von der Atombombe gehört, das erste Fernsehgerät gesehen und die erste Rockmusik gehört hat. Sicher ist es für Zweifler legitim nun ins Felde zu führen, dass sich der technologische Wandel noch niemals so schnell in unserem Leben als derart präsent gezeigt hat wie in den letzten 30 Jahren durch die Computerisierung aller Bereiche unseres Lebens. Aber darf ich jene dann an die Revolutionierung der Arbeits- und Lebenswelt durch die Dampfmaschine erinnern? Gut, Walter Benjamin hatte in der Tat keine Ahnung, wie rasant und wie weit sich die maschinellen Möglichkeiten entwickeln würden, als er vom Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit schrieb. Bestätigt sähe er sich dennoch auch heute noch in seinen grundlegenden Thesen, die uns aktuell ein wenig naiv anmuten können, was aber allein unserem geschichtlichen Wissensvorsprung geschuldet ist. Fragen Sie 2110 mal jemanden nach dem Web 2.0, Verbrennungsmotoren oder der Supermacht USA. Wichtiger erscheinen mir im Zusammenhang des Wandels doch die menschlichen Aspekte und Verhaltensweisen, die sich – abseits von der unumgänglichen Versozialmedialisierung mittels facebook und Co. – im Denkmuster doch keinen Deut von einer vortechnisierten Gesellschaft unterscheiden. Werte die sich in Jahrtausenden aufgebaut, als richtig oder falsch, dienlich oder hinderlich herausgestellt haben, nehmen je nach der gerade vorherrschenden politischen Strömung mal ab oder zu, verändern sich in ihrem eigentlichen Kern jedoch so gut wie nie. Junge aufgeklärte Menschen wenden sich im Jahre 2010 erneut und in sogar noch radikaleren Ausrichtungen dem Glauben in all seinen Facetten zu, wertkonservative Strömungen haben Zulauf wie zuletzt in den späten 50ern des letzten Jahrhunderts. Der Papst ist nun im Internet aber ansonsten keinen Deut moderner, Rechts- wie Linksradikale bedienen sich in ihrer Demagogie und Rattenfängerei nun eben auch der Blogs und Foren dieser Welt, ihre stumpfen Inhalte haben dadurch jedoch in nichts an Intellekt hinzu gewonnen. Wie auch! Na und? Was also ist an unserer Lebenswirklichkeit heutzutage, im Jahre 2010, wirklich so verändert, so beängstigend, so neu?
Zeitreise ins Jahr 2004.
Eine Zeit vor Stuttgart 21 und einer wenig präsenten bürgerlichen Streit- und Protestkultur. Hartz IV war noch neu. Schröder ist Bundeslautsprecher der sich selber rotgrün wähnenden Koalition.
Offener Brief an die politische Klasse in Deutschland.
Wir in Deutschland haben mit unserer Gesellschaft einen Punkt erreicht, an dem es geradezu fahrlässig wäre, sich nicht zu Wort zu melden. Es mag sein, dass ich einigen – hoffentlich vielen – unter Ihnen Unrecht tue, wenn ich nicht weiter differenziere und Sie vielleicht allzu leichtfertig und schafherdengleich über einen viel zu groben Kamm schere. Vielleicht ist es aber auch ein Ansporn für all jene Aufrechten und Motivierten, die sich der ihnen übertragenen Verantwortung wohl bewusst sind und sich aus Liebe zur Demokratie und dem Glauben an den sozial gefärbten Staat für eine Karriere als Politiker entschieden haben. Die sich gewappnet sehen, aus der scheinbar überwiegenden Masse fraktionsgleichgeschalteter Parteisoldaten und den aus nacktem Kalkül auf das nächste Wahlergebnis polemisierenden Lobby-Lautsprechern, lauter als bisher hervorzutreten. Jedes Volk bekommt offensichtlich die Regierung die es verdient, heißt es nicht nur so schön, sondern liegt auch in der Natur der Sache. Und genau deswegen liegt es auch an jedem Bürger seine Stimme zu erheben und seinem Unmut Luft zu machen. Sehr verehrte Volksvertreter – so es Sie im eigentlichen Wortsinn denn noch gibt – für mich als Ihr Arbeitgeber ist es an der Zeit Ihnen einige Fragen zu stellen. Sind Sie überlastet? Kann es sein, dass Sie sich Ihren Aufgaben nicht mehr so recht gewachsen fühlen? Nehmen Sie Ihre Aufgaben noch annähernd so ernst, wie es die Sache gebietet? Man kann ja über alles reden. Nur wer seinen Job wirklich mag, kann ihn gut ausüben. Und bitte glauben Sie mir, ich würde nichts lieber sehen, als dass Sie Ihren Job lieben! Nicht erst in der letzten Zeit sieht sich der angeblich mündige Bürger in immer kürzeren Intervallen und mit wachsender Lautstärke mit der – für den ansonsten sehr ambitioniert über alles und jeden die fürsorgliche Gesetzeshand haltenden Staatsapparat geradezu ungewöhnlichen und inzwischen leicht panisch klingenden – Forderung nach Eigenverantwortung und Eigeninitiative konfrontiert. Erstaunlicherweise scheint dieser Ruf umgekehrt proportional dazu anzusteigen, wie sich beispielsweise die Wirtschaft aus ihrer Eigenverantwortung heraus stiehlt. Sicher, es ist einzusehen, dass es Zeit in Anspruch nimmt, sich von hochdekorierten und hochdottierten Expertenkommissionen in der Ideenfindung darin unterstützen zu lassen, sich auszudenken, wie man den zunehmend die Ausbildung von Jugendlichen verweigernden Industrielenkern den drohend erhobenen aber konsequenzlos bleibenden Zeigefinger vorhält. Und das einzig damit diese den Großmut zeigen, wenigstens noch ein paar Steuern in dem Land zu zahlen, dessen Pass sie nicht ohne Vorteil in der eigenen Armani-Tasche tragen und dessen Konsumenten sie ihren Wohlstand zu großen Teilen zu verdanken haben. Aber denken Sie wirklich, es sei eine Lösung den Bürgern nun einmal schnell die eigene Selbstverantwortlichkeit zu verordnen und all jene die ehrenamtlich oder angestellt, in Vereinen, Jugendeinrichtungen oder sonstigen Bildungsträgern auch ohne den hoheitlichen Appell der Politik ihren gemeinnützigen Aufgaben in Sachen Bildung, Ausbildung und Erziehung bereits nachgehen, den Boden unter den Füßen wegzuziehen? Das muntere Kürzen der Mittel zu Lasten der Jugend, die doch angeblich unser größtes Kapital sein soll, scheint als Allheilmittel für sämtliche finanziellen Engpässe zu taugen, die selbstverständlich immer die jeweils politisch anders Gesinnten zu verantworten haben. Es wäre wünschenswert, wenn Sie, liebe auf Zeit Gewählte, den Schneid hätten, Ihre leider allzu oft als hingestrauchelt zu erkennenden Entscheidungen auch mit Rückgrat zu vertreten, anstatt sich selbst und den Wählern ständig die Litanei in die Tasche zu lügen, es ginge wirklich darum, Menschen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Die einzige Perspektive, die Sie wirklich gut herüber bringen ist der peinlich kleine Horizont der nächsten Wahl, an dem die Sonne ihrer eigenen Wiederwahl doch bitte wieder hell erstrahlen möge. Politik ist ein hartes und mitunter unpopuläres Geschäft, keine Frage. Aber wenn Sie schon Mittel zusammen streichen, die Jugendlichen den Absprung in ein geregeltes Berufsleben oftmals überhaupt erst ermöglichen, dann seien Sie doch bitte so ehrlich und reden Sie nicht davon, dass Sie alles für eben diese Jugend tun würden. Die auf neuen Berechnungsarten basierenden und somit leicht bereinigten Statistiken sprechen für Sie, in der Tat. Aber bitte bedenken Sie eines. Das Volk ist mitunter leider und skandalöserweise durchaus ungebildet. Aber nicht dumm! Wissen Sie was? Es ist uns, denen noch etwas an einer gesunden, auf dem Solidaritätsprinzip fußenden Gesellschaft liegt, so etwas von egal, wer aus wessen Partei in welcher nahen oder fernen Vergangenheit was zu verantworten, blockiert oder angeschoben hat. Es treibt einem die Zornestränen in die Augen, wenn man sieht wie Sie gar haribunt gemischt in immer gleichen Fernsehrunden aufeinander losgehen, sich auf Kindergartenniveau abrutschend gegenseitig vorwerfen, sich die Konsensschüppchen geklaut und in die Konsenssüppchen gespuckt zu haben. Dummerweise mit viel zu viel Empathie ausgestattet, schäme ich mich persönlich für jeden von Ihnen, wenn Sie sich offen, für die geneigte Fernsehnation sichtbar, als nicht fähig erweisen, gemeinsam über ein wirkliches Konzept zu reden, sich auszutauschen und eben das zu tun, was Politik früher einmal per Definition ausgemacht hat. Zu diskutieren auch zu streiten. Durchaus mit Herzblut und Engagement, aber eben auch mit Sinn und Verstand. Und vor allem auf ein dem Volk, den Menschen dienendes Ziel gerichtet. Ihre Streitkultur ist verkommen zu einem bloßen Austausch von Plattitüden. Zuhören – eine unermesslich wichtige und wertvolle Eigenschaft und Grundlage jeder Diskussion, geradezu eine Tugend – scheint nicht mehr möglich zu sein und die oberste Maxime ist, niemals einen, vielleicht noch so gut erdachten Ansatz des politischen Gegners aufzugreifen, es sei denn man schafft es ihn als seinen eigenen darzustellen. Wo selbst Parteivorsitzende sich die Blöße geben, sich lemminggleich in Sekundenschnelle in den sinnentleerten Strudel des gegenstandslosen, ausschließlich auf die Bloßstellung des Gegenübers ausgelegten Gesprächs hinein zerren zu lassen, ist nur noch wenig Raum den Bürgern ihre Eigenverantwortung begreiflich zu machen. Bekommen sie doch tagtäglich die pure, zur Schau gestellte Verantwortungslosigkeit wahlweise via TV und Zeitung oder Internet frei Haus geliefert. Geben Sie den Menschen endlich wieder etwas Substanz. Wundern Sie sich nicht über zurückgehende Wahlbeteiligungen, stellen Sie sich Ihrer Verantwortung und begreifen Sie, dass es in Ihrer Macht steht den Bürgern Demokratie wieder schmackhaft zu machen. Präsentieren Sie die Alternativen jenseits der Wahl zwischen Orange und Apfelsine. Zeigen Sie, dass Sie mehr auf dem Kasten haben, als das unwürdige Schlamm-Catchen. Das will keiner mehr sehen. Seien Sie mehr Arte als RTL. Und Frau Christiansen würde endlich wieder der mittlerweile alle Sendeformate erstickenden Aura des Boulevards entkommen, wenn Sie wieder Politikern an Stelle von tumben Wahlkampfrobotern ins Wort fallen könnte. Hören Sie auf sich über die steigenden Wahlerfolge der extremistischen Parteien zu echauffieren und begreifen Sie, dass diese Entwicklung so lange voran schreiten wird, wie Sie sich nicht in der Lage zeigen, den Menschen klare rechtsstaatliche Alternativen aufzuzeigen. Sie sind nur im Zweitberuf Schauspieler, gehören nicht ausschließlich zum Jet-Set und sollten der Industrie das Wasser nur so weit tragen, wie Sie damit keine Flutkatastrophe unter der Bevölkerung des Landes anrichten, welches Ihnen das Vertrauen geschenkt hat. Ich beneide Sie nicht um Ihren Job und es ist zweifelsfrei, dass es einfachere, unbelastendere und mit einem geregelten Feierabend gesegnetere Berufe gibt, als den Ihren. Aber wie der mündige Bürger die im Rahmen seiner sozialen Determinierung eine absolut freie Wahl hat, so haben auch Sie sich einst aus freien Stücken für diesen Lebensweg entschieden. Also fordere ich Sie vehement dazu auf, dieser Entscheidung den nötigen Nachdruck zu verleihen, in dem Sie wieder ernsthaft ans Werk gehen, sich den Problemen der Gesellschaft und des Landes mit aller Kraft stellen und den Bürgern beweisen, dass es sie noch gibt, die verantwortungsbewussten Denker und Lenker. Wer dies zu tun nicht bereit ist, sollte lieber die Seiten wechseln und ausschließlich als Kreuzchen machender Wähler seine ganz persönliche Verantwortung wahrnehmen. Lassen Sie diejenigen durch, die mit Leib und Seele für das Einstehen, für das sie ins Amt gewählt worden sind. Andernfalls haben wir nicht die geringste Chance und keiner wird dieses mal sagen können, er habe von nichts gewusst.
Zeitreise zurück ins Jahr 2010.
Eine Zeit mit Stuttgart 21 und einer wieder erstarkten Streit- und Protestkultur. Hartz IV ist immer noch da. Merkel ist die Bundeslautsprecherin der sich selber noch christdemokratisch und liberal wähnenden Koalition.
Wir sind heute ohne Zweifel ein kleines Bisschen schlauer, im Sinne von erfahrener, als noch vor sechs Jahren, was das Ambivalente des modernen Politikbetriebes und seiner Protagonisten angeht. Gab es früher noch oberflächliche aber dennoch Lager bedienende Einteilungen in rechts oder links, die zumindest das Stammklientel bedienten und für eine klare Frontlinie sorgten, reklamieren gerade die Grünen das wertkonservative, gut gebildete und durchaus begüterte Wahlpublikum für sich, während die CDU versucht, ihr verwässertes Profil mit vereinzelten Hardlinern und Lichtgestalten zu schärfen, die sich jedoch genauso im Mittelmaß verlieren, wie die immer bedeutungslosere SPD. Was jedoch schwer im Kommen ist, liebe Freunde von Seiten der Politik, ist definitv das, was Ihr bereits im Jahre 2004 eingefordert habt. Nämlich die Wahrnehmung der Eigenverantwortung eines jeden Bürgers. Ohne jeden Zweifel ist dieses nicht zuletzt durchs Web 2.0 begünstigte Verhalten nicht wirklich das, was Ihr einst placebogleich eingefordert habt, denn schließlich werden nun Eure Entscheidungen und Privilegien angezweifelt, in Frage gestellt und auch schon mal komplett über den Haufen geworfen. Plötzlich sind die Mechanismen, derer Ihr Euch ein ganzes Politikerleben lang bedient habt, vermeidlich nicht mehr fair und demokratisch. Da ist einmal etwas parlamentarisch beschlossen worden und die undankbare Bevölkerung will dennoch hier und dort dagegen aufmucken. Ja gut. Das ist dann wohl das Gleiche wie den paradoxen Ausstieg aus dem Atomaustieg zu beschließen, der ist ja auch mal irgendwie durch das Parlament gegangen und ratifiziert worden. Man könnte fast sagen, liebe Leute, wir sind quitt. Aber das wäre dann doch für beide Seiten zu einfach. Dabei hat gerade jetzt die Demokratie begonnen sich auf ihre ureigendsten Eigenschaften zu besinnen und ein – übrigens nicht geheimes sondern komplett öffentliches – Eigenleben zu führen. Ist das nicht wundervoll? Eine Aktion ruft plötzlich, wie von der Physik gewollt, wieder eine Reaktion hervor. Als hätte sich der Geist befreit vom schlichten Theorem und hinein gestürzt ins wahre Leben. Das Neue an unserer Lebenswirklichkeit anno 2010 ist doch tatsächlich das Bewusstsein. Und hier – das kann ich nun selber akzeptieren oder nicht – haben durchaus die neuen Medien – Technologien – ihre digitalen Finger im Spiel. Haben uns auch immer schon jene Reporter fasziniert, die unter Verleugnung ihres eigenen Lebens in Krisengebieten gestanden haben, die uns subjektiv unterrichteten von Greueltaten, politischen und sozialen Umstürzen und den großen Geschehnissen unserer Zeit. Heute sind wir fast überall in Echtzeit dabei. Und wir haben nun nicht mehr eine subjektive Meinung. Wir haben tausende. Und obschon ich Peter Scholl-Latour oder Klaus-Peter Siegloch immer ihre Unabhängigkeit abgenommen, ihre journalistische Kompetenz bewundert, Jahrzehnte lang an ihren Lippen gehangen habe, waren es dennoch stets Besucher in einem fremden Land. Twitter ermöglicht es heute die Meinungen der Betroffenen zu hören, sie zu mutiplizieren und Ihnen noch vor jeder Presse-oder Regierungszensur der Welt das Gehör zu verschaffen, das sie verdienen. Ich verstehe, kann es mir zumindest sehr gut vorstellen, dass es für einen Politiker alter Schule schwer hinnehmbar ist, plötzlich weder der Erstinformierte zu sein, noch das Kommentarmonopol inne zu haben. Aber, meine Damen und Herren, das ist unsere Wirklichkeit. Das Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Und ich bin felsenfest im Grunde meines demokratischen Herzens davon überzeugt, dass wir auf diesem Weg des schwarmhaften Wissens eine paar Unsäglichkeiten, wie beispielsweise singulär vorteilhafte Absprachen, überwinden können, um der Vision einer freien und offenen Welt näher zu kommen. Und ich sage bewusst Welt, nicht Gesellschaft, denn die Welt die Ihr geschaffen und wir offensichtlich gewollt haben – das beweist unser alltägliches Konsumverhalten besser als alles andere – ist nun einmal eine unumkehrbar globalisierte Welt. Und mit jedem Tag begreife ich ein wenig mehr, müsst auch Ihr begreifen, dass Globalisierung nicht länger nur die Vorteilnahme der Wirtschaft bedeutet, nicht alleine die Einflussnahme der Reichen und ohnehin Meinungsbildenden, nicht bloßes Geldverdienen auf erdumspannender Ebene, sondern das Zusammenwachsen der gesamten Weltbevölkerung. In Sachen Meinung, Willen, und auch Freiheit. Kein Volk der Welt will in Unfreiheit leben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Und hier fallen spannenderweise nun doch zwei bedeutsame Entwicklungen zusammen. Der technologische Fortschritt in Form der weltweiten – zum Glück noch nicht mit national ambitionierten Motiven reglementierten – Vernetzung ermöglicht es Menschen überall auf der Welt – ja, durchaus noch sehr lange mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Auswirkungen – mit anderen, sozial, kulturell, ethnisch oder sonstwie anders gearteten Menschen in Kontakt zu treten, deren Lebenswirklichkeiten zu begreifen und ihre Position zu verstehen. Und während auch die politisch eher harmlosen, gesellschaftlich sogar eher fragwürdigen Plattformen wie facebook ihren im noch größeren Rahmen stattfindenden Siegeszug um die Welt fortsetzen, stellt sich eine globale, durchaus von nationalen Zwängen befreite außerparlamentarische Opposition dazu auf, es vereint und unglaublich kreativ mit den Mächtigen dort draußen aufzunehmen. Wer nun meint, die Bedeutung des Wortes an sich hätte angenommen, braucht ja keine Angst zu haben, allen anderen sei gesagt, das Wort ist das mächtigste Instrument, dessen Menschen überhaupt habhaft werden konnten. Die andere Entwicklung ist jene, die sich weniger global als vielmehr lokal ereignet. Brave, mitunter bislang biedere Bürger erheben genau das Gleiche wie weltweit die Blogger und Twitterer: ihre Stimme. Aus ihren ureigendsten und durchaus egoistischen Bedürfnissen heraus beginnen sie plötzlich zu erkennen, dass die aufs Große ausgelegte Politik zu Gunsten der Konzerne keine Rücksicht mehr nimmt auf den Einzelnen. Es sei denn natürlich, es geht um sein einträglich geclustertes und in Nielsen-Gebiete eingeteiltes Konsumverhalten. Nun gut, was soll`s? Wenn sie das von einem wissen wollen, sollten sie auch nach einer Meinung fragen. Und nun trifft lokaler Unmut auf globale Meinungsfreiheit und gibt dem Individuum, obschon er sich weltweit doch so klein und unwichtig fühlt, den Mut den man benötigt, um sich seiner Bedeutung gewahr zu werden. Bringt man nun die – zumindest in der westlichen Welt weitestgehend verbrieften – Persönlichkeitsrechte zusammen mit dem Bewusstsein, dass, unabhängig von der politischen Führung einzelner Länder, die übermächtig große Anzahl der Menschheit, in Freiheit und Frieden mit anderen leben möchte, kann man sich sehr schnell ein Bild davon machen, was die wahre, wenn auch stille, Revolution ausmacht, die wir zur Zeit erleben.
Dezember 2010.
Die Welt ändert sich. Aber eben auch nicht schneller, als all die Jahre zuvor.
Denn das würde bedeuten, dass sich die Menschen selber in einer so unerfassbaren Metamorphose weiter entwickeln – die Richtung in die das geschehen könnte, sei einmal dahingestellt – dass man hier überhaupt von Fortschritt im humanen Sinne sprechen könnte. Dass sie ein Bewusstsein entwickeln, welches sich grundlegend von dem vergangener Generationen unterscheidet. Aber ist das der Fall? Sind es nicht nur die Mittel und Technologien zur zwischenmenschlichen Beziehungspflege, Kommunikation, Kriegsführung, Verwertung von Rohstoffen aller Art oder Konservierung uns wertvoll erscheinender Güter, die sich verändert, ja gar revolutioniert haben?
Die Antwort liegt auf der Hand! Und wir sind uns dessen sehr wohl bewusst.
Di
30
Nov
2010
In mehr als angespannter Atmosphäre, diese gar nicht bemerkend, und wenn doch sie sogar genussvoll aufnehmend, quittiert der sich selbst als Alphamännchen ausgebende und wähnende Teilzeit-Choleriker jede wohl gemeinte Bemerkung mit selbstzufriedener Mine als Geste devoter Unterwerfung. Ohne Not Druck aufbauend – und irriger Weise im felsenfesten Glauben, seine stets üppigen wie zu hoch gesteckten Ziele in dieser naiven Weise nun doch erreichen zu können – gibt er den bemitleidenswerten Despoten, der auf dem Atemhauch der Angst seinem letzten Röcheln entgegen segelt.
Weiß dieser Mann, dass er die Nummer Zwei ist?
Realisiert er jene zum royalen Machterhalt von ihm selbst installierte Schlange an seinem Busen? Kennt er, der selber doch ach so fest an seine Fähigkeiten zu instrumentalisieren glaubt, die Regeln für sein eigenes, von Allmachtsfantasien beseeltes Spiel, welches er mitnichten als König, denn als – in der Tat – einflussreicher Läufer bewohnt? Wäre es nicht auf eine bedauerliche Art ein gutes Stück weit egal, hätte es eine Relevanz von jener Größe, die Persönlichkeiten, die gewiss zu seinen stets präsenten Vorbildern zählen in die Waagschale hätten werfen können, könnte es eine anhaltende und durchaus auch zu bewundernde Spur hinterlassen.
Doch auch wenn nicht jede Weiche im Leben, einmal gestellt und eventuell – wenngleich aus mitunter zweifelhaften Gründen – bedauert, sich ohne jede Korrekturmöglichkeit zeigt, so sind doch inzwischen dermaßen viele Abzweige genommen worden, dass eine Rückkehr zur Tugend inzwischen unmöglich geworden ist. Zu viele Leichen, zu viele Ängste, zu viele falsche Entscheidungen.
Dem Grögaz bleibt nur seine Paranoia zu pflegen und um sich zu schlagen. Schade drum? Im Prinzip ja, wenn es eben nicht schlicht so unendlich egal wäre.
Di
30
Nov
2010
Globulisierung ... nein, kein Druckfehler. Euer singuläres „global“ ist passé. Es ist so dermaßen passé, dass es mir auch in Zeiten des einst revolutionären FDP-angepassten Neoliberalismus ein Schmunzeln abverlangt. Und zwar gerade deshalb, weil es der Kontrolle des FDP-adäquaten in einer Weise abgeht, dass es einem Freigeist die wollüstige Schamesröte ins Gesicht treibt. Lizensierung, Kontrolle, Zensur. All das ist für uns so vorbei, wie Eure über Bord geworfene Moral.
Schon doof, oder? Da habt Ihr Euch den Weltmärkten gerade erst geöffnet, aller Welt Zugang zu Euren Waren verschafft, dem eigenen Bruttosozialprodukt ein ungeahntes Wachstum vor die gierige Nase und den geöffneten Rachen gehalten, Euren spekulationsgeilen Zockern ein immenses Plus als Köder hingehalten, nur um sich aktuell leidlich peinlich darüber zu mockieren, dass sich heuschreckengleiche Individuen auf Kosten der Allgemeinheit an unser aller Kauflust – letztlich Schwäche – bereichern. Und was macht das im Grunde als unmündig und wehrlos abgestempelte Klatschvieh frecher Weise? Es twittert. Es twittert? Ach Gott, es twittert, ja, harmlos. Na wenn Ihr das denkt, um so besser. Und wieso seid Ihr dann so erbost über Gedanken, spontane Meinungsäußerungen, kleine Wortspiele frei denkenden Geister auf Eure Kosten? Warum um alles in der virtuellen Welt habt Ihr plötzlich Angst vor Wikileaks und Konsorten? Ist doch alles nicht bewiesen. Lasst sie doch, nimmt doch keiner ernst. Mhhh ... doch? Ach gut, ein paar Spinner, aber doch nicht unsere Bürger, unsere Kunden, unsere Opfer.
Wisst Ihr eigentlich, habt Ihr den blassen Schimmer einer Ahnung, wo Ihr Euch Eure Globalisierung hin stecken könnt gegen das was ich erfahren habe durch meine Globulisierung? Durch den kulturellen Austausch? Durch die von Euch niemals zu begreifende Neugier auf das was andere Kulturen – Menschen – wirklich zu sagen, zu geben haben? Ich kann hier uns jetzt sofort die Ultraemotionalität eines mir persönlich völlig fremden Japaners in mein eigenes Gefühl übersetzen. Es packt mich. Oder auch nicht. Ich kann hier und jetzt in Tränen ausbrechen, weil dieser Japaner einen Song geschrieben hat, der meine Lebenswirklichkeit scheinbar nicht minder trifft, als die seine. Es ist ein Song. Kein Konzern. Es ist ein Akkord, eine Textzeile. Keine spekulativ aufgeblasene Annahme in der Hoffnung auf börsialen Profit. Es ist auf seine fiktionalkulturelle Art real. Es existiert. Und, hey, es zerstört keine Existenzen, es bringt mich im wünschenswerten Extremfall zum Weinen, beschert mir einen Moment des Glücks, der Verbundenheit mit einem Gedanken, der auch mir entfleucht sein könnte. Und das, liebe sich selber ad acta legende Wirtschafts-Avantgarde, das ist die wahre Frucht der Globalisierung. Das ist das, was wirklich zählt. Führt den Euro ein, verabschiedet den Euro, öffnet Rettungsschirme, verlacht Eure eigene Diplomatie, schürt Konflikte, schmiedet Allianzen, bespitzelt Eure Bürger, sammelt Daten über Daten, lasst Euch von der Industrie kaufen, leckt der Euch Bauch pinselnden Lobby den unfassbar schmutzigen Allerwertesten, haltet ansprachen, bewerft Euch gegenseitig mit Dreck, benehmt Euch einfach wie immer.
Aber Ihr solltet wahrnehmen, dass die Welt da draußen sich geändert hat. Demokratie hat eine neue Qualität. Der Bürger ist nicht weiter nur gläsern, sondern auch vernetzt. Mit anderen Bürgern, mit Menschen. Und diese Menschen holen sich nun genau das, was Ihr für einer wirtschaftsliberale Kaste vorgesehen hattet.
Liebe Freunde, es herrscht Waffengleichheit, auch wenn Ihr das noch nicht verstehen könnt.
Fr
19
Nov
2010
Mi
27
Okt
2010
Freunde. Lasst Euch doch nicht immer alles sagen. Versucht doch einfach mal Euch eine eigene Meinung zu bilden, wie Ihr es doch eigentlich immer vorhattet.
Und mehr noch: meint Ihr, es könnte Euch gelingen, diese Eure Meinung auch vehement vor Freund und Feind zu vertreten, ohne dass man Euch einfach ausknipst, wie es derzeit Usus ist, Euch umdreht, Euch des Geistes beraubt, den Ihr in mühevoller Kleinarbeit in Eurem Hirn verankert, gehegt und gepflegt habt? Seid Ihr Selbst genug, habt Ihr den Mut, das Durchsetzungsvermögen, die Kraft, diesen Geist? Ich selbst habe da so meine prägenden Erfahrungen gemacht. Daher habe ich große Bedenken und dennoch wünsche ich Euch alles Gute. Alles nur erdenklich Gute. Es profitieren ja alle davon. Auch ich. Ich bin nicht einmal sicher, dass ich nicht vielleicht nur aus diesem egoistisch motiviertem Grund das Wort an Euch richte. Aber, Freunde, es ist machbar. Das weiß ich aus Erfahrung, auch wenn es altklüger klingt, als ich mich geben sollte.
Leider wird aus unserer Konfusion niemals eine Kernfusion. Egal wieviel Druck und Körperwärme sich da auch aufbauen und zu was auch immer verschmelzen mag. Es bedarf leider weit größerer Anstrengung als der wohlfeilen und gewiss anzustrebenden Körperlichkeit, um diesen Kraftakt zu vollbringen. Konfusion ist absolut nicht schlimm, nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Mein ganzes Sein scheint zwischen Konfusion und der ständigen Anstrengung, diese in ein begehbares und erlebbares System zu verwandeln zu pendeln.
Der Verlauf der kleinen Dinge ist - entgegen weitläufiger Meinung – wahrlich und zu meiner absoluten Bestürzung unwichtig geworden. War dies auch nicht immer der Fall, so ist in den letzten Jahren eine – paradoxerweise kleingeistige wie kleingestrige Tendenz festzustellen, die abgeleitet von der Größe der Ereignisse, ihnen ihre Bedeutung in der Geschichte als bloße Randerscheinungen zuweist. Das Amüsante daran ist eigentlich nur die Tatsache, dass sich selbst die explizit als solche ausweisenden kleinen Geister noch immer dagegen zur Wehr setzen, dieses zweifelsfrei verachtenswerte Faktum, als gegeben und unumstößlich anzuerkennen und die Risiken in dieser Tatsache zu erkennen.
Was die Konfusion und das ganze Kleinklein nun mit Eurer Meinung zu tun haben, fragt Ihr? Die Antwort kann ich mir in diesem Fall unfassbar leicht machen: Alles! Eure ganz persönliche Einstellung – nicht anders meine ganz persönliche Einstellung – bestimmen den Gott verdammten Lauf der uns alle umgebenden Gesellschaft und damit nicht zuletzt den – nehmen wir mal die 1. Welt (wo ist eigentlich die 2. Welt?) - der auf das Ausmaß eines Vorstadtkaffs zusammen geschrumpelten Welt. Wer meint keine Meinung zu haben oder bedauernswerterweise in der Tat keine Meinung hat, akzeptiert widerstandslos die Entscheidung anderer. Wer meint sich diese Haltung leisten zu können, hat leider eine absolute Teilschuld zu tragen an dem was mit ihm und mit mir passiert. Und hier nehme ich mir das Recht eine Meinung zu haben. Sauer zu werden, wenn Ihr so wollt. Auf weiche Ziele wie BILD, RTL II, Bohlen oder Volksmusik. Aber auch auf jene – das muss man ihnen durchaus lassen – medial ansatzweise geschulten Agitatoren in einer durchinszenierten Öffentlichkeit. Eben jene, die in Personalunion unsere Regierung spielen – pardon – bilden, als auch das Rollenmodell vorspielen, welches nachzueifern einer ganzen Generation von BWL-Studenten scheinbar per Immatrikulation vorgegeben das höchste Ziel ist.
Unpolitisch zu sein heißt heutzutage eben auch, die Politik derer mitzutragen, die einem das Leben nicht nur schwer, sondern zur Hölle machen. Und das bedeutet wiederum, den kompletten aus freien Stücken bewilligten Verzicht auf Jammern und Meckern. Natürlich möchte ich nicht jeden automatisch an den Pranger gestellt sehen, der den Bauern bei der Frauensuche voyeurisiert oder Schauspielerimitatoren im durchchoreografierten Teenie-Clinch an den Traumständen des Prekariat-TVs erträgt. Aber Betäubung, gleich welcher Couleur, macht eben gleichgültig. Und serielle Sedierung im fälschlicherweise so geadelten Free-TV macht eben zusätzlich auch abhängig. Es ist doch wunderbar, wenn man auf Menschen herab blicken kann, denen es noch schlechter geht als einem selber, die nicht merken wie man sie benutzt, die man belächeln und beklatschen kann, die man per Sofa basierter Spende an die Sendergruppe in einem Moment zum Star hochjubeln und im nächsten Moment in der GMX-Kurzmeldung höhnisch verlachen kann, wenn sie den vorprogrammierten und vom medialen Establishment unbedingt einkalkulierten Absturz hin zu dem vollführt haben, was sie eigentlich waren, nämlich nicht weiter erwähnenswert und leider viel zu leichtgläubig. Man möchte sagen, unvorbereitet.
Wenn man im Kleinen, im eigenen Verhalten nicht gewillt oder fähig ist, dem zu begegnen, was einem im Alltag – und das betrifft jeden einzelnen von uns unmittelbar und so persönlich wie es eben möglich ist – die Parameter vorgibt, soll heißen, den medialen Blendern, den staatsseitig absolut gewollten Dealern einer auf das Äußerste strapazierten Doofmannsunterhaltung nicht das Geringste, also wenigstens Desinteresse, entgegen zusetzen, gibt es wenig Grund zu murren oder sich zu beschweren. Ich möchte hier nicht einmal die fernen Beispiele heroischen Widerstands gegen totalitäre System bemühen, um das Loblied des Kleinen zu singen. Es reicht völlig aus, sich das eigene Desinteresse am ebenso eigenen Schicksal vor Augen zu führen. Sind wir nicht alle irgendwo Stammtisch erprobt, wenn es darum geht Politik zu kritisieren, Missstände anzuprangern, das eigene – scheinbar nicht hinnehmbare aber seltsamer Weise auch nicht zu ändernde Leid zu beklagen?
Egal ob wir unseren Kindern ein passives, obrigkeitshöriges Verhalten angesichts eines sowohl untermotivierten als auch überkapazitären Bürokratenapparetes vorleben; egal ob wir uns mit unseren Freunden nur noch über die debile Programmpolitik indirekt – da pekuniär dafür entlohnter – systemkonformer Hirnweichspül-Sender in Form inhaltsschwerer Diskussionen entladen; egal ob wir uns des öffentlichen Diskurses enthalten, wenn Themen, die uns unmittelbar betreffen das Gemüt der Öffentlichkeit bestürmen. Verdammt, es geht um das Kleine, es geht um das Winzige, es geht um den Moment, es geht um das Jetzt!
Aber was soll`s? Ist es nicht auch eine völlig freie Entscheidung, eine fließend aus sich selbst generierte Meinung, wenn man nichts sagt, wenn man nichts denkt? Ist es nicht das Recht eines jeden, sich der öffentlichen Diskussion zu enthalten, sich ins Private zurückzuziehen? Aber sicher doch. Nur nehme ich dann in Kauf, dass andere für mich das Öffentliche entscheiden. Dass andere für mich das entscheiden, was mein Leben bestimmt. Und hier, liebe Freunde, hier haben wir nun alle die Wahl. Wir haben die Wahl, für das was wir wollen einzutreten, oder zu akzeptieren, dass da jemand ist, der für uns entscheidet. Und dummerweise ist das mit Sicherheit nicht wirklich das, was wir selber wollen würden.
Wenn wir denn etwas wollen würden.
Wollen wir?
Versuchen wir doch einfach mal, uns eine eigene Meinung zu bilden, wie wir es doch eigentlich immer vorhattet. Wisst Ihr noch?
Di
26
Okt
2010
Mo
25
Okt
2010
Ein unglaublich zufälliges Vorhandensein und Zusammenfinden von etwas Materie, verleiht dem vermeidlichen Wunder des Geborenwerdens eine unabstreitbar sagenhafte Aura. Besonders wenn man ein Planet ist. Ein Planet, den unfassbar viele Lebensformen als ihre sinnstiftende Heimat betrachten. Bei näherem Nachdenken wird es nur den Ketzerischsten gelingen hier nicht ins Schwärmen, sondern bedingt durch diesen Umstand ins tiefste Grübeln zu geraten. Als die simpelste aller Fragen kann dann nur noch jene recht unwissenschaftlich formulierte daher kommen: Was soll das eigentlich?
Dankenswerterweise gibt es seit Menschengedenken – und das ist wahrhaftig nicht die Welt, wenn ich mir dieses Wortspiel erlauben darf – jene, die sich anschicken diese Frage auf das übelste verzerrt (und philosophisch weitaus zu hoch angelegt) zu stellen. So weit noch keinen Schaden anrichtend, haben diese mutenthemmten Menschen jedoch die Angewohnheit Theorien aufzustellen. Und als seien sie der eigenen Sprache nicht vollends mächtig, verwechseln sie alsbald die eigenen Theorien, das Ungreifbare betreffend, mit messbaren Ergebnissen.
Ein halbes bis dreiviertel Leben weiter ringen die großen Theoretiker in großer Mehrzahl mit dem eigenen Tode und sind sich der Bestätigung ihrer persönlichen Theorien somit so nah wie nie zuvor. Paradoxerweise jedoch verfallen die meisten von ihnen, ihres sicheren Abstandes beraubt, der einen so mutig werden lässt in Bezug auf das Universelle, zurück auf althergebrachte Theorien ihnen persönlich wie geistig völlig fremder Theoretiker. Ohne sagen zu können, was diese längst vergangenen Philosophen nun im Angesicht des potentiellen Zerbröckelns eigenen Denkens, richtiger gemacht und gedacht haben als man selbst, betet man plötzlich doch jene rituellen Formeln, dessen Richtigkeit man – fast – ein Leben lang angezweifelt hat.
Und ehe man sich’s versieht, ist der Ursprung erstaunlicherweise das geringste Problem mit dem man sich konfrontiert sieht.
Mi
20
Okt
2010
Worte ohne Sinn - ROT markiert.*
Eine ganze Generation hat sich die Wut auf die Fahne geschrieben.
Die wahre Wut, die einen packt. Die einen packen muss, wenn man 20 ist. Wahr ist, wenn Du begabt bist, packst Du diese Wut in schneidende Töne, hämmernde Worte, verschaffst Dir Gehör unter denen, die es ähnlich sehen. Wenn Du genial bist, tust Du denen da oben sogar weh. Du gibst den Nestbeschmutzer, den Stachel im Fleisch – bis die Feuilletons Dich mögen. Dann hat Dich das Establishment und die Kunst ist Dein Beruf. Es gibt kein Zurück für Dich, denn Du bist ewig 20. Bist Du 40 und kein Feuilleton bemerkt Dein Werk, hast Du eine Chance. Du hast die Chance ihnen weh zu tun. Denken die. Du denkst, Du bringst die Gesellschaft nach vorne. Du bildest einen Pol, findest Deinen Platz gleichermaßen in und neben der Gesellschaft.
Aber: Was ist mit der Wut? Du schätzt guten Wein, hast Dich politisiert, kennst die angesagten Künstler, willst Deine Ruhe haben.
Was ist mit der Wut?
Worte ohne Sinn, rot markiert?
Ja. Die gibt es. Ohne Ende. Und Du willst es noch immer. Du willst es noch immer niemandem recht machen, Außer denen, die Du liebst. Und die kennst Du inzwischen ganz genau. Und genau das macht Dich wütend. Das macht Dich wütender, als Du jemals zuvor gedacht hast zu sein.
Schon mal daran gedacht, dass es so etwas wie Generationen nur gibt, um Dir Deine Gefühle vorzugeben? Um Dir Dein Verhalten zu diktieren? Ab 30 wirst Du milder. Ab 40 kurz unzufrieden, dann gleichgültig. Scheiß drauf. Sei ehrlich. Denk nach. Dann wirst Du nicht ruhiger. Du artikulierst Dich anders. Anstelle von Hardcore tritt Kabarett. Aber: Glaubst Du echt, das macht einen Unterschied? Meinst Du, der Typ auf der Bühne, dem Du Deine Hände schenkst, ist mit 40 zu ruhig geworden, um Euch die Gesellschaft vorzuführen?
Und vor Allem: Glaubst Du wirklich, dass die Form die Rebellion bestimmt? Wenn Du das glaubst, bist Du für die Wut verloren.
Wenn Du das denkst, sind die Worte ohne Sinn rot markiert und Du hast die Wut aus Pflichtgefühl verspürt – gewollt. Weil Du 20 warst. Weil Du das Klischee bedient hast. Es geht nicht um die gereckte Faust, nicht um Gebrüll oder Parolen. Wer das glaubt hatte seine Zeit, aber nicht das Bewußtsein. Es geht ausschließlich um Mitgefühl, um Denken, nicht egal*2 , Wollen. Darum seinen Egoismus nicht auf dem Rücken andere auszutragen. Es geht nicht darum, die Worte rot zu markieren, sondern Worten eine Bedeutung zu verleihen, Worten Taten folgen zu lassen.
Worte – Freunde im Geiste, Ihr wusstet es auch mit 20 – können etwas bewegen. Sturm und Drang sind auch meine Weggefährten und ich mag so oft es geht verzweifeln. An Modernismen, an allem was sich in den Weg zu werfen bereit erklärt. Aber ich reiche Euch nun genau die erfahrene Hand, die Ihr anzweifeln müsst. Nämlich die des Verständnisses. Und wer will bitteschön denn verstanden werden, wenn er wütend ist? Mit 20? Mit 30? Ich etwa? Oh Gott, nein! Bleibt die Frage: Hört das jemals auf?
Was bleibt sind dann wohl am Ende ... Worte, rot markiert.
Und wir hoffen Generationen übergreifend auf Rückgrat.
* Danke Escapado 2007
*2 But Alive ... und Kettcar
Di
05
Okt
2010
Es ist schon erstaunlich wie sehr man eine Band vermissen kann, wenn sie sich einmal aufgelöst hat. Wie sehr es einen ergreifen kann, wenn man die letzten energetisch kaum zu überbietenden Zuckungen in Form eines Abschiedskonzerts immer und immer wieder anschaut und es einen mit wohligen Schauern angedenk des Erlebten durchflutet.Es ist erhaben wie stolz man auf die Entscheidung seiner Helden sein kann, sich in Freundschaft und inmitten eines kreativen Schubs aus den richtigen Gründen aufzulösen. Und dennoch war da immer diese eine Hoffnung, dass das bislang lauteste und formidabelste Wort um Himmels Willen nicht das letzte gewesen sein möge. Und plötzlich ist das so herbeigesehnte Gefühl einer erneuten Epoche, die es mitzuerleben gilt da. Kaum zu glauben nun, dass dieser Glücksfall, dieses Eintreten des musikalischen Sehnens, dennoch nicht den Stolz schmälert, den man damals empfunden hat, als sich Boysetsfire getrennt haben und dass es auch jetzt wieder das erhabene Gefühl gibt, diesen Jungs nur das Allerbeste zu gönnen und somit auch sich selber wieder in den Taumel zu stürzen aus Energie, Botschaft, Geschrei, gereckter Faust und genialen Melodien. Mögen diese kreativen Geistern in aller Freundschaft noch so einiges abfackeln im Sinne der Kunst und der Menschlichkeit!
Fr
01
Okt
2010
Mo
27
Sep
2010
Trauer ist ein Zustand, den man nicht beschreiben kann, ohne dass man den eigentlichen Kern außer acht lässt. Trauer kann man nur fühlen und erleben. Trauer muss man ausleben und ich glaube man kann sie nicht teilen. Geteiltes Leid ist ein Mythos. Trauer ist auch Wut. Über die Welt, die im allgemeinen unfair ist, über sich selbst, der man die Chance etwas zu sagen verpasst hat, über das Ungreifbare.
Trauer ist reine Ohnmacht.
Aber Trauer ist auch ein perverser Appell an sich selbst etwas zu ändern. Sich selbst zu reflektieren. Und den Arsch hoch zu kriegen, sei es für den Verlust, oder für sich selbst. Trauer lähmt kolossal und Trauer tritt Dir in den Arsch, wie nichts Vergleichbares. Gewisse Gedanken verbieten sich plötzlich von vorneherein, weil sie der reine Hohn wären. Andere drängen sich in den Vordergrund und wollen bleiben.
Was mich angeht, das dürfen sie gerne.
Di
14
Sep
2010
Schon gemerkt?
Wenn man auf der Straße Menschen begegnet, ist man sich um so ferner, je größer die soziale Kluft zwischen einem selber und dem Gegenüber ist.
Kommt der Passant, dem man sich unweigerlich beim Fortbewegen nähert, mit gehobenem Blick auf einen zu, so kann man davon ausgehen, dass er annähernd der gleichen sozialen Schicht angehört wie man selber. Je niedriger das soziale Standing ist oder auch nur empfunden wird - der Unterschied spielt hier keine Rolle - desto weniger ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Blicke treffen. Der anzugtragende Banker wird den Blick vom Obdachlosen ebenso abwenden, wie umgekehrt. Anzügler unter sich jedoch checken sich gegenseitig schnell ab und nicken sich dann vielleicht sogar ihres gleichen erkennend zu.
Achtet mal drauf. ist ganz spannend. Aber auch sehr ernüchternd. Denn nirgendwo kann man gelebte Oberflächlichkeit besser sehen, als auf der Straße.
Mo
13
Sep
2010
Konsens adäquat und optimistisch betrachtet, darf Murphy natürlich gerne weiter leben. Pessimistisch dagegen, wie ich mich in diesem Fall zwingen möchte zu denken, darf ich mir wünschen, dass dieser verdammte Typ, von dem alle behaupten, sein Gesetz würde allseits und unumstößlich gelten, endlich den Löffel abgibt.
Ist mal jemandem aufgefallen, dass Murphy nur deshalb so in seiner herbeigeredeten Allmacht gefürchtet wird, weil sich schlechte Nachrichten immer besser verkaufen als gute? 10 Menschen gestorben ist eine Nachricht. 10 Menschen geboren dagegen normal. Murphy ist der Bote der Katastrophe. Ungückliche Verkettungen werden nachverfolgt, kommentiert, archiviert. Dinge die dagegen völlig "normal", vermeidlich langweilig ablaufen, sind niemandem auch nur die Erwähnung wert. Wir schätzen das Böse und ignorieren das Gute. Wir zelebrieren den Untergang mit vorgeschoben warnenden Worten und zeigen dem glimpflichen Ausgang den Mittelfinger.
Murphy. Wer ist dieser Typ, dass er meint sich als unheilbringender Schatten über unser Handeln legen zu können? Murphy ist ein Arschloch! Und ich werde ihm von nun an die Gefolgschaft verweigern und sein Gesetz missachten.
Mo
06
Sep
2010
Do
02
Sep
2010
Die Short Cuts in meinem Hirn:
Auf twitter.com unter dem Short Cut #sms10
Erster Schrecken meinerseits über derartig viele Kravatten und Sackos in den Tönen Mittelgrau über Steingrau bis Schwarz, obwohl Social Media angeblich - O-Ton Johannes Kleske - "dreckiger undwilder" sein soll, als alles andere.
Beengtes Sitzen bei ohrenbetäubendem Schweigen des Auditoriums. Ich dachte ein Summit wäre mehr Gathering als Frontalunterricht, aber gut. Wieder was gelernt.
Erstes Aufatmen, dass ein gewisses und unterhaltsames Dissen und Battlen scheinbar auch in der inzestuösesten Szene möglich ist.
Jähes Erstaunen über die wiederum erstaunte Feststellung, dass man auch bei der Erstellung von Apps auf das CI des jeweiligen Unternehmens achten sollte - wow!
Grummelndes Akzeptieren, dass der KPI die Welt der Social Media regiert und die "Profis" einfach nicht loslassen können.
Ein sich langsam immer stärker verdichtendes Gefühl, dass wir hier über ein angeblich ach so revolutionäres Marketingfeld reden und dennoch alle Experten und Sichindernähevonsolchenwähnende mit dem abgeschmackten Präsentationstool Powerpoint langweilen.
Erleichterung bei der Erkenntnis, dass wenigstens die vielbeklatschte Alverde-Referentin auszubrechen wagt und der testosteronüberladenen Runde in persona vorlebt, was andere nur predigen: Authetizität und Bodenständigkeit. Einfach geil!
Das sich setzende und selbststreichelnde Gefühl, dass man eigentlich immer schon wusste worum es bei Social Media geht - Glaubwürdigkeit und Durchhaltevermögen - wärmt den vom üppigen Essen leicht überstrapazierten Bauch und streichelt das Ego.
Schales Gefühl beim Verlassen des Summits, sooo viel Neues nicht gehört zu haben und die Erkenntnis, dass die eigene Erwartungshaltung vielleicht ein wenig zu groß war, gepaart mit dem Stunde um Stunde stärker werdenden Drang, endlich wieder (kre)a(k)tiv zu werden und sofort loslegen zu wollen.
Ein ganz persönliches Fazit:
Mag der Weg auch schmerzvoll gewesen sein, ich bin wieder angefixt ... und muss dringend versuchen ein paar Sätze ohne Anglizismen zu sprechen. Vielleicht hilft mir dabei ja das Tourette-Seminar am nächsten Wochenende in Arschaffenburg.
Do
02
Sep
2010
Ist eigentlich noch niemandem in den Sinn gekommen, dass Social Media und herkömmlicher SM sehr viel gemeinsam haben? Denkt mal drüber nach. Beides hat sehr viele Fans. Um beides ranken sich Mythen besonders unter denen, die nicht in der Szene sind. Beides kann unglaublich weh tun und beides geht schief, wenn nicht alles im Lack ist. Zuckerbrot und Peitsche sind gängige Mittel und verlierst Du errst einmal die Kontrolle, wird es hart. Beides kann von jedermann sofort gemacht werden und beides sollte vorher gut durchdacht sein. Beides kann ein 24/7-Job sein und beides hat sehr viel mit Macht, Kontrolle und Überwachung zu tun.
Fr
20
Aug
2010
Ist das eine Frikadellen-Bude oder ein Treffpunkt für Polizisten?
Fr
20
Aug
2010
... erst einmal einen Kosten-Voranschlag“, sagt der Terrorist und legt los.
Di
03
Aug
2010
In Grunde ist es eine lächerliche Erkenntnis, angesichts unserer Allmachtsfantasien eine frustrierende Laune der Natur, dass ungeachtet der technischen Entwicklung und dem so leichten Fußes
empfundenen Fortschritt, der Mensch noch immer auf derselben Stelle trampelt. Die Spur wird breiter, aber nicht einen Deut tiefer. Das Profil verändert sich, Materialien ersetzen einander. Die
Beschaffenheit des Bodens, den es zu bezwingen gilt jedoch bleibt wie sie immer schon war. Ein unwägbarer Sumpf, der jeden ins Verderben lockt, der meint, dass Technik den Geist ersetzt. Und von
eben dem haben wir gerade genug, uns über Wasser zu halten.
Do
22
Jul
2010
Und bist Du Dir uneins ob Dir Ungemach geschieht oder einfach nur ein paar Dinge geschehen, die sich nicht dazu eignen, Deinen Nachbarn zu erzählen, sei Dir sicher, dass Deine Nachbarn kaum ein gesteigertes Interesse dafür aufbringen werden, Deinen Eindruck in ihr flüchtiges Weltbild pressen zu wollen.
Do
22
Jul
2010
Gott, stets bewundert man diejenigen,
die gänzlich andere Talente ins Feld führen,
welches man doch selbst zu beackern lechzt.
Do
22
Jul
2010
In stummer Erwartung, was sich sichtbar zu nennen geriert, erhalten wir einen Eindruck in die Untiefen eines erfahrbaren Gefühls.
Und gefrieren in heraus geschriener Stille.
Ein großer Schritt zurück bedeutet von nun an Fortschritt.
Di
20
Jul
2010
Na, Ihr Übergroßen, Ihr zart über dem Boden Schwebenden, wie lebt es sich eigentlich als Übermensch? Wie fühlt es sich an, als jemand, der seinen ganzen Glanz einer Technologie verdankt? Fühlt man sich überlegen, obwohl die eigene Leistung bei diesem Schwanzvergleich nicht einmal eine untergeordnete Rolle spielt? Sie besteht einzig (leider nicht so allein, wie Ihr es gerne hättet) darin, als Konsument bewusst eine Entscheidung getroffen zu haben. Glaubt Ihr zumindest. Dabei stört es Euch nicht einmal einer, natürlich den völlig individuellen Anschein wahrenden, Massenmaschinerie unterworfen zu sein, die Ihr kapitalistisch auf die Spitze getriebenes Vorbild in der blind machenden Art von Religion findet. Auch der von Euch so freiwillig und mit einem feisten Grinsen im Gesicht hoch bezahlte Mehrwert ist ein schöner Schein. Eine schicke Fassade die Euch, das eigene Unvermögen kaschierend, auf ein kleines, durchgestyltes Treppchen verhilft, von dem aus Ihr Eure in die Luft gereckten Näschen von ein wenig Höhenluft umschmeicheln lassen könnt. Ihr erwartet jede Neuerscheinung, jede materielle Blähung Eures Gottes mit unkritisch debil verzückten Gesichtern und willig gezückten Portemonnaies und feiert den Heiland, der Euch dies alles beschert hat. Der Euch befreit hat von der Tyrranei des schnöden Massengeschmacks, der den Pöbel bedient und ihm lediglich die technologischen Reste zum Fraß vorwirft, der ihn mit rückschrittiger Technik verblendet, auf dass Ihr, die Erleuchteten noch heller strahlen könnt. Ihr seid so von Eurem eigenen Geschmack begeistert, trunken vor Arroganz und der – ich bin sicher, Ihr meint es ernst – Gier die Ersten zu sein, dass Ihr gar nicht merkt, dass der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Euch darin besteht, dass Euer Gott sich das elitäre Gefühl, welches Ihr Euch nur selber vorgaukelt, von Euch teuer bezahlen lässt. Aber es ist ja auch gut so. Man erkennt Euch. Man kann Euch ausweichen. Man kann sich herrlich mit Euch amüsieren. Es ist ja nicht so, dass Ihr lediglich Eure Sakrilege, die Euch Euer Herr gegeben hat, benutzt, anstarrt, vergöttert, über sie redet und sie in Eurer Welt erhebt zu etwas Magischem. Nein, zu meiner und unser aller Freude tragt Ihr sie mit Euch herum, Ihr verkleidet Euch mit ihnen, Ihr schmückt Euch – so denkt Ihr – mit ihnen. In angesagten Cafés sitzt Ihr herum, meist leider allein, gebrandmarkt mit seinem blass glimmenden Zeichen, trinkt Latte Machiato, tragt 80er-Jahre-Polohemden mit – wenn Ihr ganz wild drauf seid – hochgeschlagenem Kragen, die weißen Kabel hängen Euch träge aus den brav und modisch frei geschnittenen Ohren, die – ob sie wollen oder nicht – beschallt werden mit Konsens- und Gebrauchsmusik zwischen Café del Mar und längst verklungener Zukunftsmusik wie Jean Michelle Jarre. Wann immer man einen der Euren erblickt sieht es geschäftig aus, als arbeite er rund um die Uhr. Stets bemüht etwas Neues, Großes zu erschaffen. Dabei surft er zumeist doch nur den großen Einfällen anderer hinterher, stets bestrebt sich im Glanze der Kreativen zu sonnen, noch ein wenig knuspriger zu erscheinen. Unfassbar oft verbirgt sich fürwahr ein Werber (oder einer von denen, die immer noch glauben, dass dies ein aus einem der folgenden Gründe anstrebenswerter Beruf wäre: ein Gehalt jenseits der Gut&Böse-Grenze, (Lichtenstein ich komme), eine wünschenswerterweise gerade 18 gewordene traummaßgebeutelte, mindestens aber 15 Jahre jüngere Frau, ein Wagen, der definitiv zu cool ist, um ihn noch umweltfreundlich nenne zu müssen). Es ist wirklich unfassbar oft ein Werber, oder jemand der gerne eine wäre, hinter dem blassen Schein jenes Gerätes, bei dem Weniger, pardon, Klarer mehr kostet. Und nicht weniger oft benötigt er Aufmerksamkeit, Bewunderung und – so eine Schmach – eine (eigene) Idee. Dummerweise hat ihm aber beim Verkaufsgespräch oder in der Selbstliebegruppe seines favorisierten Markenartiklers niemand darauf hingewiesen, dass Ideen, Kreativität, Eigenständigkeit, ein eigener Wille, selbstständiges – besonders unabhängiges – Denken, ja eine verdammte Persönlichkeit nicht als App verfügbar sind. Was also nun tun? Schnell mal die üppig vorhandenen „Freunde“ auf Facebook abchecken? Ach nein, geht nicht, die sind schließlich gerade dabei, ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen oder sich gegenseitig den Arsch zu lecken – und das gut zu finden. Wo soll nur die entscheidende Idee herkommen? Weder Jean-Michelle noch Café del Mar bringe Rat, also hilft nur noch eins: Ablenkung! Da vorne sitzt ein Feind. Man erkennt ihn schon daran, dass man ihn kaum erkennt. Ein Gesichtsloser, der sein Fenster geöffnet hält, wie kann er nur? Schließlich ist es die Verschlossenheit, die verschworene Einheit, das Wissen um die bessere, die wegweisende und vor Allem nur Eingeweihten erschließbare Technologie, die spießige Besserwisser zur Elite macht. Um Himmels Willen, was wäre, wenn jeder plötzlich einsähe, welch Potential in dieser Geheimwissenschaft steckt? Wäre der Eingeweihte plötzlich gar kein Opinion Leader mehr? Gäbe es von jetzt auf gleich keine Front mehr, die es aufrecht zu erhalten lohnen würde? Woher sollte der minderbemittelte, Faulobst liebende Existenzialist nur die Abgrenzung nehmen, die er doch so arg für sein leider zu kurz, zu klein geratenes, ... aber lassen wir das, ... für sein – und es ist fast immer ein „er“, wie auch immer geartetes Ego benötigt? Tja, scheiße. Sehen wir es einmal positiv.
Aber erst im nächsten Teil der Apfelsaga ...
Mi
23
Sep
2009
Ich denke, glaube, bin im Ernst überzeugt zu wissen, dass es unter allen kreativen Menschen auf der, sich den Luxus um so etwas Nebensächliches, da nicht vordergründig Lebenserhaltendes kümmern zu könnenden, Welt einen wesentlichen Teil – bestimmt gut die Hälfte – gibt, die essentiell arbeitsscheu sind. Und ich spreche hier nicht von Architekten, Werbern, sonstwie gedacht oder gewollt Gebrauchskreativen, die sich das Leben mit dem existenziellen Zwang zur Hölle machen, einem tumben und nicht ansatzweise nach Genius verlangenden mobartigen Markt, verkaufsfertige Ideen liefern zu müssen. Es geht mir nicht im Entferntesten um jene, die ihr Geld, ihren Lebensunterhalt mit dem Generieren von Ideen verdienen, die man in Perfektion zum Ankurbeln der regionalen, nationalen, globalen, ja von mir aus dereinst multiplanetaren Geldmaschinerie nutzen und missbrauchen kann.
Ich möchte eine zittrige, aber aufrechte Lanze brechen, für jene Freigeister, die im fahlen Zwielicht einer flitterigen RGB-zerschredderten Dokusoap auf schmuddelig abartigen Sendern, welche den Erstgenannten ihren Lebensunterhalt auf gleich zweierlei Arten erhalten, nur unzureichend und milieugerecht beleuchtet werden.
Wie oft wird der, wider besseren Wissens, hässlich verliftete Mundrest – so weit noch möglich – art- und standesgerecht verzogen, über diejenigen, die an der eigenen Wand zum über Umwege bezahlten Hängen gekommen sind. Wieviele Menschen schmücken sich, niemals vorhandenes Wissen und einen niemals zu erreichenden kulturellen Stand vortäuschend, verbale Dissonanzen nicht nur erzeugend, sondern auch mangels Gegenwehr enervierend und über seines Gleichen multiplizierend in die Welt tragend, mit der persönlichen Bekanntschaft dieses unfassbaren Genies, welches der Kunstwelt doch ach so viel zu geben habe, sich selber jedoch niemals von seiner eigenen, schicksalsbehafteten und somit kunststiftenden Biografie wird lösen können. Die Tragödie einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung ist nach wie vor einer der besten Aufhänger für nicht weiter das Ego belangende Gespräche in einer Gesellschaft, die nichts Höheres gelernt, nichts Geileres kennen gelernt hat, als das monumentale, totale, persönliche Scheitern eines Individuums zum höchsten Gut zu stilisieren. Was gibt es Schöneres, Erbauenderes und vor Allem Sichereres, als einem anderen aus sicherer Entfernung zuzusehen, als zu applaudieren, dem beinahe beneidenswerten, da in naher Zukunft berühmten, im Optimalfall sogar unsterblichen Delinquenten gar in gespielt devoter Zuneigung zu huldigen, wie sich dieser in hilfloser Agonie seines schlicht um Existenz bemühten Tuns abrackert, seine Profession in Übereinstimmung mit einer adäquaten
Überlebensart zu bekommen.
Maler, Zeichner, Schriftsteller, Musiker, Bildhauer – alle sich selbst Ausdrückenden, Ihr Innerstes zu Äußerst Kehrenden, ihrem ganz persönlichen Drang nach Ausdruck ihrer noch viel persönlicheren Freiheit und Gefühle Strebenden – alle Künstler im Wortsinne, welchen unsere Gesellschaft durchaus diesen scheinbar privilegierten Namen - man muss sagen diesen vorsätzlich erhabenen Status – in ihrer ureigensten Gnade und Großzügigkeit zugesteht, sind hier auf eine Art, einem gefühlten Stand vereint, der sowohl ihren bipolaren Status in einer schizophrenen Gesellschaft, die zwar der sie dokumentierenden und kritisierenden Kunst bedarf, nach ihr als bleibendes und erhebendes Element dürstet, aber genau so viel Abstand von ihr nimmt, wie die Norm es gebietet, um die Kunst erst als Kunst anerkennen zu können, als auch ihre Protagonisten in einer Art verdammt und gleichzeitig voyeuristisch, absolut um ihre vermeidlichen Freiheiten beneidend beobachtet,
dass ein in diesem bürgerlichen Umfeld normales Leben – nach dem auch Künstler mitunter dürsten – kaum oder gar nicht mehr möglich ist.
Paradoxerweise bin ich überzeugt davon, dass es eben nicht die Tatsache des Ausgestoßenwerdens ist, die Künstler in Scharen zu Anhängigen von Drogen unterschiedlicher Couleur macht – nebenbei für die Gesellschaft in ihrer Masse erwähnt, nicht ansatzweise zu verwechseln mit Abhängigen. Der anerkannte oder selbstbestimmte Pariah kann bestens ohne Drogen auskommen, hat er doch die Anerkennung der Massen, kritisch oder schlicht konsumierend – wobei erfahrungsgemäß erstere elitär-schwachsinniger, letztere breiter aber nicht weniger schwachsinnig, wenigstens in Bezug auf Kunst ist.
Es ist die anfänglich genannte Scheu vor Arbeit.
In der Tat hat wohl jeder kreative Geist unendliche viele kreative Ideen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Quasi immer.
Kaum eine – immer auf die Masse gesehen (die mitunter auch aus 3 meinungsbildenden Kritikern bestehen kann) – dieser Ideen wird jedoch tatsächlich genutzt, soll heißen umgesetzt, verarbeitet, verwirklicht, erlebbar gemacht. Kein wahrhaft kritischer, insbesondere selbstkritischer – und mit den Mindestanforderungen an einen reflektierenden Menschen gesegneter, unabhängiger Geist, wird beispielsweise einem lediglich von Geltungssucht, gepaart mit einem übersteigerten Ego und der nachvollziehbaren Tendenz zum eigenen Überleben mittels Einsatz seiner beschränkten Mittel getriebenen „Künstler“ wie Jonathan Meese unterstellen, an einem Übermaß an Inspiration oder Wahrhaftigkeit zu leiden. Hier muss nichts raus. Hier will ein Individuum überleben, hat verstanden, wie man es wahrnimmt und spielt das Spiel mit. Und das funktioniert wunderbar. Das Individuum lebt, die Idee ist tot, oder auch niemals in die Reichweite einer Geburt geraten.
Der Künstlertypus über den ich hier spreche, ist von einer ganz anderen, durch und durch triebgesteuerten Art. Ihm wohnt eine Fähigkeit – welcher Ausdrucksart, welcher Kunstform sie auch immer sei – inne, gepaart mit der unbändigen Lust diese ausdrucksstark auszuleben; sich nicht durch den ungezügelten Ausdruck seines Schaffens ein sorgenfreies Leben in finanzieller Unabhängigkeit zu verschaffen, sondern schlicht zu überleben, indem er sich ausdrückt; die Barriere zwischen der permanenten – und ich meine permanenten im Sinne von immerzu existenten und drängenden – Gedanken- und Ideenebene zu überwinden; die eigene Faulheit in den Schatten zu stellen.
Und genau an diesem Punkt kommen die – wie auch immer gearteten – Drogen ins Spiel. Fälschlicherweise ist die allgemeine Wahrnehmung, dass Musiker, Maler, Künstler im Allgemeinen zu Drogen tendieren, weil sie den Kick bräuchten, die Visionen, die körperfremde Substanzen ihnen erst ermöglichen. Ich behaupte reinen Gewissens und freien Herzens, etwas anderes. Die meisten Getriebenen, die Majorität der Künstler – so wie wir sie bezeichnen, kategorisieren und abstempeln würden – wie ich sie kenne, braucht und benutzt die Drogen, sei es schlicht und im überwiegenden Maße der Alkohol, als auch Gras oder im seltensten Falle Schlimmeres, für genau einen Schritt. Nicht um Ideen zu finden – was zumeist ein völlig schwachsinniger Weg ist. Nicht um sich von seiner Umwelt abzugrenzen oder gar in andere Sphären abzutauchen. Es ist um ein Vielfaches simpler, pragmatischer und entmystifizierender:
Die meisten Künstler benutzen die Drogen, um anzufangen zu arbeiten.
Um den ersten Schritt zu machen, mitunter belanglose Vorarbeiten zu beginnen.
Um das oft wahrhaft langsame Vorkommen spannender, lustvoller zu gestalten, die eigentliche Arbeit im Wortsinn vorzubereiten und in handwerklichem Sinne den Grundstein für das große Ergebnis zu legen.
Eben: Um den Schritt vom schlichten, ungreifbaren Gedanken – den wir alle, alle, alle – ständig und immerzu haben, mit uns führen, weiter denken und schlussendlich zumeist verwerfen – umzusetzen. In eben jenes großartige Kunstwerk, welches viele von uns erdenken – ungedacht der zweifelsfrei nötigen aber durchaus mitunter auch anzuerlernenden Fähigkeiten – aber nur wenige in die Tat umsetzten.
Ende Teil I
Do
10
Sep
2009
Che Guevara –
der Mann mit dem Putsch-Fimmel rät!
Für einen ordentlichen Haus-Putsch
oder einen Putsch-Anfall benötigt man:
1 Schüssel Silvester-Putsch
1 Putschlappen
1 Putscheimer
1 Tube Putsch Buin
1 Putscheblume
1 Flasche Putschkin-Vodka
1 Creme gegen Putschteln
1 Packung Aufputschmittel
Als Partner empfehlen wir Vladimir Putschin
Und wenn die Aktion „Putschmunter“ funktioniert,
ist die alte Regierung putsch!
Und dann auf zur Putsch-Fahrt.